BR24 Logo
BR24 Logo
Corona und Schule

"Tatort Natur": LBV will Naturschutzkriminalität stoppen | BR24

© BR

Wilderer richten großen Schaden an. Um die Aufklärungsquote bei Ermittlungen zu erhöhen, haben Naturschützer die Plattform "Tatort-Natur" ins Leben gerufen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Tatort Natur": LBV will Naturschutzkriminalität stoppen

Greifvögel werden vergiftet, Luchse erschossen, Biber in Fallen gelockt - die Täter werden bisher nur selten gefasst. Das will der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit dem Projekt "Tatort Natur" ändern. Finder haben oft Angst die Taten anzuzeigen.

Per Mail sharen

Die Tat geschah im April in der Nähe von Wendelstein. Ein Anwohner findet nur wenige hundert Meter von seinem Haus entfernt einen toten Mäusebussard - direkt daneben liegt einen lilafarbenen Köder. Der Mann hält die Szene mit seiner Handykamera fest und schickt die Bilder an den Landesbund für Vogelschutz. Schnell ist klar: Der geschützte Greifvogel ist vergiftet worden.

© LBV

Toter Mäusebussard liegt auf einem Feld bei Wendelstein

Gefahr durch hochtoxische Giftköder

Schon die Farbe des Köders deutet auf das Gift "Carbofuran" hin, ein hochtoxisches Kontaktgift, das schon bei Berührung zu Krämpfen führen kann. In der EU ist das Insektizid seit 2007 verboten. Andreas von Lindeiner, der für das Projekt "Tatort Natur" beim LBV zuständig ist, erklärt: "Die Täter wissen nicht, wen sie mit einem Giftköder treffen. In diesem Fall war es ein Greifvogel, es können aber genauso gut Hunde, Katzen oder sogar Kinder sein."

Ermittlungen durch die Polizei

Der LBV hat sofort die Polizei eingeschaltet, doch diese kam erst einige Tage später zum Tatort. Inzwischen hatte der Bauer sein Feld bestellt, dadurch war von dem toten Vogel kaum noch etwas zu sehen. Ein Vergehen gegen den Artenschutz ist eine Straftat, die mit Geldstafen bis zu 50.000 Euro oder sogar Gefängnis bestraft werden kann. Doch in 99 Prozent aller Fälle bleiben die Täter bisher unerkannt.

"Tatort Natur" soll Naturschutzvergehen stoppen

Deshalb hat der LBV zusammen mit der Gregor Louisoder Umweltstiftung das Projekt "Tatort Natur" ins Leben gerufen. Auf der Internetplattform kann jeder melden, wenn er ein totes Tier findet, dass offensichtlich keines natürlichen Todes gestorben ist. Dort werden die Fälle dokumentiert, so lassen sich auch Häufungen wie aktuell bei Wendelstein erkennen. Die Meldungen sind auch anonym möglich.

Finder befürchten Ärger

Die Finder trauen sich oft nicht, getötet Tiere anzuzeigen. Gerade in kleineren Orten sei dies der Fall, sagt Andreas von Lindeiner, denn die Leute wollten sich wegen eines toten Vogels keinen Ärger mit ihren Nachbarn einhandeln, die als potentielle Täter in Frage kommen könnten. Deshalb würde dann in diesen Fällen Vertreter des LBV einspringen und zum Beispiel vor Gericht als Zeugen aussagen.

Futterneid als Motiv

Illegale Tötungen betreffen nicht nur Greifvögel - auch Fischotter, Biber und Luchse werden erschossen, gefangen oder vergiftet. Als Motiv vermutet der LBV, dass die Täter meist mit den Tieren um Beute konkurrieren. Hasen, Rebhühner und Rehe wollen sie wohl lieber selber essen, statt sie anderen Fleischfressern zu überlassen. Doch mit dem Projekt "Tatort Natur" soll das Bewusstsein in der Bevölkerung geschärft werden, dass es alles andere als ein Kavaliersdelikt ist, ein Wildtier zu töten. Erst Recht nicht, wenn es sich um eine geschützte Art handelt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!