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Vorhang auf: Erste Woche Theater nach Corona-Shutdown | BR24

© BR/Ulrich Trebbin

Nach drei Monate dürfen die Theater seit Anfang der Woche wieder ihre Säle öffnen. Die Schauspieler und Intendanten freuen sich, wieder vor Publikum zu spielen, aber es belasten sie auch viele Sorgen. Eine erste Bilanz.

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Vorhang auf: Erste Woche Theater nach Corona-Shutdown

Nach drei Monaten dürfen die Theater seit Anfang der Woche wieder ihre Säle öffnen. Die Schauspieler und Intendanten freuen sich, wieder vor Publikum zu spielen, aber es gibt auch weiter viele Sorgen. Eine erste Bilanz.

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Die Erleichterung bei vielen Theatern in Bayern ist groß: Endlich ist die Schockstarre des Shutdown vorbei. Endlich wieder Arbeit - wenn auch mit Mundschutz und Sicherheitsabstand. Endlich wieder Vorhang auf und Spielen vor Publikum. Doch Euphorie wird man unter den Theatermachern kaum finden. Dafür sind die Restriktionen noch zu groß.

Große Sicherheitsabstände im Publikum

Bei Proben und Aufführungen dürfen nur wenige Menschen im Saal sein, vermieden werden soll die Gefahr vielfacher Coronainfektionen. Zwar bekommen maximal 100 Zuschauer Einlass und draußen dürfen es immerhin 200 sein, aber es müssen die Mindestabstände gewahrt bleiben.

Keine kostendeckenden Aufführungen

Im schnuckeligen Regensburger Turmtheater beispielsweise dürfen nach den geltenden Regeln der Staatsregierung auf den 79 Plätzen nur 15 bis 20 Zuschauer Platz nehmen. Für Intendantin Undine Schneider sind Aufführungen unter solchen Voraussetzungen bisher keine Option. Wie viele setzt sie bis auf Weiteres keine Vorstellungen an und hofft, dass im Herbst weitere Lockerungen kommen.

Schließlich muss sie Schauspieler und Bühnentechniker bezahlen, also ist eine Aufführung erst ab 63 verkauften Karten rentabel. Trotz der Subventionen von Freistaat und der Stadt Regensburg muss die Truppe 80 Prozent der Kosten einspielen.

Eintrittskarten müssten eigentlich 150 Euro kosten

Ebenso sieht es im Münchner Metropoltheater aus. Intendant Jochen Schölch öffnet seine Pforten zwar im Juli bis Anfang August, aber das werde ein Draufzahlgeschäft, sagt er: Eine Karte müsste bei der geringen Bestuhlung eigentlich 150 Euro kosten. Darum verlangt er lieber gar keinen Eintritt und hofft, dass die Zuschauer unter dem Motto "Zahl doch, was du willst!" reichlich in den Hut legen.

Glücklicherweise habe das Metropoltheater ein treues Publikum, das das Haus in den letzten Monaten durch großzügige Spenden über Wasser gehalten hat, sodass Schölch seinen Schauspielern Ausfallhonorare zahlen konnte. Die Miete war durch die Zuschüsse von der Stadt gesichert.

Stücke für Corona-Auflagen umschreiben

Besser geht es da staatlichen und städtischen Theatern. Das Münchner Volkstheater fährt dieses Jahr wohl einen hohen sechsstelligen Minusbetrag ein, aber Intendant Christian Stückl hofft, dass die Stadt Verständnis hat. Er hat die Sommerpause in den letzten Monaten vorgezogen und will ab Ende Juli den ganzen Sommer durchspielen. Fünf Inszenierungen werde es geben, die habe man aus dem Repertoire Corona-tauglich umgearbeitet. Schließlich darf es keine Küsse auf der Bühne geben und auch keine Rauferei.

Hier ist Kreativität verlangt. "Aber wozu sind wir Künstler", sagt die Regisseurin und Intendantin der Münchner Schauburg Andrea Gronemeyer. Dort steht ab Ende Juni das Märchen vom standhaften Zinnsoldat in einer intimen Aufführung auf dem Spielplan. Das Ganze habe sogar Vorteile: Die Kinder könnten sehen, wie selbstverständlich und ideenreich die Schauspieler mit der Krise umgehen: "Gerade jetzt brauchen unsere Kinder Theater", so die Intendantin.

Aufführungen mit wenigen Zuschauern

Das Staatstheater Nürnberg leistet sich ab nächster Woche auch kleine Formate und spielt im Freien ohne Eintritt - allerdings müssen sich die Zuschauer online anmelden und einen der wenigen Plätze reservieren. Und an den Münchner Kammerspielen treten die Schauspieler seit letzter Woche sogar für nur 15 Zuschauer auf die Bühne. Bei einer begehbaren Installation wird alle sechs Minuten ein einziger Zuschauer losgeschickt.

Theater brauchen langen Atem

Vermutlich ist die harte Zeit für die Theater in Bayern noch lange nicht vorbei. Denn kostendeckend werden sie bis auf Weiteres nicht spielen können. Die medizinische Forschung hat gezeigt, dass gerade Massenveranstaltungen auf engem Raum für einen Großteil der Ansteckungen mit Corona verantwortlich sind. Solange also kein Impfstoff oder ein wirksames Medikament gefunden sind, wird die Politik hier mit Lockerungen wohl vorsichtig bleiben.

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