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Testlabore vor dem Kollaps: Kritik an Söders Teststrategie | BR24

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Labor-Vorbereitungen für Tests

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Testlabore vor dem Kollaps: Kritik an Söders Teststrategie

Wegen überlasteter Corona-Testlabore kommt Kritik von allen Seiten. Die bayerische Landesärztekammer, die Labore selbst und die Opposition im Landtag warnen, Söders Massenteststrategie sei nicht der richtige Weg. Doch er bleibt offenbar dabei.

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Ministerpräsident Markus Söder mache mit der unspezifischen Testung die Analytik platt, sagen Laborärzte in Bayern. Dramatisch sei die Lage in den Laboren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien physisch und psychisch am Ende. Es herrscht Frust und Erschöpfung in Bayerns Corona-Testlaboren. "Das sind gefährliche und so nicht mehr akzeptable Zustände", sagt Evangelos Kotsopoulos vom Verband der akkreditierten Labore in der Medizin – kurz ALM.

Tests nach dem Motto "Free for all" sei der falsche Weg

Sich einfach mal auf dem Weg zur Arbeit auf Corona testen lassen – regelmäßig. Sicherheitshalber. Oder: Parallel beim Hausarzt und an der kommunalen Teststation testen lassen, um zu schauen, wo das Ergebnis schneller kommt. Alles schon passiert, berichtet Evangelos Kotsopoulos vom ALM-Vorstand. Mit Blick nach Bayern warnt der Laborchef: "Die großzügige Teststrategie können wir uns nicht mehr leisten." Bayern sollte die Teststrategie schärfen und sich auf die Personen konzentrieren, bei denen es medizinisch wirklich notwendig ist, fordert die Interessensvertretung von mehr als 200 medizinischen Laboren in Deutschland.

Forderung von Laboren und Ärzten: Schärfere Teststrategie in Bayern

Das fordert auch die bayerische Landesärztekammer. "Die bislang praktizierte Corona-Teststrategie führt leider zu einer Überlastung der Labore. Außerdem gibt es teilweise bereits Lieferengpässe bei den für die Tests benötigten Reagenzien", sagt Kammerpräsident Gerald Quitterer. Seine Forderung: Primär getestet werden sollten Personen mit schweren Corona-typischen Symptomen, Personen mit Symptomen, die Kontakt zu einem infizierten Fall hatten, Personen mit leichten Symptomen, die zu einer Risikogruppe oder zum medizinischen Personal gehören, und Patienten vor einem Krankenhausaufenthalt oder Aufnahme ins Pflegeheim.

Opposition kritisiert Söders Teststrategie

Kritik an Söders Teststrategie kommt nun auch von der Opposition im Landtag. Die FDP sagt: "Die Staatsregierung lässt die Labore im Regen stehen." Die Kosten der sogenannten "Jedermann-Tests" übernimmt der Freistaat und werden aus dem 20 Milliarden Euro schweren "Sonderfonds Corona-Pandemie" getragen. Ungeachtet der vereinbarten vierteljährlichen Abrechnung warten allerdings zahlreiche Labore in Bayern bislang auf eine finanzielle Entschädigung, teilt der gesundheits- und pflegepolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag Dr. Dominik Spitzer mit.

Die Grünen fordern, dass endlich die Antigen-Schnelltests eingeführt werden, um den überlasteten Laboren zu helfen. "Die von Bundesgesundheitsminister Spahn im Oktober angekündigten Schnelltests für den regelmäßigen Einsatz in Krankenhäusern und Pflegeheimen wurden zwar anscheinend ausgeliefert, die Umsetzung aber läuft schleppend", so die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen Christina Haubrich. Dazu teilte das Gesundheitsministerium jetzt mit, von den insgesamt mehr als zehn Millionen bestellten Schnelltests seien bereits eine halbe Million an Landkreise und Städte ausgeliefert worden.

Söder reagiert nicht auf Kritik – Staatsregierung bleibt bei Teststrategie

Trotz aller Kritik hält die Staatsregierung an ihrer Teststrategie fest. Auf mehrfache BR-Anfrage wollte sich Ministerpräsident Markus Söder auch nicht dazu äußern. Stattdessen sagte Staatssekretär Klaus Holetschek aus dem Gesundheitsministerium: "Es ist ein Sicherheitsangebot für die Bürgerinnen und Bürger. Das ist auch das, was der Ministerpräsident will. Wir werden die Teststrategie anpassen, weil sich die Verhältnisse auch immer wieder ändern. Aber es ist nicht notwendig, einen Paradigmenwechsel einzuleiten." Letztendlich gehe es um die Gesundheit der Menschen in unserem Land, so Holetschek weiter.

Neue Test-Empfehlungen des RKI

Das Robert Koch Institut (RKI) hat unterdessen seine Test-Empfehlung geändert, um die Labore zu entlasten. Unter der Devise "Testen, testen, testen, aber gezielt" sollen nun ausschließlich die Personen getestet werden, bei denen es medizinisch notwendig ist.

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Der Bundestag hat über die geplante Neufassung des Pandemieschutz-Gesetzes debattiert. Sie soll laut Bundesgesundheitsminister Spahn dafür sorgen, dass die von den Ländern verhängten Maßnahmen künftig besser vor den Gerichten Bestand haben.

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