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Susanne G. (gepixelt) bei einem Neonazi-Aufmarsch 2018 in Sachsen

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    Terror-Prozess: Neonazi-Aktivistin aus Franken vor Gericht

    Der Generalbundesanwalt hat Anklage gegen eine Rechtsextremistin aus Mittelfranken erhoben. Die Frau aus dem Landkreis Nürnberger Land muss sich ab April vor dem Oberlandesgericht in München verantworten. Sie soll Anschläge vorbereitet haben.

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    Von
    • Jonas Miller

    Das Oberlandesgericht München hat die Anklage des Generalbundesanwalts gegen die Neonazi-Aktivistin Susanne G. zugelassen. Die 55-Jährige aus dem Landkreis Nürnberger Land muss sich ab Ende April vor Gericht verantworten. Ihr wird unter anderem die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Dafür soll sie mit einem Verbrechen gedroht und den öffentlichen Frieden durch Androhung von Straftaten gestört haben.

    Susanne G. soll sich Material für Brandsätze besorgt haben

    Die Rechtsextremistin soll laut Ermittlungen im Sommer des vergangenen Jahres einen Terroranschlag auf Amtsträger oder Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland vorbereitet haben. Dafür soll Susanne G. im Internet recherchiert und sich für den Bau von Brandsätzen benötigte Materialien, darunter Benzin, Gas-Kartuschen, Feuerwerkskörper und Zündschnüre besorgt haben. Vor wenigen Monaten soll sie Polizeibeamte und einen fränkischen Politiker als mögliche Anschlagsopfer ausgespäht und dazu Privatfahrzeuge und Wohnungen der Betroffenen ausgekundschaftet haben. Nach ARD-Recherchen soll die Frau die Personen teils persönlich gekannt haben.

    Drohbriefe mit Patronen verschickt

    Susanne G. war den Ermittlungsbehörden bereits zuvor aufgefallen. Bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres wurde sie von der Polizei festgenommen. Sie soll sechs anonyme Drohbriefe an Politiker, einen muslimischen Verein und einen Verein zur Flüchtlingshilfe versandt haben. Die Briefe enthielten Morddrohungen und scharfe Patronen. "Ihr werdet niemals sicher sein", hieß es in der Karte, die sie an eine türkisch-islamische Gemeinde im Landkreis geschickt haben soll. Einen Landrat bezeichnete sie laut ARD-Informationen als "Ausländer- und Judenfreund" und drohte ihm demnach mit der Erschießung auf der Terrasse. Offenbar eine Anspielung auf den Mord an CDU-Politiker Walter Lübcke, der von einem Neonazi auf seiner Terrasse erschossen wurde.

    Susanne G. war nach ersten Ermittlungen untergetaucht

    Nachdem die Heilpraktikerin wegen der Drohbrief-Serie von der Polizei im März 2020 ermittelt wurde, durchsuchten Beamten das Haus und die Praxis der Heilpraktikerin im Nürnberger Land. Dort fanden sie Propagandamaterial der rechtsextremen Szene. In Untersuchungshaft kam die Frau damals allerdings nicht. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und ließ sich durch einen Anwalt vertreten. In diesem Zeitraum sollen die Sicherheitsbehörden die Heilpraktikerin dann als "Gefährderin" eingestuft haben, der jederzeit schwere Straftaten zuzutrauen seien. Kurze Zeit später tauchte sie dann offenbar unter. Als den Behörden auffiel, dass Susanne G. wohl abgetaucht war, fahndeten sie intern bundesweit nach der Heilpraktikerin, bis sie schließlich in einem Hotel in Fürth aufgespürt werden konnte. Dort wurde sie im September des vergangenen Jahres festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

    Kontakte zu NSU-Helfern

    Zuvor soll Susanne G. nach ARD-Informationen Kontakt zu Ralf W. und André E. aufgenommen haben. Beide wurden als Helfer der rechtsextremen NSU-Terrorzelle im Juli 2018 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Während die beiden in Haft saßen, soll die Heilpraktikerin Briefe mit beiden ausgetauscht haben. Nach der Haftentlassung von André E. soll die Rechtsextremistin ihn aus dem Gefängnis abgeholt und später besucht haben.

    Susanne G. engagiert in der Neonazi-Kleinpartei "Der dritte Weg"

    Nach ARD-Informationen handelt es sich bei der 55-Jährigen um eine Rechtsextremistin, die fest in die Strukturen der Neonazi-Kleinpartei "Der dritte Weg" eingebunden ist. Die Heilpraktikerin nahm regelmäßig an Aufmärschen der Partei teil, unter anderem in Nürnberg, Bamberg, Wunsiedel oder Chemnitz. Zudem übernahm sie auch Ordner-Tätigkeiten bei Demonstrationen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll die Frau zudem Kontakte zu einer Rocker-Gruppierung gepflegt haben. Die Tatverdächtige besaß in der Vergangenheit einen kleinen Waffenschein, der aber nicht mehr gültig ist. Woher die Frau die scharfe Gewehr- und Pistolenmunition hatte, ist derzeit noch nicht bekannt.

    Urteil im Sommer erwartet

    Der Prozess gegen sie soll am 29. April beginnen, das Gericht, vor dem jahrelang auch der NSU-Prozess lief, hat 21 Verhandlungstage angesetzt. Im August könnte demnach das Urteil gefällt werden.

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