BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Teil-Lockdown in Bayern: Künstlerszene in Aufruhr | BR24

© BR / Kontrovers 2020
Bildrechte: picture-alliance/dpa/Lino Mirgeler

Mit kreativen Hygienekonzepten ist die Künstlerszene im Sommer neu gestartet. Doch jetzt sind Kleinkunstbühnen, Theater oder Kinos wieder geschlossen – damit hadern Künstler wie Maxi Schafroth und Stephan Zinner.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Teil-Lockdown in Bayern: Künstlerszene in Aufruhr

Mit kreativen Hygienekonzepten ist die Künstlerszene im Sommer neu gestartet. Doch jetzt sind Kleinkunstbühnen, Theater oder Kinos wieder geschlossen – damit hadern Künstler wie Maxi Schafroth und Stephan Zinner.

Per Mail sharen
Von
  • Christian Stücken

"Bayern ist ein Kulturstaat" heißt es seit Beginn der Corona-Krise aus der Politik. Und trotzdem müssen Kleinkunstbühnen, Theater oder Kinos jetzt wieder zumachen. Finanzielle Entschädigung ist zugesagt. Damit wollen sich viele Künstler aber nicht zufriedengeben. Denn gerade in Krisenzeiten sei Kunst mehr als ein Wirtschaftszweig oder bloße Freizeitgestaltung - sie diene auch als wichtiges Ventil für die Gesellschaft.

Schmerzhafter Rückschlag

Kabarettist Maxi Schafroth hat noch vor dem ersten Lockdown im Frühjahr die Auswirkungen der Pandemie auf die Kulturszene mit voller Wucht gespürt: Er hätte die Fastenpredigt auf dem Nockherberg halten sollen. Aber der wurde komplett abgesagt. Das war damals für den Allgäuer schmerzlich, aber absolut nachvollziehbar. Nicht mehr nachvollziehen kann er jetzt die Entscheidung der Politik, die Kulturstätten im Teil-Lockdown pauschal wieder zu schließen. Die letzten Monate hätten gezeigt, dass die Kulturszene gute Lösungen anbieten könne, um das Infektionsrisiko niedrig zu halten.

"Es ist ein grober Schlag für alle, die sich angestrengt haben, Lösungen zu finden." Maxi Schafroth, Schauspieler und Kabarettist

Mehr Jobs als nur die der Künstler auf der Bühne in Gefahr

Am Kulturbetrieb hängen auch viele unsichtbare Arbeitsplätze, die jetzt auf dem Spiel stehen. Gerade die kleineren Bühnen und ihre Mitarbeiter sind in ihrer Existenz bedroht. Zwar ist finanzielle Entschädigung angekündigt, aber es gehe um mehr als nur um Geld, erklärt Kabarettist und Schauspieler Stephan Zinner. Wer vor der Corona-Pandemie gerade angefangen habe, im Kulturbetrieb Fuß zu fassen, werde es womöglich sehr schwer haben, einen Neustart zu schaffen.

"Für die Kolleginnen und Kollegen, die gerade erst angefangen haben, ist es echt übel. Dass man da die Energie hält, dass man da nicht traurig wird, dass man da nicht den Mut verliert - da werden ein paar auf der Strecke bleiben, die nicht gleich in der Statistik auftauchen." Stephan Zinner, Schauspieler und Kabarettist

Kabarett auf der Viehweide

Viele Künstler und Veranstalter haben die neuen Gegebenheiten als Herausforderung angenommen, haben sich kreative Lösungen einfallen lassen, wie sich die Hygieneanforderungen und Abstandsregeln umsetzen lassen. Maxi Schafroth hat im Sommer sein Kabarett auf das elterliche Feld ins Allgäu geholt. Das Publikum kam im eigenen Auto auf die Viehweide und konnte den Ton der Veranstaltung über die UKW-Frequenz ihres Radios hören.

"Ich versuche, das Positive zu sehen, und ich habe auch Veranstaltungskonzepte im Hinterkopf, wo ich mir denke, da kann man was machen. Ich bin in ständigem Kontakt mit meinen Technikern, mit meinem Musikern. Meine Schwester macht bei uns das Booking. Also wir sind am Tüfteln, und wir haben Lust zu tüfteln." Maxi Schafroth, Schauspieler und Kabarettist

Neue Ideen während der Pandemie

Auch Stephan Zinner ist im Sommer vor allem open air aufgetreten. Parallel hat er mit Kollegen angefangen, das Online-Format "Die Zweite Welle" auf YouTube zu produzieren: Sketche, Musik und Kabarett. Ein gute Möglichkeit, um einiges auch einfach mal auszuprobieren, was es sonst womöglich nie auf die Bühne geschafft hätte, meint Zinner.

"Wer künstlerisch tätig ist, der hört ja nicht auf, künstlerisch tätig zu sein, wenn er nicht mehr darf. Das geht ja weiter, das muss ja raus. Und das war mein Ventil im Endeffekt." Stephan Zinner, Schauspieler und Kabarettist

Kultur wichtig für die Volksseele

Doch trotz allen Tatendrangs werde auch der letzte Funken Erfindergeist derzeit erstickt, sagt Maxi Schafroth. Dabei seien Kunst und Kultur mehr denn je wichtig für die Gesellschaft – davon sind er und sein Kollege Stephan Zinner überzeugt. Viele Besucher ihrer Programme hätten sich vor allem dafür bedankt, dass sie endlich mal für ein paar Stunden abschalten konnten vom Alltag in der Corona-Pandemie.

"Ich spüre das ja, dass die Leute, nach Unterhaltung, nach Kultur lechzen, grad in der Zeit. Das ist das, was wir ermöglichen müssen, weil es für die Leute ein schwieriger Alltag im Moment ist." Maxi Schafroth, Schauspieler und Kabarettist

Durchschnaufen zu können vom Alltag, miteinander etwas zu erleben - das ist wichtig für eine Gesellschaft. Fällt das weg, würden die Leute unleidlich und unruhig, meint Stephan Zinner - gefährlich in einer Situation, die ohnehin schon angespannt ist.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!