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Tag des Lärms: Immer mehr Menschen suchen nach Orten der Stille | BR24

© picture alliance / dpa / Nicolas Armer

Ein Andachtsraum in der Abtei Münsterschwarzach

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Tag des Lärms: Immer mehr Menschen suchen nach Orten der Stille

Lärm verursacht Stress und kann krank machen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Akustik hin. Immer mehr Menschen versuchen mittlerweile der Dauerbeschallung des Alltags zu entfliehen. Ein Trend: Ins Kloster gehen - zum Schweigen.

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Seit über 20 Jahren macht die Deutsche Gesellschaft für Akustik auf die Probleme aufmerksam, die zu viel Lärm mit sich bringt. Lärm kann Stress verursachen und krankmachen. Kein Wunder also, dass die Sehnsucht nach Stille bei vielen Menschen groß ist.

Hinter Klostermauern lässt sich Stille leichter finden

Sich im Alltag dem Lärm zu entziehen, ist aber oft ein Ding der Unmöglichkeit. Darum suchen immer mehr Menschen nach der Stille fernab von Autolärm und Alltagsstress. Besonders beliebt sei es derzeit, Schweigeexerzitien in einem Kloster zu buchen, beobachtet Pater Zacharias. Er lebt als Mönch in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Die Abtei bietet regelmäßig Schweigeexerzitien an. Exerzitien sind geistliche Übungen, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit sich und mit Gott führen sollen.

Die Menschen würden heute an einer Dauerbeschallung leiden, sagt Pater Zacharias. Durch E-Mails, Skype-Konferenzen und soziale Medien sei man ständig im Kontakt mit anderen Menschen. Wenn man im Café sitzt wird man mit Musik berieselt oder an der Wand flimmern Bildschirme. "Da haben viele die Sehnsucht, das mal sein zu lassen und zu sich zu kommen", sagt der Benediktiner. Daher melden sie sich zu Exerzitien an, "um eine Woche ganz bei sich zu sein, anzukommen".

Ohne Übung geht es nicht - auch beim sich selbst finden

Zu sich selbst finden, achtsam sein, in der Gegenwart leben. Dazu gehört viel Übung. Dann aber kann man Stille fast überall erfahren, sagt Andreas Ebert. Der evangelische Theologe hat bis zu seinem Ruhestand das Spirituelle Zentrum St. Martin in München geleitet. Auch heute noch bietet er zahlreiche Meditationsseminare und Schweigeexerzitien an.

Um zu sich zu finden, brauche es aber nicht die absolute Ruhe, so Ebert. Die innere Stille könne man auch in mitten von Straßenlärm spüren: "Es geht nicht darum, nur äußerlich die Geräusche abzustellen, sondern in unseren Innenraum vorzudringen. In unserem tiefsten Inneren gibt es auch diese große Stille."

Wenn man schweigt, wird es in einem laut

Aus eigener Erfahrung weiß Ebert aber auch, wie schwer es ist, Stille auszuhalten. Das Problem mit der Stille ist, dass es in einem immer lauter werde, wenn man äußerlich schweigt, erklärt der Theologe: "Es kommen viele Dinge in einem hoch, die man sonst übertüncht oder unterdrückt: Langeweile, Angst, Schmerzen, Wut..."

Stille muss eingeübt werden, weiß Meditationsprofi Andreas Ebert. Das gehe am Anfang nur langsam und sei mühsam, "trotzdem ist es etwas sehr Kostbares".

💡 Was ist Lärm?

Lärm ist jedes unerwünschte laute Geräusch. Das Ohr nimmt die Geräusche auf und verarbeitet die darin enthaltenen Informationen. Lärm wird sehr subjektiv wahrgenommen, das heißt, jeder Mensch empfindet Geräusche unterschiedlich, den einen stören sie nicht oder nur wenig, den anderen nerven sie. Laute Musik regt zum Beispiel manche Personen auf, andere finden sie schön und wieder andere lässt sie völlig kalt. Aus repräsentativen Umfragen des Umweltbundesamtes ergibt sich, dass der Straßenverkehrslärm mit Abstand als der größte Störfaktor empfunden wird.

© BR

Symbolbild Lärm