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Tausende Bauern protestieren bei CSU-Klausur in Kloster Seeon | BR24

© BR Johannes Reichart

Tausende Landwirte haben sich mit ihren Traktoren auf den Weg nach Kloster Seeon gemacht: Anlässlich der CSU-Klausur protestieren sie gegen die aktuelle Agrarpolitik.

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Tausende Bauern protestieren bei CSU-Klausur in Kloster Seeon

Tausende Bauern sind mit ihren Traktoren zum Kloster Seeon gezogen. Dort tagt die CSU-Landesgruppe bis Mittwoch. Grund des Protests ist die geplante Verschärfung der Düngeverordnung.

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Landwirte aus ganz Bayern haben bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe vor dem oberbayerischen Kloster Seeon demonstriert. Laut Polizei waren am frühen Nachmittag rund 2.000 Menschen mit circa 1.000 Traktoren unterwegs. Die Veranstalter der Initiative "Land schafft Verbindung" sprachen von rund 4.000 Teilnehmern und 3.500 Traktoren. Die Polizei sperrte die Staatsstraße zwischen Obing und Seebruck. Als Zeichen des Protests entzündeten die Bauern am späten Nachmittag in Sichtweite des Klosters auch ein Mahnfeuer.

Ministerpräsident Markus Söder hat in Kloster Seeon den aufgebrachten Landwirten inzwischen Unterstützung zugesichert: Die neue Verordnung werde noch einmal genau geprüft. Außerdem forderte er die Bauern auf, auch bei der Bevölkerung für mehr Bewusstsein beim Kauf von Lebensmitteln zu werben.

Demonstranten lehnen schärfere Düngeregeln ab

Die Bauern demonstrieren gegen die Verschärfung der Düngeverordnung 2020. Die soll am 17. Januar im Bundesrat diskutiert werden. Sie wollen erreichen, dass die Vertreter der CSU die geplante Verschärfung verhindern. Die sei weder gut für die Bauern noch für Natur, erklärt der oberbayerische "Land schafft Verbindung"- Sprecher Andreas Bertele aus Altomünster im Landkreis Dachau.

"So wie der Entwurf jetzt ist, wird es extrem schwierig für uns. Es gibt bestimmte rote Gebiete, in denen der Nitratwert im Grundwasser zu hoch ist. In diesen roten Gebieten gibt es dann extra zusätzliche Auflagen wie zum Beispiel 20 Prozent weniger Dünger. Das ist fachlich schwierig zu betrachten und deshalb sollte es nochmal neu ausdiskutiert werden." Andreas Bertele, Sprecher von "Land schafft Verbindung" in Oberbayern

Feldfrüchte dürften dann in vielen Gebieten Bayerns nicht mehr so gedüngt werden, wie sie es eigentlich brauchen, so Bertele weiter.

"Wir sind nicht gegen irgendwas. Wir wollen von der Landwirtschaft leben können. Wir haben Familienbetriebe. Wenn die Gesellschaft etwas von uns möchte, werden wir das so gut wie möglich machen, aber das muss mit uns geschehen." Andreas Bertele
© BR

Warum sprechen sich die Landwirte gegen die Agrarpolitik aus? Der Leiter des BR-Hauptstadtstudios, Achim Wendler, im Gespräch mit Andreas Bertele, Sprecher von "Land schafft Verbindung".

Ziel: Mehr Mitsprache für Bauern

Auch der Bayerische Bauernverband unterstützt die Ziele der protestierenden Bauern, sagte Verbandssprecher Markus Drexler dem BR. Seiner Ansicht nach muss aber zuerst geprüft werden, ob die sogenannten Roten Gebiete auf Basis der Wasserrahmenrichtlinie überhaupt zielführend sind. Dort sollen nach den neuen Regeln besondere Beschränkungen für die Düngung gelten.

Einige der neuen Maßnahmen könnten möglicherweise sogar kontraproduktiv für die Umwelt sein. Außerdem müsse geprüft werden, ob nicht das derzeit bestehende Regelwerk schon wirke. Seine zahlreichen Kritikpunkte will der Bauernverband noch in dieser Woche offiziell an die Bundesregierung übermitteln. Derzeit wird noch die entsprechende Stellungnahme erarbeitet.

Erst Mitte Dezember hatten bayerische Bauern der Aktion "Land schafft Verbindung" mit "Schlepper-Flashmobs" für mehr politische Mitsprache der Landwirte in Sachen Klimaschutz und Düngeverordnung demonstriert.

Naturschützer wollen noch schärfere Regeln

Die neue Düngeverordnung soll eigentlich dafür sorgen, dass weniger Nitrat aus Gülle und künstlicher Düngung ins Trinkwasser gelangt. Im vergangenen Jahr hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass Deutschland gegen die europäische Nitratrichtlinie verstößt. Die Bundesregierung hatte sich daraufhin auf eine Verschärfung der Düngemittelverordnung verständigt. Naturschützern gehen die Änderungen allerdings nicht weit genug.

© Johannes Reichart

Tausende Landwirte haben sich mit ihren Traktoren auf den Weg nach Kloster Seeon gemacht: Anlässlich der CSU-Klausur protestieren sie gegen die aktuelle Agrarpolitik.