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Taxi-Fahrer in Not – Auftragslage bricht wegen Teil-Lockdown ein | BR24

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Die neuen Teil-Lockdownbestimmungen treffen viele hart - und wieder mittendrin: gesamte Taxi-Branche. In Nürnberg zum Beispiel: Keine Touristen, Messebesucher oder Nachtschwärmer: Massive Umsatzrückgänge sind die Folge.

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Taxi-Fahrer in Not – Auftragslage bricht wegen Teil-Lockdown ein

Keine Messen, keine Touristen, keine Nachtschwärmer – die komplette Taxibranche leidet unter fehlenden Aufträgen. Für den Nürnberger Sinal Ünlühan bleibt Taxifahrer dennoch der Traumjob.

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Von
  • Tobias Burkert

Normalerweise hätte Sinal Ünlühan an einem gewöhnlichen Werktag bis Mittag schon einige Fahrten absolviert. Nun aber aber schweigt die Taxizentrale, die den 28-Jährigen mit Aufträgen versorgt. Sinal Ünlühal ist seit vier Jahren Taxifahrer, die Auftragslage derzeit sei schlechter denn je. Der Nürnberger spricht von 70 Prozent weniger Aufträgen. Das lange Warten auf die nächste Fahrt zehre an den Nerven, irgendwann sei nun mal jede Zeitung und jeder Facebook-Post gelesen. Staatliche Unterstützung sei dringend erforderlich.

Kurzarbeit auch in der Taxi-Zentrale

In der Nürnberger Taxizentrale kommen alle Taxi-Bestellungen an. Mit Headset sitzen drei Mitarbeiter vor ihren Monitoren, normalerweise sind es fünf, aber auch hier in der Telefonzentrale heißt es Kurzarbeit wegen der schlechten Auftragslage. In einer guten Woche sind es 27 000 Aufträge, seit dem Teil-Lockdown nur rund 8.000 Aufträge.

Nicole Pröll arbeitet seit vier Jahren in der Nürnberger Taxizentrale und bekommt die Corona-Ängste der Kunden tagtäglich mit. Fast alle bestellen verständlicherweise ein sogenanntes Safe-Taxi, das über eine schützende Plexiglas-Folie im Fahrgastraum verfügt. Mittlerweile gibt es kaum mehr eines der rund 2.000 Taxen in Nürnberg, das keine hat.

Überprüfung der Haushalte? Kaum möglich

Gesetzlich geregelt ist eigentlich relativ wenig bei den Taxifahrten, sagt Michael Oppermann vom Bundesverband Taxi und Mietwagen. Es handle sich vielmehr um Empfehlungen. Der oder die Fahrgäste aus höchstens zwei Haushalten sitzen hinten, eine trennende Schutzfolie sei nicht vorgeschrieben. Die Haushalts-Konstellation der Gäste zu überprüfen sei aber schwierig, vor allem bei Großraumtaxen. Da habe der Taxi-Fahrer schlichtweg keine gesetzliche Möglichkeiten.

"Nummernbingo" bei Auftragsverteilung

Um die Taxifahrer nicht unnötig auf Aufträge warten zu lassen, spielt die Zentrale eine Art "Nummernbingo". Reinhold Gast von der Nürnberger Taxi-Zentrale erklärt dies folgendermaßen: An ungeraden Tagen fahren die Taxler mit den ungeraden Kennnummern wie 1, 3, 5, 7 und an geraden Tagen kommen die anderen dran, so dass die Auslastung wenigstens ansatzweise gegeben ist und die anderen Kollegen in der Zeit Kurzarbeit anmelden können.

Solche Tage sind unbefriedigend für Sinal Ünlühan, er braucht den Kontakt zum Kunden, um glücklich zu sein. Ein Jobwechsel kommt für den 28-Jährigen aber dennoch nicht in Frage, dafür habe er viel zu viel Diesel im Blut und Corona ist ja hoffentlich auch irgendwann mal vorbei, hofft der Nürnberger Taxler.

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