Pool im Garten

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Taugt Poolwasser zum Gießen im Garten?

Taugt Poolwasser zum Gießen im Garten?

Der Sommer in Unterfranken war heiß und trocken. Ein eigener Pool klingt da verlockend, bis der Blick auf den Wasserverbrauch folgt. Immerhin könnte man ja das Wasser anschließend zum Gießen benutzen - aber ist das überhaupt erlaubt?

Immer mehr Menschen begeistern sich für einen Aufstellpool im eigenen Garten. Kein Wunder, denn so ein Sprung ins kühle Nass war gerade in diesem heißen Sommer eine wahre Wohltat. Und so eine große Badewanne gibt's ja bereits für ein paar hundert Euro im Baumarkt.

Karin Fichtl und ihre Familie wohnen in der Nähe von Volkach und haben sich vor einigen Jahren einen Aufstellpool zugelegt. Sie genießen das sehr, vor allem seit das Schwimmbad in Volkach wegen Sanierungsmaßnahmen geschlossen ist. Der Aufstellpool fasst immerhin 18.000 Liter. Trotzdem haben die Fichtls kein schlechtes Gewissen. Denn das Wasser gehe dadurch ja nicht verloren.

"Für den Gully wär’s zu schad"

Die Fichtls gießen damit den Garten. Zuerst füllen sie damit die Zisterne auf, den Rest verteilen sie dann auf dem Rasen. "Natürlich nicht alles auf einmal", sagt Karin Fichtl. "Das zieht sich über zwei, drei Wochen hin."

Jetzt, wo die Saison zu Ende geht, hatte die Familie schon länger keine Chlortabletten mehr nachgelegt. Die befinden sich normalerweise in einem Schwimmbehälter, in dem sich die Tabs allmählich auflösen und durch die Bewegung im Wasser verteilen. Inzwischen beginnt sich das Wasser bereits grünlich zu verfärben. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Chlorgehalt zu gering ist, um das Algenwachstum aufzuhalten.

Rein rechtlich ist Poolwasser Abwasser

Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Denn rein rechtlich handelt es sich bei dem Inhalt eines Aufstellpools um Abwasser. Und das dürfte – streng genommen – ohne Genehmigung des Entwässerungsbetriebes nicht einmal in die Kanalisation eingeleitet werden. Geschweige denn ins Grundwasser gelangen.

Darf ich überhaupt mit Poolwasser den Garten gießen?

Martin Rätz vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg sieht bei den handelsüblichen Pools für Privatgärten kaum Probleme. Grundsätzlich gehöre Chlor nicht ins Grundwasser, betont Rätz. Allerdings verflüchtige sich dieser Stoff bereits in weniger Tagen, besonders unter Einwirkung von UV-Strahlung. Mit andern Worten: die Sonne entsorgt das Chlor.

Um sicher zu gehen, könne man mithilfe von Teststreifen nachmessen. Geht der Wert gegen Null, dann könne es über belebte Bodenzonen gegossen werden. Diese Erdschicht bindet mitgeführte Schadstoffe im Erdreich und schützt das Grundwasser. Das Wasser sollte allerdings nicht direkt in Bäche oder Gartenteiche gelangen, um die Gewässerfauna nicht zu gefährden.

Wieviel Chlor vertragen Pflanzen?

Die Frage, ob Pflanzen Chlor verkraften und wenn ja wie viel, ließ sich bei der Recherche nicht klären. Im Internet gibt es diverse Hinweise darauf, dass manche Pflanzen Chlorid lieben, tolerieren oder verabscheuen. Insgesamt gilt der bekannte Satz von Paracelsus: Die Menge macht das Gift. Vereinzelt ist zu lesen, das Chlor im Gießwasser solle 0,05mg/l nicht überschreiten. Doch auf genau diesen Wert konnte oder wollte sich auf BR24-Nachfrage niemand festlegen.

Beim Sandermare waren Experten am Werk

Auch nicht das Würzburger Gartenamt, das kürzlich im großen Stil Bäume mit städtischem Schwimmbadwasser aus dem Sandermare gegossen hat. Doch diese Aktion lasse sich nicht eins zu eins auf das private Poolwasser übertragen, gibt der Würzburger Pressesprecher Georg Wagenbrenner zu bedenken.

Wagenbrenner betont, das Schwimmbadwasser sei aufwendig gefiltert worden und sei qua Messung chlorfrei. Somit bestünde keinerlei Einschränkung für die weitere Verwendung als Gießwasser.

Würzburg tut sich schwer mit generellem Freibrief

Soviel Expertise und die Gerätschaften zum Filtern sei in privaten Haushalten aber nicht zu erwarten, meint Wagenbrenner. Was eigentlich gut gemeint ist, könnte am Ende sogar schaden. Zu viel Chlor im Gießwasser verhalte sich in der Natur genauso wie im Pool: es vernichtet Grün!

"Deshalb tun wir uns schwer mit einem generellen Freibrief", sagt der Pressesprecher. Eine Aussage wie "Leute, nach zwei Tagen dürfte der Chlor abgebaut sein. Fangt an zu gießen" werde es von Seiten der Stadt nicht geben.

Für Poolwasser besteht kein Gießverbot

Was lernt der Poolbesitzer daraus? Eine Lizenz zum Gießen gibt es nicht. Ein grundsätzliches Verbot aber auch nicht. Der Chlorgehalt sollte jedoch gegen Null gehen. Das lässt sich mit Teststreifen schnell und billig überprüfen.

Oder man baut auf seine Erfahrung, wie Karin Fichtl. Ihre Pflanzen hätten das Poolwasser bislang immer bestens vertragen, sagt sie. "Wasser ist schließlich ein kostbares Gut. Das haben wir diesen Sommer besonders gesehen. Für den Gully ist es echt zu schade!"

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