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Weihnachtsferien im Lockdown: Da treibt es viele hinaus in die Natur. Zu viele, wie der Miesbacher Landrat meint - gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Nun hat er Ministerpräsident Söder um Hilfe gebeten.

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"Tagestourismus ufert aus": Landrat bittet Söder um Hilfe

Weihnachtsferien im Lockdown: Da treibt es viele hinaus in die Natur. Zu viele, wie der Miesbacher Landrat meint - gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Nun hat er Ministerpräsident Söder um Hilfe gebeten.

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Von
  • Julia Binder
  • BR24 Redaktion

Die Corona-Zahlen im Landkreis Miesbach sind so hoch wie nie zuvor. Doch der Tagestourismus ist überbordend, wie Landrat Olaf von Löwis feststellt. Per SMS hat er sich an Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner gewandt und um Hilfe gebeten: "Bei uns ufert der Tagestourismus aus", habe er wörtlich geschrieben, lässt der Landrat heute mitteilen. "Es brennt wirklich."

Autokolonnen am Spitzingsee

Beispielsweise am Spitzingsee oder am Schliersee. Landrat von Löwis zeigte sich entsetzt über Bilder von den Autokolonnen und den überfüllten Parkplätzen vom Wochenende.

"Ich verstehe ja, dass jeder bei schönem Wetter raus in die Natur will", so von Löwis. "Aber wir stecken mitten in einer weltweiten Pandemie! Dann muss man halt mal eine Zeit lang nur von der eigenen Haustüre aus spazieren gehen und kann nicht aufs Land fahren."

Eine 32-Jährige aus Tegernsee, die am Wochenende am Spitzingsee war, berichtete dem BR vom Ansturm der Ausflügler: "Was da am Sonntag abging, war jenseits von Gut und Böse." Bereits um 10 Uhr sei der Parkplatz voll gewesen, die Autos hätten auf der Zufahrtsstraße gestanden. "Es ging nicht vor und nicht zurück." Es seien aber nicht nur Ausflügler etwa aus München unterwegs gewesen, sondern auch viele aus der Region, so die 32-Jährige.

Unfälle: Notaufnahmen nicht zusätzlich überlasten

Landrat von Löwis erklärte, die Polizei sei im Miesbacher Landkreis am Limit, auch das Krankenhauspersonal zeige sich besorgt. Mit Corona-Patientinnen und -Patienten sei das Klinikum ohnehin gut gefüllt. Verletze sich jemand beim Spaziergang, beim Wandern oder beim Schlittenfahren im Landkreis Miesbach, komme er mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Kreiskrankenhaus Agatharied.

So lautet der klare Appell des Landrats an alle Ausflügler: "Bleiben Sie zu Hause! Seien Sie verantwortungsvoll den Landkreisen an der Alpenkette und deren Bewohnern gegenüber!"

Landrat: Hohe Corona-Zahlen aufgrund von Clustern

Von der Staatsregierung erhofft sich Olaf von Löwis Unterstützung. Appelle müssten jetzt auch durch Regeln bei der Ausgangsbeschränkung untermauert werden. Landtagspräsidentin Ilse Aigner habe dem Miesbacher Landrat telefonisch bereits zugesichert, das Thema auf Regierungsebene zu besprechen.

Die hohen Neuinfektionen im Landkreis Miesbach sind laut Landratsamt auf einige größere Cluster zurückzuführen. Erstens seien in einer Asyl- Gemeinschaftsunterkunft in Warngau viele Menschen positiv getestet worden. Zweitens seien einige Familien für den starken Anstieg verantwortlich. In vier einzelnen Familienverbänden sind laut Landratsamt jeweils bis zu zehn Personen Corona-positiv.

Besucheransturm auch im Bayerischen Wald

Auch der Bayerische Wald wurde in den letzten Tagen geradezu "heimgesucht". Einige Besucher wanderten "kreuz und quer durch den Nationalpark", beschwert sich der stellvertretende Leiter des Nationalparks. Die Lage an den Parkplätzen sei vielerorts "katastrophal" gewesen. Zum Jahreswechsel will der Nationalpark verstärkt Ranger einsetzen und Besucher auf die Verhaltensregeln hinweisen.

Anderswo in Bayern ging es entspannter zu: Die Parkplätze an den Pisten in Garmisch-Partenkirchen seien zwar "definitiv gut besucht" gewesen, sagte eine Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. "Es gab aber keine Staus oder Parkchaos." Andere Bergbahn-Betreiber, etwa im Allgäu, hatten ihre Parkplätze komplett gesperrt.

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Nach dem Ansturm von Ausflüglern am Wochenende liegen die Nerven in vielen Gemeinden blank, es gab sogar einen Brandbrief an Regierungschef Söder. Innenminister Herrmann sieht jedoch keinen Handlungsbedarf.

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