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Tarifstreit am Augsburger Uni-Klinikum spitzt sich zu | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2020

Archiv: Warnstreik am Uniklinikum

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    Tarifstreit am Augsburger Uni-Klinikum spitzt sich zu

    Eigentlich hatte die Gewerkschaft Verdi heute zu Warnstreiks am Augsburger Uni-Klinikum aufgerufen. Doch nun wird der Ausstand verschoben. Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf mit der Klinik-Leitung. Es geht ums Wohl der Patienten.

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    Die Gewerkschaft Verdi hatte eigentlich heute zu Warnstreiks am Augsburger Uni-Klinikum aufgerufen. Doch nun wird der Ausstand verschoben. Die Klinik-Leitung wollte den Streik "unverhältnismäßig beschneiden", klagt Gewerkschaftssekretär Tim Graumann. So sollten in Bereichen, in denen in der Vergangenheit auf gestreikt wurde, nun keine Streikmaßnahmen mehr möglich sein. Deshalb werde der Streik verschoben.

    "Patienten-Wohl lückenlos garantiert"

    "Anders als in der Vergangenheit, schiebt der Klinikvorstand nun eine Patientengefährdung vor, wo früher keine war. Damit wird das Streikrecht beschnitten", so Renate Demharter, Notfallärztin und Mitglied der Verdi--Streikleitung. "Klar ist, dass im Streik das Wohl der Patienten zu jeder Zeit gesichert sein muss. Dies haben wir in der Vergangenheit von unserer Seite immer lückenlos garantieren können und das ist auch heute noch so", erklärt Demharter weiter.

    Verdi beklagt Eingriff in Grundrecht

    "Wir haben die begründete Annahme, dass hier medizinische Einschätzungen vorgeschoben wurden, um die Streiks am UKA zu behindern", ergänzt Graumann. "Das unterhöhlt nicht nur unser Vertrauen in die medizinische Einschätzung des Klinikvorstandes, es stellt auch einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte unserer Kolleginnen und Kollegen dar", so Graumann weiter.

    Mindestens 150 Euro mehr Lohn

    Die Verdi-Streikleitung hat nun kurzfristig entschieden, den für heute angekündigten Warnstreiktag zu verschieben. Die Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr. Die Klinik habe in zwei Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt, so Graumann. "Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun."

    Verdi will neuen Warnstreik durchsetzen

    Verdi kündigte an, einen neuen Streiktermin festzusetzen und diesen dann auch durchzusetzen. "Den Streik werden wir rechtzeitig ankündigen, so dass die Klinikleitung die dafür nötigen Bettensperrungen vornehmen kann. Andererseits setzt die Klinikleitung die Patientensicherheit leichtfertig aufs Spiel. Wir werden unser Streikrecht notfalls auch ohne die Kooperation des UKA durchsetzen, sollte es sich erneut dagegen sperren", so Graumann.

    Das sagt die Klinik zu den Vorwürfen

    Die Leitung des Uni-Klinikums hat die Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi als "völlig falsch und unangemessen", zurückgewiesen: "Zur Einschätzung, dass das Patientenwohl im Falle einer kompletten Schließung von Stationen gefährdet wäre, kamen die klinischen Fachvertreter der vom Streik betroffenen Bereiche.

    Diese Stationen aus den gastroenterologischen, gefäßchirurgischen und kardiologischen Bereichen wurden bereits am vergangenen Montag, 5. Oktober, bestreikt und sollten nun erneut bestreikt werden", so die Klinik.

    Betroffen wären daher erneut Krebskranke und Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Versorgung auf fachfremde Stationen verlegt hätten werden müssen. "Die Fachvertreter kamen durch die Erfahrungen der letzten Woche zu dem Schluss, dass eine Patientengefährdung durch eine komplette Schließung von Bereichen und den daraus resultierenden Folgen nicht ausgeschlossen werden kann", so die Uni-Klinik weiter.

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