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Tauben füttern in Corona-Zeiten: Erlauben oder verbieten? | BR24

© dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte

Finden Tauben in der Corona-Krise noch genügend Nahrung in der Stadt?

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    Tauben füttern in Corona-Zeiten: Erlauben oder verbieten?

    Viele Tauben würden in Städten derzeit nicht genügend Nahrung finden, kritisieren Tierschützer. Die Verwaltungen halten dagegen: Das Fütterungsverbot gilt weiterhin. In der Corona-Krise polarisieren die Tiere noch mehr als sonst.

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    Beim Besuch in der Stadt sind sie an fast jeder Ecke zu sehen: Tauben, die nach Bröseln und Essensresten picken. Doch in Zeiten von Corona sind die Fußgängerzonen leer – und den Tauben bricht eine wichtige Nahrungsquelle weg, kritisieren Tierschützer.

    Sie haben sich deshalb vor kurzem mit einem Brief an Städte in ganz Deutschland gewandt. Diese sollten Ausnahmen erlauben, damit trotz Fütterungsverbot an ein paar Stellen Körner verteilt werden dürfen. Doch gerade aus Bayern waren die Rückmeldungen eindeutig: Das Fütterungsverbot für Tauben bleibt. Heißt es aus den Städten.

    München: Tauben finden auch so genügend Nahrung

    "München beispielsweise hat nur darauf gepocht, dass die Tiere doch woanders Nahrung finden würden und dass das überhaupt kein Problem sei", berichtet Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Auf Nachfrage bestätigt die Stadtverwaltung diese Haltung.

    Die Tiere hätten in den 17 Taubenhäusern der Stadt genügend Nahrung. Diese Häuser loben auch Tierschützer grundsätzlich, aber sie würden in der Landeshauptstadt schon in normalen Zeiten nicht ausreichen.

    Würzburg: Tauben haben weniger Zeit, sich fortzupflanzen

    Auch Nürnberg, Fürth und Würzburg begründen ihre Entscheidung ähnlich. "Wenn die Tauben jetzt mehr Zeit aufbringen müssen, um auf Nahrungssuche zu gehen, haben sie auch weniger Zeit für die Fortpflanzung", sagt Christian Weiß von der Stadt Würzburg – auch dort gibt es Taubenschläge. "Und damit bleibt die Population auch etwas geringer."

    In Regensburg verweist Rechts- und Regionalreferent Walter Boeckh auf die vielen städtischen Gärten, in denen es ohnehin Futter für Wildvögel gebe. Und: "Tauben können ihren Umkreis für die Futtersuche auf mehrere Kilometer ausweiten."

    Corona-Krise heizt Diskussion um Tauben an

    Die Diskussion um den Umgang mit Tauben gibt es nicht erst seit der Corona-Krise. Doch sie zeigt einmal mehr, wie sehr die Tiere polarisieren können. Auf der einen Seite stehen die Radikalen, die fordern: Weg mit diesen unhygienischen "Ratten der Lüfte". Auf der anderen Seite die Tierschützer, die dagegen halten: Verjagen bringt nichts – dann lassen sich die Tiere einfach woanders nieder.

    Augsburg: Seit Jahren erfolgreich mit Taubenhäusern

    Wann immer es um diese Diskussion geht, führt wohl kein Weg an Augsburg vorbei. Kaum eine Stadt arbeitet seit Jahrzehnten so intensiv mit Taubenschlägen und -türmen. Die Tiere bekommen dort ihr Futter, ihr Kot wird entfernt und die Eier durch Gipseier ausgetauscht, damit sich die Tauben nur noch kontrolliert vermehren. Deutschlandweit wurde das als "Augsburger Modell" bekannt.

    "Es ist tierfreundlicher, als die Tauben umzubringen oder zu vergrämen", sagt Sabina Gassner vom Tierschutzverein Augsburg, der das Projekt betreut. Und es sei zudem auch wirtschaftlicher, als ständig für Vergrämung oder Reinigung zu bezahlen.

    Corona als Chance für neue Taubenhäuser?

    Die Tierschützerin sieht in der in der Corona-Krise jetzt auch neue Möglichkeiten. Denn neue Taubenschläge würden von den Tieren nicht ohne Weiteres angenommen. Wenn sie aber wie gerade überall nach Nahrung suchen, seien sie auch eher bereit, sich dort dauerhaft niederzulassen.

    Laut Sabina Gassner wäre für viele Städte deshalb jetzt ein guter Zeitpunkt, um mehr solcher Häuser für Tauben zu bauen.

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