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Telefonbetrug bei Senioren: Haftstrafe für falschen Polizisten | BR24

© Picture alliance /dpa-Themendienst

Hand eines Seniors greift zum Telefon

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    Telefonbetrug bei Senioren: Haftstrafe für falschen Polizisten

    Die Masche war stets dieselbe: Der Betrüger gab sich am Telefon als Polizist aus um so ältere Menschen um ihr Geld oder ihren Schmuck zu bringen. Doch die Polizei kam ihm auf die Schliche. Nun muss er ins Gefängnis.

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    Wegen organisierten Telefonbetrugs in drei Fällen und Betrugs in einem weiteren Fall hat das Landgericht Memmingen einen Mann zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Der 29-Jährige war nach Überzeugung des Gerichts Teil einer Bande, deren Mitglieder sich als Polizisten ausgaben und so vor allem ältere Menschen um Geld und Wertgegenstände brachten.

    Das Vorgehen war dabei stets das gleiche: Wechselnde Anrufer, die sich "Oberkommissar Bach" oder "Oberkommissar Schwarz" nannten, riefen gezielt Menschen an, deren Vornamen im Telefonbuch auf ein höheres Alter hindeuteten. Zum Teil stundenlang setzten sie diese unter Druck und behaupteten, eine Einbrecherbande habe ihr Haus als Ziel ausgemacht oder Bankmitarbeiter würden ihr Erspartes durch Falschgeld ersetzen.

    "Herr Sanchez" kommt die Beute holen

    Der Mann hatte schon früh während der Ermittlungen gestanden, in vier Fällen Beute im Wert von insgesamt mehr als 230.000 Euro gegen Provision zu Hintermännern der Gruppe in die Türkei gebracht zu haben. Im bayerischen Günzburg sowie in Nürtingen und Esslingen (Baden-Württemberg) hatte er im März und April 2019 Bargeld, Schmuck und Goldmünzen als vermeintlicher Zivilbeamter "Herr Sanchez" von den Geschädigten direkt abgeholt.

    Zudem fungierte er als Kurier nach einem Betrugsfall in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). Dort war eine 76-Jährige verletzt worden, nachdem sie bei der Übergabe der Wertgegenstände Verdacht geschöpft hatte. Vom unbekannten Abholer wurde sie dabei getreten und erlitt mehrere Knochenbrüche. Der Angeklagte habe davon aber erst im Nachhinein erfahren und könne deshalb nicht dafür verantwortlich gemacht werden, sagte der Vorsitzende Richter, Christian Liebhart.

    Geldnot als Motiv

    Als Motiv für die Taten nannte der Mann Geldnot. Er sei immer wieder arbeitslos gewesen und durch eine Facebook-Anzeige auf einen vermeintlichen Job als Fahrer aufmerksam geworden. Dadurch nahm die Bande, die von Izmir aus operierte, Kontakt zu ihm auf. Er bereue seine Taten und wolle mithilfe eines Darlehens seiner Eltern 10 000 Euro an die Geschädigten zurückzahlen, sagte der Angeklagte vor der Urteilsverkündung: "Es tut mir aufrichtig leid."

    Vor allem sein frühes Geständnis habe zu einer milderen Strafe beigetragen, sagte der Vorsitzende Richter. Nach Aussage eines Polizisten, der als Zeuge vernommen wurde, sind durch die gewonnenen Erkenntnisse zwei mutmaßliche Hintermänner der Gruppe in der Türkei inzwischen identifiziert worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.