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"Teilhabeatlas": Defizite in Nord- und Ostbayern | BR24

© BR/Uli Scherr

Strukturschwache Regionen in Deutschland drohen einer Studie zufolge weiter den Anschluss an wohlhabendere Regionen und Kommunen zu verlieren. Betroffen ist auch Nord- und Ostbayern. Die Macher der Studie sagen, es muss sich keiner abgehängt fühlen.

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"Teilhabeatlas": Defizite in Nord- und Ostbayern

Strukturschwache Regionen in Deutschland drohen einer Studie zufolge weiter den Anschluss an wohlhabendere Regionen und Kommunen zu verlieren. Betroffen ist auch Nord- und Ostbayern. Die Macher der Studie sagen, es muss sich keiner abgehängt fühlen.

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Deutschland ist einer neuen Studie nach weit von gleichwertigen Lebensverhältnissen in seinen verschiedenen Regionen entfernt. Das geht aus dem "Teilhabeatlas Deutschland" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Einwohner in Tirschenreuth "wunschlos glücklich"

Auch in den ländlichen Regionen Nord- und Ostbayerns gibt es Defizite bei der Daseinsvorsorge, sagen die Autoren der Studie. Aber sie betonen auch: Es muss sich niemand abgehängt fühlen, nur weil er auf dem Land lebt.

Eine Umfrage in Tirschenreuth ergab: Die Einwohner sind wunschlos glücklich. Ein paar Baustellen gibt es allerdings schon, räumt Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert (Freie Wähler) ein.

"Beim Mobilfunk haben wir noch ein paar weiße Zonen. Die Infrastruktur müssen wir weiter ausbauen. Ein Problem ist die Lehrerversorgung. Aber das sind alles Probleme, die meines Erachtens auch lösbar sind." Wolfgang Lippert, Landrat von Tirschenreuth

Alles machbar - Das sieht auch Sabine Süterlin so. Sie ist Mitautorin des neuen "Teilhabeatlas Deutschland", der die Lebensverhältnisse in Deutschlands Städten und Landkreisen miteinander vergleicht. Süterlin hat speziell den Landkreis Tirschenreuth untersucht.

"Die Menschen haben einen ausgesprochen positiven Eindruck auf uns gemacht. Sie sagen, wir sind ins Herz Europas gerutscht. Und das erfüllt sie mit einer großen Befriedigung." Sabine Süterlin, Mitautorin am Teilhabeatlas Deutschland

Für ihre Studie haben die Autoren die Lebensverhältnisse in rund 400 Städten und Landkreisen miteinander verglichen, unter anderem haben sie Lebenserwartung, Steueraufkommen, Bildungsstandards und Infrastruktur abgefragt.

Anschließend wurden die Kommunen in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt. Der Landkreis Tirschenreuth wurde - genauso wie die übrige Nordoberpfalz, das östliche Niederbayern, das komplette Oberfranken sowie große Teile Mittel- und Unterfrankens - in den "Cluster5" eingeordnet. Das bedeutet: Eine ländliche Region mit einigen, aber überschaubaren Defiziten.

Menschen leben gerne auf dem Land

Reiner Klingholz, Direktor des für den "Teilhabeatlas" verantwortlichen Berlin-Instituts erläutert, dass es in diesen Regionen schwieriger mit Versorgungsleistungen sei. Der Weg zum Arzt oder zur Oberschule sei weiter, die Teilhabechancen seien entsprechend schlechter.

Dennoch leben viele Menschen gerne auf dem Land und nehmen solche Defizite gerne in Kauf. Diese Leute wolle man mit dem "Teilhabeatlas" auch nicht verunsichern, sagt Klingholz. Bei zwei Themen aber müssten die ländliche Regionen in Nord- und Ostbayern nachbessern, sagt der Experte:

"Was dringend notwendig ist: Es braucht überall die gleichen Bildungsmöglichkeiten, weil das entscheidend für die jungen Menschen ist. Und es braucht den Anschluss an das schnelle Internet. Weil sich durch das Internet viele Versorgungsleistungen, die weggebrochen sind, ersetzen lassen: Telemedizin, Online-Einkaufen oder Online-Arbeiten." Reiner Klingholz, Direktor des "Teilhabeatlas"

Klingholz plädiert dafür, den ländlichen Kommunen noch mehr politische und finanzielle Kompetenzen und damit Gestaltungsmöglichkeiten zu geben. So würden die Defizite schneller behoben werden und es macht das Leben auf dem Land attraktiver.

💡 Was wurde beim Teilhabeatlas untersucht?

Die Autoren der Studie haben rund 400 Städte und Kreise anhand von acht Indikatoren untersucht. Dazu zählten die Lebenserwartung, kommunale Steuerkraft, Hartz-IV-Quoten, Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, das jährlich verfügbare Haushaltseinkommen je Einwohner, das Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen, Internetkapazitäten sowie die Nahversorgung mit Alltagsgütern, öffentlichen Verkehrsmitteln und Dienstleistungen von Ärzten bis Schulen. Mit Hilfe der Statistiken von Bund und Ländern aus den Jahren 2013 bis 2017 errechneten die Autoren die sechs Gruppen/Cluster, jeweils drei für Stadt und Land.

© BR

Der neue Teilhabeatlas zeigt, dass die Lebensbedingungen auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht überall gleich sind. Bayern steht insgesamt gut da. Aber auch hier gibt es noch Regionen mit Nachholbedarf.