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Eigentlich müsste Zimmermeister Stefan Maar überglücklich sein. Die Auftragsbücher für seine Holzhäuser "made in Röttenbach" sind mehr als gefüllt. Was aber fehlt, ist das Holz. Und die Preisentwicklung ist unberechenbar.

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Teure Mangelware: Zimmereien fehlt das Bauholz

Eigentlich müsste Zimmermeister Stefan Maar überglücklich sein. Die Auftragsbücher für seine Holzhäuser "made in Röttenbach" sind mehr als gefüllt. Was aber fehlt, ist das Holz. Und die Preisentwicklung ist unberechenbar.

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Von
  • Tobias Burkert
  • Annette Bögelein

Stefan Maar hat lange dafür gearbeitet, um dort zu sein, wo er jetzt beruflich steht. Mit seiner Zimmerei in Röttenbach bei Erlangen hat sich der 49-Jährige auf den Bau von Holzhäusern spezialisiert. Jahrelang war Stein sein härtester Konkurrent. Nach und nach aber hat sich der Betrieb einen Namen gemacht, auch überregional.

Holzhausbau boomt

Mittlerweile boomt der Holzhausbau, dennoch ist die riesige Lagerhalle halb leer. Schon längst hätten weitere Lieferungen kommen sollen, aber Holz ist derzeit Mangelware. Lieferengpässe von mehreren Wochen sind an der Tagesordnung. Das Material vor Ort reicht nicht mehr länger als für eine Woche.

Holz ist Mangelware: Zimmermeister unter Druck

Stefan Maar ist eigentlich ein ruhiger, ausgeglichener Mensch, aber der erste Eindruck täusche, sagt der Zimmermeister, er stehe mittlerweile mental enorm unter Druck angesichts der angespannten Marktlage. Man telefoniere den ganzen Tag nur noch den Händlern hinterher, um vielleicht doch noch irgendwie Material irgendwo herzubekommen, aber es hagle nur noch Absagen.

Holz geht in die USA

Große Mengen deutschen Holzes werden vor allem in die USA exportiert. Dort ist Holz aus Europa wesentlich günstiger als heimisches Material. Zudem stehen wegen Corona viele Holzproduktionsstätten in den USA still. Das schürt die Nachfrage nach Material aus Europa und treibt die Preise in exorbitante Höhnen. Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent sind keine Seltenheit. Vor allem deutsches Fichten-Schnittholz ist in den Staaten beliebt.

Holzpreise sind und bleiben hoch

Dank großzügiger Corona-Hilfspakete der US-Regierung können amerikanische Firmen diese Preise bezahlen. Das fegt den deutschen Holzmarkt geradezu leer. Viele Betriebe hierzulande kaufen, was sie auf dem Holzmarkt kriegen können, sagt Klaus Haller von der Bauinnung Nürnberg. Sie wollen ihre Lagerbestände füllen. Das verstärke den Effekt noch. Eine Entspannung sei in jüngster Zukunft seiner Einschätzung nach nicht zu erwarten. Die Holzpreise würden vorerst hoch bleiben.

Holzkauf als Glücksspiel

Zimmermeister Stefan Maar spricht von einer dramatischen Situation. Aufgrund der Holzknappheit weiß er zum Teil gar nicht mehr, wie er seine 20 Mitarbeiter angemessen beschäftigen soll und auf Dauer halten kann. Von seinen Holzlieferanten bekommt er derzeit regelmäßig Absagen. Bestellungen könnten gar nicht oder erst sehr viel später geliefert werden.

Außerdem legten sich die Holzlieferanten aufgrund der angespannten Lage auf dem Holzmarkt nicht mehr auf beständige Fixpreise fest. "Ich muss heute alles, was ich kriegen kann, mehrere Wochen im Voraus blind bestellen, ohne zu wissen, welchen Preis ich am Ende dafür bezahlen muss", sagt Stefan Maar.

Verzögerungen beim Hausbau

Seine Kunden müssten mit Verzögerungen am Bau rechnen. Glücklich sind die Bauherren, die zu Baubeginn schon einen Festpreis ausgehandelt haben. Die Mehrkosten für das Holz kann Stefan Maar nämlich nicht einfach eins zu eins an sie übertragen. Das schmälert seine Gewinne enorm. Generell sei es durch die stark schwankenden Preise derzeit kaum möglich, ein Holzhaus preislich genau zu kalkulieren. Die meisten Kunden zeigten mittlerweile Verständnis für die Situation.

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