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Zwei Frauen, die ein Selfie im einer Höhle machen. Eine kleine Astronautenfigur aus Plastik ist zu sehen.

In der Höhle haben die beiden Astronautinnen-Anwärterinnen Suzanna Randall (l.) und Insa Thiele-Eich eine Astronauten-Figur zurückgelassen.

Bildrechte: Insa Thiele-Eich/KGM
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Tagelang in Höhle: Astronautinnen-Trainees üben in der Oberpfalz

Bevor sie ins All starten, müssen sie tief unter die Erde: Zwei Astronautinnen-Trainees haben fünf Tage in der Mühlbachquellhöhle in Dietfurt verbracht. Dabei spielte neben Experimenten auch Schokolade eine wichtige Rolle für die ganze Gruppe.

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Annalena SipplAnnalena Sippl
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"Der allererste Eindruck ist, dass erst einmal die Tür zur Höhle aufgeht und es recht rutschig ist. Man musste sich auch abstützen und dann sieht man den ersten Tropfstein und ich denk einfach nur Wow!" So beschreibt die angehende Astronautin Insa Thiele-Eich die ersten Minuten ihrer ganz besonderen Expedition. Zusammen mit ihrer Kollegin Suzanna Randall hat sie fünf Tage und fünf Nächte in der Mühlbachquellhöhle bei Dietfurt in der Oberpfalz verbracht. Mit dabei waren vier Höhlenforscherinnen und -forscher der Karstgruppe Mühlbach e. V. Am vergangenen Sonntag stiegen sie alle in die Höhle hinab.

Fünf Tage unter Extrembedingungen

Die besondere Aktion hatte zwei Ziele: Zum Einen diente sie als Training für die geplante Reise der beiden Frauen zur Raumstation ISS. Denn so gegensätzlich es erst einmal klingt, haben das Leben in der Höhle und das auf der ISS einiges gemeinsam: Keinerlei Privatsphäre, kein Tag- und Nachtgefühl, das Kriechen und Robben als Fortbewegung und das Abgeschnitten sein von der Außenwelt. Doch eigentlich war Insa Thiele-Eich nicht ganz von ihrer ganzen Familie getrennt, wie sie verrät. "Wir haben uns natürlich auch gefragt, wie das mit der Isolation ist, wenn man nicht bei Familie und Freunden ist", erzählt die angehende Astronautin und ergänzt: "Aber praktischerweise bin ich gerade schwanger und hatte ein Kind einfach dabei."

Schwimmen, Kriechen, Schlauchboot fahren unter Tage

Das zweite Ziel der sechsköpfigen Truppe waren Forschungsarbeiten und Experimente in dem unterirdischen Höhlensystem. Dafür zogen sich auch die beiden Astronautinnen-Trainees mit Seilen hoch in die Tunnel hinauf und nahmen beispielsweise Proben von Tropfsteinen. Auf den täglichen Touren durch die Höhle musste die Gruppe schwimmen, kriechen und manchmal sogar Schlauchboot fahren. Eine kräftezerrende Prozedur. "Wir hatten einen Tag, der war sehr anstrengend, da waren wir auch sehr spät wieder am Biwakplatz", erzählt Insa Thiele-Eich rückblickend. "Und am Tag danach habe ich gemerkt, wie mein Körper, vielleicht auch durch die verlorene Anspannung, sehr kalt wurde, und da war es dann auch schwer wieder zu arbeiten wenn man so richtig durchgefroren ist."

Angst vor extremer Kälte

Auch ihre Kollegin Suzanna Randall hatte sich im Vorfeld am meisten vor der Kälte gefürchtet. Die Temperatur in der Mühlbachquellhöhle liegt bei etwa neun Grad, hinzu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Doch die Sorgen vor kalten Nächten waren unbegründet, wie die beiden Frauen am Freitagnachmittag auf der Pressekonferenz verrieten. Dank Kleidung aus Merino-Wolle und speziellen wasserdichten Anzügen sei man die meiste Zeit trocken und warm geblieben.

Fünf Tage war die Gruppe in der Mühlbachquellhöhle unterwegs, um verschiedene Forschungsexperimente durchzuführen.

Bildrechte: BR24

Schokolade als Abendritual

In einem Lager, dem sogenannten Biwak, einem Platz mit Campingtoilette und Kochstelle, hat die Gruppe übernachtet. Zu Essen gab es Campingnahrung und Müsli, berichtet Thiele-Eich. Jeden Abend kamen dann aber alle für ein Ritual zusammen. "Wir hatten sehr viel Schokolade dabei", erzählt die Wissenschaftlerin. "Am Abend haben wir uns immer einen Riegel mit sechs Stücken geteilt und dann hat jeder immer gesagt, was so das Schönste am Tag war." Überhaupt, das betont die Astronautin, sei der Zusammenhalt und die Stimmung in der Gruppe ganz toll gewesen. Sie und ihre Kollegin sprechen begeistert über die Organisation und die Planung, die die Karstgruppe Mühlbach e. V. im Vorfeld vorbereitet hatte.

Als erstes Erdbeeren geholt

Am Donnerstag hieß es dann für alle Abschied nehmen von der Höhle. Zurück durch die engen Gänge und hohes Wasser ging es hinaus ins Tageslicht. Suzanna Randall hatte während der dunklen Expedition vor allem die Farben und das Tageslicht gefehlt. Insa Thiele-Eich fiel etwas anderes bei ihrer Rückkehr noch mehr auf: die ungewohnten Gerüche: "Es hat sehr intensiv nach Wald gerochen", berichtet sie am Freitag. "Man hat die die Vögel gehört, dann hat es auch angefangen zu regnen, das war einfach sehr intensiv." Als erstes habe sie ihren Mann und ihre drei Kindern angerufen und sich dann frische Erdbeeren gegönnt. Der Ausflug in die Höhle war für sie ein voller Erfolg und eine spannende Erfahrung. "Es hat mir auch gezeigt: zwei Wochen Raumstation, das kriege ich schon hin", lacht die Astronautin.

Tödlicher Unfall Anfang 2021

Die Mühlbachquellhöhle gehört zum Naturpark Altmühltal. Im Jahr 2001 gelang den Mitgliedern des Höhlenvereins der Durchbruch in die Höhle. Seitdem forschen sie in dem Höhlensystem, das insgesamt über 10,5 Kilometer lang ist. Anfang des Jahres ist ein 57-jähriger Forscher bei einem Tauchvorgang in dem Höhlensystem ums Leben gekommen. Trotz aller Bemühungen und eines aufwendigen Rettungsversuches konnte der Mann nur noch tot aus der Höhle geborgen werden. Der Eingang zur Höhle ist aus Sicherheitsgründen verschlossen, nur Experten und Forscher dürfen das Innere erkunden.

💡 Hintergrund: Bisher war noch keine einzige deutsche Astronautin auf der Raumstation ISS. Ende 2023 könnte dieser Traum für Insa Thiele-Eich und ihre Kollegin Suzanna Randall wahr werden. Denn damit Astronautinnen ihren männlichen Kollegen nachziehen können, hat Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler 2016 die Stiftung "Erste deutsche Astronautin" gegründet. Unter 400 Bewerberinnen haben sich Insa Thiele-Eich und Suzanna Randall durch etliche Auswahltests geboxt und sind so ihrem Ziel, dem Flug ins All, ein Stück näher gekommen. Dort sollen sie wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen Themen durchführen, unter anderem zur Reaktion des weiblichen Körpers auf die Schwerelosigkeit.

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