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Tempolimit: Zwischen "Faszination" und "Fahren mit Hirn" | BR24

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In der BR-Bürgersendung "jetzt red i" zum Thema Tempolimit hat CSU-Generalsekretär Markus Blume vor einem "Feldzug gegen das Automobil und die Pendler" gewarnt. Es gebe kein anderes Land, das derzeit so zerstörerisch mit einer Leitindustrie

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Tempolimit: Zwischen "Faszination" und "Fahren mit Hirn"

Ein Motorradfahrer fürchtet um seine Freiheit, eine Autofahrerin um ihre Sicherheit. Grüne und CSU attackieren sich auf dem Podium. Hochemotional wurde bei "jetzt red i" in Dingolfing zum Tempolimit diskutiert - inklusive eines spontanen Gstanzls.

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Wie viel Leidenschaft in der Diskussion um ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen liegt, wurde bei "jetzt red i" an diesem Mittwochabend mehr als deutlich. Der ehemalige Motorradrennfahrer Karl Maier erklärte, sein Wagen "ginge bis über 200 km/h". Die sei er aber noch nie ausgefahren und so gehe es doch den meisten. Je nach Verkehrslage seien sowieso nur 120 bis 140 km/h möglich, ein gesetzlich vorgeschriebenes Tempolimit daher überflüssig. Freiheit, Mobilität und Wirtschaft seien jedoch in Gefahr. An den Grünen-Politiker Markus Büchler gerichtet sagte er:

"Ihr Grünen verbietet und ent-fasziniert alles! Faszination gibt es bei euch nicht mehr. Das ist vom ökonomischen her gesehen desaströs. Es gibt viele gute Automobilhersteller in Deutschland und da werden Arbeitsplätze wegfallen." Karl Maier, ehemaliger Motorradrennfahrer

Verbot oder Freiheit beim Tempo

Der Verkehrsexperte der Grünen im Landtag Markus Büchler konterte, es gehe hier nicht um ein Verbot, sondern um mehr Freiheit im Straßenverkehr.

"Meines Erachtens beeinträchtigt das Rasen die Freiheit von vielen anderen Verkehrsteilnehmern massiv. (…) Es wäre also sogar eine freiheitsfördernde Maßnahme für sehr viele, wenn man das Rasen einzelner weniger begrenzt auf eine Höchstgeschwindigkeit, so wie es fast alle anderen Staaten auf der Welt auch haben." Markus Büchler, Verkehrsexperte der Grünen im Landtag

Die Wirtschaft würde durch ein Tempolimit - das Büchlers Meinung nach sicher kommen wird - keinen Schaden nehmen.

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In der BR-Bürgersendung "jetzt red i" in Dingolfing zum Tempolimit hat der Sprecher für Mobilität der Landtags-Grünen, Markus Büchler, Vorwürfen widersprochen, ein Tempolimit schränke die Freiheit von Autofahrern ein.

CSU-Generalsekretär Blume: "Feldzug gegen Autofahrer"

An diesem Punkt widersprach ihm CSU-Generalsekretär Markus Blume. Wo nötig, gebe es bereits ein Tempolimit, der Rest sei überflüssig. Kein anderes Land gehe "so zerstörerisch" mit seiner Automobilindustrie um, wie Deutschland. Er beobachte einen „Feldzug gegen Automobil“, so Blume.

"Wer rast, dem gehört das Handwerk gelegt. Aber bitte nicht jeden Autofahrer und jeden Pendler kriminalisieren und zum Raser abstempeln! Es gibt viele Menschen, die sind auf das Auto angewiesen und müssen zügig von A nach B kommen." Markus Blume, CSU-Generalsekretär

Eine Autofahrerin aus dem Publikum meinte daraufhin, sie sei auch "zügig2 unterwegs. Jedoch nähmen nicht alle Verkehrsteilnehmer genug Rücksicht: "Manchmal denkst du, der sitzt bei dir schon im Kofferraum, so nah fährt der da auf!" Auf diesen Aspekt wiesen mehrere Redner hin und führten als Argument für ein Tempolimit an, dass es dann insgesamt stressfreier auf Deutschlands Straßen zugehen würde.

Umwelt- und Sicherheitsaspekte

Während Grünen-Politiker Markus Büchler argumentierte, dass durch ein Tempolimit so viel CO2 eingespart werden könnte, wie der gesamte deutschen Flugverkehr ausstößt, meinte CSU-Politiker Markus Blume, mit diesem Argument könne man "ja alles verbieten". Seiner Meinung nach seien intelligente Verkehrsleitsysteme oder günstigere Bahntickets wirksamer im Umweltschutz.

Aus wissenschaftlicher Perspektive bewertete Prof. Klaus Bogenberger von der TU München die Debatte. Es gebe "intelligentere Lösungen" als das Tempolimit. Auch 130 km/h könnten unter entsprechenden Bedingungen noch zu schnell sein. Ein Tempolimit allein würde demnach nicht für weniger Verkehrstote sorgen.

Witterung, Qualität der Fahrbahn, sowie die Verkehrslage müssten zusätzlich berücksichtigt werden. "Dynamische Festlegungen der Geschwindigkeit" seien die Zukunft, so der Verkehrswissenschaftler. In fünf Jahren wären Autos technisch soweit, dies automatisch anzuzeigen. Bogenberger wies jedoch auch darauf hin, dass mit höheren Geschwindigkeiten das Unfallrisiko und die Unfallschwere erwiesenermaßen steigen.

Gstanzl zum "Fahren mit Hirn"

In beinahe allen Punkten lagen die Argumente der Befürworter und Gegner des Tempolimits weit auseinander. Eines jedoch wurde immer wieder genannt und inspirierte einen Zuschauer, der sich als "Der Bayerische Hias" vorstellte, zu einem spontanen Gstanzl:

"Es is schee, dass wir heit in Dingolfing das Tempolimit diskutieren, aber meine Meinung ist, wir brauchadn mehr Fahrer mit Hirn, dann daad die Hälfte passieren."
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In der BR-Bürgersendung "jetzt red i" zum Tempolimit war auch der Verkehrswissenschaftler Klaus Bogenberger von der TU München zu Gast.

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Bei der BR-Bürgersendung "jetzt red i" zum Tempolimit hat sich auch ein Gstanzl-Sänger unter den Zuschauern befunden. Der "bayerische Hias" fasste dann auch seine Meinung kurzerhand in einem Gstanzl zusammen.