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Teil-Aus für Radio Regenbogen in Oberbayern | BR24

© Patrick Straub/Keystone/dpa

Blick in ein Radiostudio (Symbolbild).

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    Teil-Aus für Radio Regenbogen in Oberbayern

    Kabale in der bayerischen Lokalradioszene: Mehrere kleine Lokalradios streiten um die Verpflichtung, Kulturbeiträge auszustrahlen – und im Hintergrund spielt die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) eine entscheidende Rolle.

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    Es war eine lange und kontroverse Diskussion im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) am Donnerstag. Doch schließlich wurde die Entscheidung getroffen: Die Anträge der beiden Lokalsender Bayernwelle Süd-Ost aus Traunstein und Inn-Salzach-Welle aus Burghausen wurden angenommen. Das bedeutet: Die Inhalte des Spartenanbieters Radio Regenbogen aus Rosenheim werden bei den beiden Hauptanbietern ab jetzt nicht mehr gesendet - bis mindestens Frühjahr 2021. Die Begründung: finanzielle Engpässe durch die Corona-Krise.

    Kulturelle Vielfalt durch Radio Regenbogen

    Seit 30 Jahren liefert Radio Regenbogen Beiträge über Kultur, Kirche, Soziales, Umwelt, Kinder und Jugend sowie Musik aus der Region. Der Sender ist nicht-kommerziell und seit 2014 als gemeinnützig anerkannt. Getragen wird er von einer evangelischen und einer katholischen Arbeitsgemeinschaft, dem Musikverbund von Ober- und Niederbayern sowie dem Rosenheimer Verlagshaus, gefördert von der BLM.

    Die Senderkonstruktion ist einmalig in Bayern: Der Anbieter hat keine eigene Frequenz, sondern wird stundenweise bei den Regionalsendern Bayernwelle Süd-Ost, Inn-Salzach-Welle und Charivari Rosenheim ausgestrahlt. Das sind deren Lizenzauflagen, das heißt sie sind verpflichtet, die Angebote von Radio Regenbogen zu senden und dafür zu bezahlen. Eine ähnliche Konstruktion gibt es übrigens im Fernsehen: Da müssen SAT.1 und RTL Anbieter wie Spiegel-TV oder Alexander Kluge "Huckepack" nehmen.

    BLM-Entscheidung: Sendepause bis April 2021

    Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten in der Corona-Krise versuchen Radio Bayernwelle Süd-Ost und Radio Inn-Salzach-Welle offensichtlich, den ungeliebten Zulieferer loszuwerden. Unbestritten ist, dass alle bayerischen Lokal- und Regionalradios durch das Wegbrechen von Werbung und Veranstaltungen zwischen 40 und 80 Prozent Einbußen zu verzeichnen haben.

    Die wöchentlich dreistündige Zulieferung von Radio Regenbogen kostet die beiden oberbayerischen Anbieter bisher rund 4.000 Euro im Monat. Peanuts angesichts von 1,5 Mio. Euro, die BLM und Staatsregierung jetzt als Unterstützung in die private bayerische Radio- und Fernsehszene pumpen werden.

    Dass es nicht nur ums Geld geht, macht Dieter Nagelmüller, der Geschäftsführer der Bayernwelle Süd-Ost gegenüber dem BR deutlich: "Dass ein Hauptanbieter nur seine Lizenz bekommt, wenn er einen Spartenanbieter aufnimmt, den er zugleich refinanzieren muss, dass das nicht ganz koscher sein kann, dafür braucht‘s keinen Juristen. Aber wo kein Kläger, da kümmert sich halt auch keiner drum." Dieses Modell, das vor 30 Jahren vielleicht seine Berechtigung gehabt habe, hätte keiner hinterfragt, die BLM habe die Auflage gemacht, so Nagelmüller.

    Unterstützung aus dem Nothilfe-Fond?

    In der BLM zeigt Geschäftsführer Thorsten Schmiege durchaus Verständnis für Radio Regenbogen. Die bisherige Corona-Unterstützung beziehe sich lediglich auf die Mitfinanzierung der technischen Verbreitung, erklärt er – was auf den Rosenheimer Spartensender nicht zutrifft.

    Um zur Rettung der beiden Hauptanbieter Bayernwelle Süd-Ost und Inn-Salzach-Welle nicht den – Zitat aus dem Medienrat –"wertvollen, von uns geschätzten und viele Jahre lang großzügig geförderten Spartenanbieter" zu opfern, hat die BLM eine Art eigenen Corona-Nothilfefond für Radio Regenbogen beschlossen. Noch etwas unkonkret, aber die Zusage steht: "Radio Regenbogen wird bereits durch die BLM gefördert, aber es ist das Ziel, dass man die finanzielle Notlage, die jetzt möglicherweise entsteht, durch diese Sonderförderung überbrückt," so Schmiege.

    Team von Radio Regenbogen will nicht aufgeben

    Dass es dazu kommt, das kann Reinhart Knirsch, Geschäftsführer und Programmleiter von Radio Regenbogen, nur hoffen: "Wir alle sind hier total geschockt, wir sind ja selber von Corona ziemlich hart betroffen und jetzt fehlen uns natürlich Einnahmen, so dass das Ganze für uns existenzbedrohend ist." Aufgeben will er nicht und prüft eine Klage gegen die Entscheidung der BLM. Zumal die Gesellschafter der Inn-Salzach-Welle seiner Information nach direkt nach der BLM-Entscheidung eine Dividenden-Ausschüttung für 2019 beschlossen haben. Und das, obwohl der Antrag auf Aussetzung der Radio-Regenbogen-Verpflichtung mit akuten finanziellen Problemen begründet worden war.

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