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Teilhabe-Gesetz: 1.200 Langzeitarbeitslose in Bayern in Arbeit | BR24

© BR/Tanja Oppelt

IT-Berater Christian Frederking und Bürohilfe Barbara Berner

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    Teilhabe-Gesetz: 1.200 Langzeitarbeitslose in Bayern in Arbeit

    Anfang 2019 ist das Teilhabechancengesetz in Kraft getreten. Wenn Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen einstellen, dann übernimmt der Staat zwei Jahre lang das Gehalt. In Bayern haben so gut 1.200 Menschen Arbeit gefunden.

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    Barbara Berner (54) aus Nürnberg hatte die Hoffnung auf eine richtige Arbeitsstelle schon verloren. Nach der Schule, Anfang der 1980er-Jahre, will sie Erzieherin werden. Die Eltern erlauben es nicht und schicken das junge Mädchen ohne Ausbildung in die Fabrik. Bei Quelle steht Berner viele Jahre als Vorarbeiterin am Band. Doch mit der Quelle-Pleite vor zehn Jahren ändert sich alles. Ohne Ausbildung findet Berner keine Arbeit mehr und hält sich seitdem mit Minijobs und Hartz IV über Wasser. Diese Zeiten sollen jetzt vorbei sein, seit drei Monaten arbeitet Barbara Berner als Bürohilfe.

    "Ich habe mir gesagt, ich habe jetzt ein Alter erreicht, da nimmt mich niemand mehr. Dass ich jetzt die Chance bekommen habe, ist eine super Sache für mich. Ich habe die Chance, in die Rente noch mal kräftig einzuzahlen. Wenn jetzt nichts mehr gegangen wäre, dann wäre ich später auch in der Altersarmut." Barbara Berner, Bürohilfe

    Etwas Gutes tun und selbst profitieren

    Ihr Arbeitgeber ist Christian Frederking, freiberuflicher IT-Berater in Nürnberg. Barbara Berner kümmert sich um Reisevorbereitungen, Termine, Kontaktnotizen und Rechnungen. Etwas Gutes tun und selbst davon profitieren, das sei seine Motivation gewesen, einen Langzeitarbeitslosen einzustellen, sagt Christian Frederking. Zwei Jahre lang übernimmt der Staat das Gehalt von Barbara Berner, im dritten Jahr gibt es 90 Prozent Förderung, im vierten Jahr 80 Prozent und im fünften und letzten Jahr 70 Prozent. In Frage kommen alle Langzeitarbeitslosen, die in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre lang Hartz IV bezogen haben. Die Teilnahme ist freiwillig.

    Manches dauert länger

    Die hohe Förderung soll ausgleichen, dass diese Menschen länger brauchen, um die gleiche Leistung zu bringen wie andere Arbeitnehmer. Auch im Büro von Christian Frederking dauert manches ein bisschen länger. "Es darf länger dauern", sagt der IT-Berater. Wenn jemand zu 100 Prozent gefördert werde, müsse er nicht auf Anhieb 100 Prozent leisten. Was er von seiner neuen Bürohilfe bekomme, sei bereits eine große Entlastung für ihn.

    "Ich habe Frau Berner als jemanden kennengelernt, der tatkräftig ist und sich durchbeißt. Ihr Lebenslauf sieht aus, wie er eben aussieht bei jemandem, der lange Zeit arbeitslos war. Aber ich habe gemerkt, sie beißt sich durch." Christian Frederking, IT-Berater

    Keine Maßnahme sondern echte Arbeit

    Der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Ralf Holtzwart, hält das Teilhabechancengesetz für richtig und wichtig. "Die Menschen haben auf dieses Programm gewartet", ist er sich sicher.

    "Es ist nicht einfach eine weitere Maßnahme, eine Qualifizierung oder Trainingsmaßnahme, sondern das ist echte Arbeit. Das ist sozialversicherungspflichtige Beschäftigung über einen Zeitraum von fünf Jahren. Und das bringt wirklich weiter." Ralf Holtzwart, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen

    Am Ziel ist Holtzwart noch nicht. Er will, dass durch das Förderprogramm etwa 3.000 Langzeitarbeitslose in Bayern in Arbeit kommen. Bis Juni waren es rund 1.200. Bundesweit haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gut 18.000 Langzeitarbeitslose eine sozialversicherungspflichtige Arbeit bekommen. Angesichts von insgesamt rund 800.000 Langzeitarbeitslosen in Deutschland klingt das nach nicht sehr viel. Die Bundesagentur spricht trotzdem von einem guten Start. Das Interesse der Arbeitgeber, auch in der Privatwirtschaft, sei hoch. Die Zahlen dürften in den kommenden Monaten also noch steigen.