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Textilindustrie produziert jede Menge Verpackungsmüll | BR24

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Textilindustrie produziert jede Menge Verpackungsmüll

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    Textilindustrie produziert jede Menge Verpackungsmüll

    Die Textilproduktion hat sich seit der Jahrtausendwende weltweit verdoppelt, Tendenz weiter steigend. Unter dieser Industrie leiden Klima und Umwelt - auch, weil für die Kleidung unvorstellbare Mengen an Verpackungen anfallen.

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    Was vielen nicht bewusst ist: Die Textilindustrie sorgt neben den Kunststoffen in der Kleidung selbst auch für große Mengen an Verpackungsmüll. Für den Kunden ersichtlich liegen nur Oberhemden und Kleidung vom Discounter dick in Plastik verpackt in den Läden.

    Doch hinter den Kulissen sieht man: In den meisten anderen Läden sieht es nicht besser aus. Große Modegeschäfte haben sogar eigene Abteilungen für das Auspacken der Ware. Die bittere Wahrheit: Jedes Kleidungsstück kommt beim Händler einzeln in Kunststoff verpackt an.

    Straubing als Real-Labor

    Die Stadt Straubing ist nun zum "Real-Labor" geworden. Sie ist Teil eines wissenschaftlichen Projekts, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird und die Untersuchung dieser Plastikverpackungen zum Ziel hat. Mehrere Unis sind daran beteiligt. Erster Schritt: eine Bestandsaufnahme bei den teilnehmenden Geschäften.

    Thomas Decker war selbst überrascht über die enormen Mengen, die anfallen. Er koordiniert das Projekt am TUM Campus Straubing. Seine Ergebnisse sollen die Grundlage für weitere Forschungsarbeit bieten.

    "Ich messe exemplarisch die Verpackung von einem T-Shirt, wie schwer sie ist, und rechne das dementsprechend auf das Verpackungsaufkommen hoch. Denn hierzu gibt es keine Zahlen. Das ist eine Grauzone, und da versuchen wir, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bekommen." Thomas Decker, Stadt Straubing

    Textilien werden oft mehrfach umverpackt

    Textilien kommen heute meist aus Südostasien. Um Schimmelbefall auf der langen Schiffsreise zu vermeiden und damit die Ware sauber und faltenfrei in den Geschäften ankommt, wird alles einzeln in Plastik verpackt. Und nicht nur das: Untersuchungen haben ergeben, dass Kontrollen entlang der Lieferkette dafür sorgen, dass immer wieder in neues Plastik umverpackt wird.

    "Das heißt, bevor es überhaupt im Laden ankommt, kann es durchaus sein, dass das Produkt drei- bis viermal eingepackt ist, umverpackt worden ist, und das gilt es zu vermeiden." Thomas Decker, Stadt Straubing

    Wenig Bewusstsein bei den Verantwortlichen

    Entlang der Lieferkette gibt es offenbar kein Bewusstsein für das Problem. Denn Plastik ist billig und stets verfügbar.

    "Ein Schritt wäre sicherlich, dass Händler, Logistiker, Großhändler miteinander reden und zwar, dass man im Endeffekt ab dem Zeitpunkt, wo das Ganze in Europa anfällt, nicht mehr umverpacken muss." Thomas Decker, Stadt Straubing

    Hunderte Milliarden Verpackungen jährlich

    Denn bei geschätzt mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücken, die jährlich weltweit produziert werden, kommt einiges zusammen. Oft ließen sich die Plastikberge wegen des Materialmixes oder fehlender Kennung auch gar nicht recyceln und wandern in die Müllverbrennung, so Thomas Decker.

    Was den Wissenschaftlern noch aufgefallen ist: In vielen Läden wird hängende Ware auf eigene Kleiderbügel umgehängt. Dann müssen auch noch riesige Mengen an Plastikbügeln entsorgt werden.

    Der ahnungslose Kunde hat wenig Möglichkeit, das Ganze zu beeinflussen.