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Grünen-Politikerin Tessa Ganserer

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    Tessa Ganserer: Männername wird auf Wahlzettel stehen

    Es ist eine Niederlage für die Grünen-Politikerin Tessa Ganserer aus Nürnberg: Bei der Kandidatur der Transfrau für den Bundestag wird ihr alter, männlicher Name auf dem Wahlzettel stehen. Für die 44-Jährige ist es eine Demütigung.

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    • BR24 Redaktion

    Tessa Ganserer, Landtagsabgeordnete der Grünen in Bayern und Bundestagskandidatin lebt als Frau. Dennoch wird auf dem Wahlzettel ihr ursprünglicher männlicher Name, ihr "Deadname", stehen. Das hat der Landeswahlausschuss in Bayern am Freitag entschieden, wie eine Sprecherin des Statistischen Landesamtes sagte.

    "Deadname" wird auf dem Wahlzettel stehen

    Denn vor dem Gesetz ist Ganserer immer noch ein Mann. Ihr jetziger Name wird auf dem Wahlzettel dementsprechend nur in Klammern hinter ihrem ursprünglichen Namen auftauchen. Das ist insofern problematisch, als dass "Deadnaming", also die Nennung der alten Namen von Transgender-Menschen, als Herabwürdigung und Demütigung angesehen wird. Auch die Nürnbergerin Tessa Ganserer fühlt sich damit alles andere als wohl. Dennoch steht die Entscheidung vorerst.

    Bürokratischer Spießrutenlauf für Transgender-Menschen

    Grund dafür ist das Transsexuellengesetz von 1980. Ein Gesetz also, dass älter als 40 Jahre ist und in den Augen Ganserers transsexuelle Menschen diskriminiert. Denn dieses sorgt für viele, in ihren Augen teils inakzeptable, Hürden bei der offiziellen Namensänderung. Demnach müsste sie sich einem langwierigen und teuren Begutachtungsverfahren unterziehen, um Name und Geschlecht vor dem Gesetz zu ändern.

    Beim Amtsgericht Nürnberg hat die Grünen-Politikerin bereits Klage eingereicht, um den bürokratischen und herabwürdigenden Spießrutenlauf umgehen zu können. Eine Entscheidung dazu sei allerdings noch nicht gefällt worden. Im Notfall wolle sie durch alle Instanzen gehen, sagte Ganserer dem Bayerischen Rundfunk.

    Tessa Ganserer hat sehr gute Chancen auf den Bundestag

    Derzeit ist die 44-Jährige Landtagsabgeordnete in Bayern, könnte aber bald eine der ersten Transgender-Menschen sein, die einen Platz im Bundestag bekommen. Mit Listenplatz 13 bei den bayerischen Grünen gilt der Einzug ins Parlament als weitgehend sicher.

    Bundesweit gibt es weitere Transgender-Menschen, die für den Bundestag kandidieren: In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gilt der Einzug von Nyke Slawik als relativ sicher. Sie kandidiert auf Listenplatz elf.

    Für die Polizistin Ria Cybill stehen die Chancen wohl etwas schlechter. Sie stammt aus Coburg und bewirbt sich in Brandenburg um ein Direktmandat für die SPD. Im Wahlkreis Rosenheim kandidiert Victoria Broßart für die Grünen. Listenplatz 25 auf der Landesliste könnte reichen, sollten die Grünen in Bayern ein sehr gutes Zweitstimmenergebnis abliefern.

    Landeswahlausschuss lässt 26 Landeslisten zu

    Am Freitag hat der Landeswahlausschuss insgesamt die Landeslisten von 26 Parteien und politischen Gruppierungen zur Bundestagswahl zugelassen. Abgelehnt wurden dagegen die Listen der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands, der Lobbyisten für Kinder und der Sozialistischen Gleichheitspartei Vierte Internationale. Laut dem Landeswahlausschuss fehlte in allen drei Fällen die notwendige Zahl von 500 Unterstützungsunterschriften.

    Erstellt mit Material von dpa.

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