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Teilhabe statt Almosen: Die Arbeiterwohlfahrt wird 100 | BR24

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Luftballon mit AWO-Logo

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Teilhabe statt Almosen: Die Arbeiterwohlfahrt wird 100

Ihre Gründung war 1919 ein Politikum, und politisch ist die AWO noch immer. Zur 100-Jahr-Feier lädt die Arbeiterwohlfahrt Bayern ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in die Fürther Stadthalle ein. Was treibt die AWO, was treibt sie um?

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1919 - ein in vieler Hinsicht historisches Datum. Am 19. Februar spricht die Zimmermannstochter Marie Juchacz als erste Frau in der neuformierten Weimarer Nationalversammlung. "Meine Herren und Damen" setzt die SPD-Politikerin zur Erheiterung der (bis heute) überwiegend männlichen Parlamentarier an (hier ihre Rede im Wortlaut) und führt aus, dass sie für das Frauenwahlrecht nicht 'dankbar' sein wolle: "Diese Regierung hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten wurde!"

In Bayern entstehen die ersten AWO-Ortsausschüsse

Im Dezember gründet Juchacz zusammen mit anderen die Arbeiterwohlfahrt als Selbsthilfeorganisation der Arbeiterschaft. Ein Jahr später folgen die ersten Ortsausschüsse in Nürnberg, München und Ludwigshafen, 1925 die ersten Bezirksausschüsse.

Die Grundidee: das Almosenwesen durch einen gesetzlich verankerten Anspruch auf ein menschenwürdiges Leben zu ersetzen. Es geht um Solidarität, Gleichheit, Teilhabe. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn die Aufgaben der AWO immer vielfältiger geworden sind.

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Wenig überraschend: Die Nazis verbieten die AWO. Unser Bild zeigt Marie Juchacz bei einer Rede zur Neugründung (ohne Datum, circa 1947)

Die AWO heute: Die Zahl der Aufgaben ist groß - und wächst weiter

Heute gehört die Arbeiterwohlfahrt zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. In Bayern hat sie nach eigenen Angaben rund 62.000 Mitglieder und über 1.800 soziale Einrichtungen und Dienste - mehr, als die meisten mit der AWO verbinden würden.

Dazu zählen Kindertagesstätten und Jugendherbergen, integrative Arbeitsprojekte, Frauenhäuser und Migrationsberatungsstellen, Mehrgenerationenhäuser und Nachbarschaftshilfen, Schuldnerberatungen, Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit, ambulante Pflegedienste und Seniorenheime. Heute wie damals geht es darum, rechtliche und finanzielle Grundlagen für die Arbeit zu schaffen - zum Beispiel bei der Migrationsberatung.

"Ich habe genug von Sonntagsreden, in denen Politiker die Arbeit des Landesverbandes zwar loben, zugleich aber betonen, diese seien eine freiwillige Leistung des Verbandes." Thomas Beyer, AWO-Landesvorsitzender Bayern
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"Weihnachten für Arme" bei der AWO München

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Malstunde für Senioren im AWO-Dorf am Hasenbergl in München

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AWO-"Therapiehund" Eliot

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Syrischer Bürgerkriegsflüchtling in Nürnberg

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1971: AWO-Kinderspielstube in Kassel

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2019: Ernährungsberatung in einer Kita in Erfurt

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Essen auf Rädern

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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: ein Thema auch bei der AWO

Zentrale Feier zum 100-jährigen Bestehen

Bei der zentralen Jubiläumsveranstaltung soll es am Mittwoch, 25. September, in Fürth nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft des Wohlfahrtsverbandes gehen. Dabei werden die Teilnehmer unter anderem darüber diskutieren, welche politische Stellung die AWO künftig einnehmen kann und welche gesellschaftlichen Themen dabei berücksichtigt werden sollten. Zu der Jubiläumsveranstaltung in der Fürther Stadthalle erwartet die AWO Bayern etwa 400 Teilnehmer.