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Terminservice- und Versorgungsgesetz: Psychotherapeuten dagegen | BR24

© Pirmin Breninek/BR-Mainfranken

Gerade bei Fachärzten müssen Kassenpatienten schon 'mal mit mehreren Monaten Vorlauf rechnen, bis sie einen Termin erhalten. Das ist nervig und genau das wollte Gesundheitsminister Jens Spahn ändern. Kritik kommt nun von den Psychotherapeuten.

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Terminservice- und Versorgungsgesetz: Psychotherapeuten dagegen

Gerade bei Fachärzten müssen Kassenpatienten schon 'mal mit mehreren Monaten Vorlauf rechnen, bis sie einen Termin erhalten. Das ist nervig und genau das wollte Gesundheitsminister Jens Spahn ändern. Kritik kommt nun von den Psychotherapeuten.

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Im September hat das Bundesgesundheitsministerium das sogenannte Terminservice- und Versorgungsgesetz vorgestellt. Das soll unter anderem die Wartezeiten bei Arztbesuchen verkürzen. Der Würzburger Psychotherapeut Burkard Glaab ist über den Gesetzesentwurf verärgert. Stein des Anstoßes ist ein kurzer Absatz im Gesetzesvorschlag. Demnach soll eine sogenannte "gestufte und gesteuerte Versorgung" für psychotherapeutische Behandlungen eingeführt werden. Was sperrig klingt, heißt konkret: Patienten könnten ihren Therapeuten zukünftig wohl nicht mehr frei wählen. Künftig wäre ein Erstgutachter vorgeschaltet, von dem aus Patienten weiterverteilt werden. Der Würzburger Therapeut Glaab vermutet: An der Behandlungszeit wird sich dadurch nichts verbessern.

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Der Würzburger Psychotherapeut Burkard Glaab

"Dann bekomme ich Patienten, die vordiagnostiziert sind. Aber Letztendlich muss ich aber trotzdem die Patienten anschauen, was ich ihnen anbieten kann." Psychotherapeut Burkard Glaab

Kritik kommt auch aus Reihen der Bayerischen Psychotherapeutenkammer. Für Vorstandsmitglied Heiner Vogel ist es gerade bei psychisch Erkrankten wichtig, dass der Draht zu einem Therapeuten kurz ist. Vorgeschobene Erstgutachter – bei rund 300.000 Menschen, die 2017 in Bayern psychotherapeutisch versorgt wurden – für Vogel der falsche Weg, um Wartezeiten zu verkürzen. Vogel arbeitet in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie der Uni Würzburg.

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Der Würzburger Psychotherapeut Heiner Vogel

"Jetzt wird plötzlich was ganz Anderes geplant, was quer dazu liegt. Das eigentliche Problem, nämlich dass wir zu wenig Psychotherapeuten im System haben, wird überhaupt nicht thematisiert." Psychotherapeut Heiner Vogel

Und so wie den Psychotherapeuten Glaab und Vogel geht es offensichtlich vielen Menschen in Bayern: Eine Petition gegen die Pläne des Gesundheitsministers hat inzwischen über 130.000 Unterzeichner. 50.000 wären notwendig gewesen. Die Petition läuft noch bis Donnerstag. Wieso der umstrittene Absatz in das neue Gesetz gerutscht ist – das möchte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks vorerst nicht beantworten – zumindest nicht bis zur ersten Lesung des Entwurfs am Donnerstag.

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