BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Bayern1/Jonas Miller
Bildrechte: picture alliance/Sven Simon

Im Terror-Prozess gegen eine Rechtsextremistin aus Franken sollen heute am Oberlandesgericht in München die von der Frau mutmaßlich bedrohten Lokalpolitiker aussagen. Die Frau soll Anschläge geplant haben.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Terror-Prozess: Bedrohte Fränkische Politiker sagen aus

Im Terror-Prozess gegen eine Rechtsextremistin aus Franken sollen heute am Oberlandesgericht in München die von der Frau mutmaßlich bedrohten Lokalpolitiker aussagen. Die Bundesanwaltschaft wirft der Frau vor, einen Anschlag geplant zu haben.

Per Mail sharen
Von
  • Jonas Miller

Die Neonazi-Aktivistin Susanne G. soll dem Landrat des Landkreises Nürnberger Land, Armin Kroder (FW), im Dezember vor zwei Jahren ein Briefkuvert mit dem Text "Armin Kroder, Juden- und Ausländerfreund, erschossen auf der Terrasse. Wir kriegen euch alle!" geschickt haben. Offenbar eine Anspielung auf den Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke 2019 in Hessen. Ein andermal folgte die Drohung telefonisch auf dem privaten Anschluss der Familie.

Fränkischer Landrat als Anschlagsopfer ausgewählt

Dessen Anwalt kann bislang nur spekulieren, warum sein Mandant ins Visier der Heilpraktikerin gekommen sein könnte: "Ein Aspekt ist sicherlich, dass mein Mandant sich schon seit langem als Politiker in der Flüchtlingshilfe engagiert und diesbezüglich einen sehr christlichen Ansatz hat. Und dass er sich im Vorstand des jüdischen Museums engagiert", so Anwalt Harald Straßner.

Schnaittachs Bürgermeister bedroht

Zudem soll die Frau den Schnaittacher Bürgermeister Frank Pitterlein (CSU) bedroht haben. Sowohl Pitterlein als auch Kroder erhielten im März des vergangenen Jahres Gutscheinkarten, denen jeweils eine Gewehrpatrone beigelegt war. Auf der Karte stand "Letzte Warnung!". Auch Pittlerleins Familie wurde durch Drohanrufe belästigt und eingeschüchtert. Landrat Armin Kroder und Pitterlein sind heute vor dem Oberlandesgericht in München als Zeugen geladen.

Politiker und Polizisten als Anschlagsziele ausgespäht

Der Generalbundesanwalt wirft der Frau aus dem Landkreis Nürnberger Land unter anderem die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Sie soll Bombenanschläge auf die Politiker oder Menschen muslimischen Glaubens geplant haben. Dafür soll sie sich Bauteile und Literatur besorgt haben. Im vergangenen Jahr soll sie 14 Polizeibeamte und Landrat Armin Kroder als mögliche Anschlagsopfer ausgespäht und dazu Privatfahrzeuge und Wohnungen der Betroffenen ausgekundschaftet haben. Für einen möglichen Brandanschlag auf eine Moschee hat Susanne G. laut Anklage zudem die muslimischen Gebetszeiten im Großraum Nürnberg auf ihrem Mobiltelefon abgespeichert.

Kontakte zum NSU-Umfeld

Laut Bundesanwaltschaft vertritt die 55-Jährige eine "von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geprägte Grundhaltung". Die Frau ist nach BR-Recherchen fest in die bayerische Neonaziszene eingebunden, nahm immer wieder an Aufmärschen der Neonazi-Partei "Der Dritte Weg" teil. Zudem stand sie laut Ermittlern in Briefkontakt mit zwei maßgeblichen Unterstützern der Terrorgruppe NSU. Bei ihrer Festnahme im September 2020 fanden die Ermittler nicht nur eine schusssichere Weste und Waffen wie ein Messer und einen Schlagring, sondern auch Zündschnüre, Chemikalien und weiteres Material zum Bombenbauen.

Urteil im August erwartet

Am morgigen Freitag sollen dann Mitglieder der Türkisch-Islamischen Moscheegemeinde in Röthenbach an der Pegnitz und Aktive einer Flüchtlingsinitiative aus Eckental aussagen, die ebenfalls von Susanne G. bedroht worden sein sollen. Das Gericht hat insgesamt 20 Verhandlungstage angesetzt. Im August könnte das Urteil vor dem Oberlandesgericht in München verkündet werden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!