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Tag der Brieftaube: Hinter den Kulissen eines Taubenschlags | BR24

© BR/Andrea Kwasniok

Brieftauben-Züchter Friedrich Schön und seine Brieftauben

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Tag der Brieftaube: Hinter den Kulissen eines Taubenschlags

Rund 30.000 Menschen gehören dem Verband Deutscher Brieftaubenzüchter an, mehr als 5.000 Vereine gibt es in Deutschland. Das klingt nach viel, doch die Brieftaubenzüchter plagen Nachwuchssorgen.

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Das Brieftauben-Züchten betreiben vor allem ältere Semester. Daher nutzten viele Züchter den "Tag der Brieftaube" am 14. April, um die Werbetrommel für ihre Leidenschaft zu rühren und einen Blick hinter die Kulissen eines Taubenschlags zu gewähren. Einer der Züchter ist Friedrich Schön aus Lentersheim im Landkreis Ansbach.

Brieftauben-Züchter Friedrich Schön

Freudiges Gurren und aufgeregtes Geflatter tönt durch den Garten. Wenn Friedrich Schön den Taubenschlag betritt, begrüßen ihn seine Lieblinge fast schon ein wenig ungeduldig. Sie wissen, jetzt gibt’s gleich jede Menge Action und natürlich Futter. Getreidekörner und Mais schüttet der 60-jährige Taubenzüchter in die Futterrinne, und frisches Wasser in eine Schüssel. Dazu gibt’s noch die ein oder andere Leckerei. "Ganz besonders gerne mögen sie Erdnüsse. Damit kann man sie eigentlich sehr zahm bekommen", sagt Friedrich Schön aus Lentersheim am Hesselberg und beweist auch gleich, dass er recht hat. "Der Sechs-sechsundsechzig“, ein Täuberich mit der Nummer 666 – Namen vergibt der Taubenzüchter nicht an seine Vögel – frisst ihm buchstäblich aus der Hand. "Er lässt sich gerne streicheln und gelegentlich rauft er auch mit mir", freut sich Friedrich Schön und streicht dem Vogel sanft über das Gefieder.

Schon als kleiner Bub hat ihn die Leidenschaft für Brieftauben gepackt. "Ich war mit zehn Jahren beim Nachbarn drüben, der hatte Brieftauben und mich hat das fasziniert, wie die immer wieder zurückkommen vom Flug. Mit dem Konfirmationsgeld bin ich dann dem Brieftaubenverein beigetreten und mit dem ersten Lohn habe ich mir den ersten Taubenschlag gebaut", erzählt er.

© BR/Andrea Kwasniok

Brieftauben zu züchten, ist ein anspruchsvolles, zeitintensives Hobby. Hier Friedrich Schön mit einer seiner Tauben.

Gefiederte Schönheiten

Mehr als 100 Tauben besitzt Friedrich Schön heute: Hellgraugefiederte Schönheiten mit schwarzgestreiften Flügeln, weißer Nase und smaragdgrün oder violett schimmerndem Hals – viele aus eigener Zucht. Abends öffnet der Taubenfreund den Schlag und schickt seine Vögel raus zum Flugtraining. Eine nach der anderen verlässt das Taubenhaus. Draußen versammeln sich die Vögel zum Schwarm und ziehen gemeinsam ihre Runden über Haus und Garten. Nach dem Winter müssen die Brieftauben langsam wieder Kondition aufbauen und fit werden für die anstehenden Flugwettbewerbe.

Auftakt in die Reisesaison

Im April beginnt für die Tauben die Reisesaison. Siegfried Schelhorn von der Transportgemeinschaft Mittelfranken Süd hat seinen Taubentruck schon hergerichtet. Doch weil am Wochenende Regen gemeldet war, wurde die geplante erste Trainingsreise verschoben. Denn bei Nässe können die Tauben keine weiten Strecken fliegen. Nun starten die Trainingsflüge erst kommende Woche. Wenn das Wetter passt, ist Siegfried Schelhorn fast wöchentlich auf Tour. Die Reisetauben aus der ganzen Region werden in Transportboxen gepackt und auf den "Pigeon Voyageur" geladen. Mehr als 2.000 Tauben passen in den Truck. Die Tauben tragen einen elektronischen Chip in einem Ring am Fuß. Damit werden Abflugort und –zeit registriert und auch die Ankunftszeit im heimischen Taubenschlag. Die Taube, die am schnellsten wieder zuhause ist, hat gewonnen. Von Woche zu Woche steigt die Entfernung, die die Tauben bis zum heimischen Schlag zurücklegen müssen – von anfangs 60 bis zu 600 Kilometern. Manche Taubenarten finden sogar aus Distanzen von bis zu 1.000 Kilometern ihren Weg zurück nach Hause!

"Erste Hilfe" für verirrte Tauben

Doch ab und zu verfliegt sich eine Taube auch – oder legt unterwegs eine Pause ein. Grundsätzlich kein Grund zur Sorge, meint Siegfried Schelhorn. Ein Schälchen mit Wasser und ein wenig ungekochter Reis oder Weizen genügen als "erste Hilfe". "Wenn die Taube fit ist, dann frisst sie und trinkt, und dann fliegt sie weiter. Denn sie will unbedingt zurück nach Hause", sagt Schelhorn. Und für Notfälle trägt jede Taube auch die Telefonnummer ihres Züchters auf dem Ring am Fuß.

Gefahr durch Raubvögel

So sehr Friedrich Schön die Reisesaison herbeisehnt, für den Taubenzüchter beginnt dann auch eine Zeit des bangen Wartens. "„Die größte Gefahr sind die Wanderfalken. Oft kommen die Tauben verletzt zurück und manchmal auch gar nicht mehr." Doch zum Glück sind seine Tauben schnell und so freut sich Friedrich Schön oft nicht nur über ihre Rückkehr, sondern hat auch schon den ein oder anderen Preis gewonnen.

© BR/Andrea Kwasniok

Brieftauben fliegen bis zu 600 Kilometer weit, um wieder in ihren heimischen Taubenschlag zu gelangen.

© BR/Andrea Kwasniok

Im April beginnt das Konditionstraining für Brieftauben. Erst fliegen sie nur über den Hof von Züchter Friedrich Schön aus Lentersheim im Landkreis Ansbach. Mit dem Lastwagen werden die Tauben für längere Rückflüge ausgefahren.