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Täterbeschreibung oder nicht: So läuft die Ermittlungstaktik | BR24

© dpa/Peter Steffen

Fahnungsblätter mit einem Zeugenaufruf (Symbolbild Archiv)

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Täterbeschreibung oder nicht: So läuft die Ermittlungstaktik

Obwohl es im Fall des in Augsburg getöteten Feuerwehrmanns einen Zeugenaufruf gegeben hatte, ging die Kripo nicht mit Täterbeschreibungen an die Öffentlichkeit. Der Kriminologe Johannes Luff erklärt die Gründe von solchen Ermittlungstaktiken.

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Bei vielen Menschen, darunter auch User auf BR24, sorgte das Vorgehen der Kriminalpolizei im Fall des in Augsburg getöteten Feuerwehrmanns für Unverständnis, zwar einen Zeugenaufruf zu starten, jedoch keine Täterbeschreibung zu liefern. Der Leiter der Kriminologischen Forschungsgruppe des Bayerischen Landeskriminalamts, Johannes Luff, erklärt, welche grundsätzlichen ermittlungstaktischen Überlegungen hinter solchen Entscheidungen stehen können.

Herr Luff, warum gibt die Polizei bei einem Zeugenaufruf nicht alle Einzelheiten der Öffentlichkeit bekannt, um den Täter zu finden?

Johannes Luff: Es besteht die Gefahr, damit auch Täterwissen zu veröffentlichen. Bei einer Vernehmung kann beispielsweise ein Täter damit gestellt werden, dass er Details etwa vom Tatort preisgibt, die nur er wissen kann.

Welchen Grund gibt es, bei Personenbeschreibungen keine genauen Angaben zu machen?

Luff: Bildmaterial zum Beispiel wird nur dann verwendet, wenn der oder die gesuchten Täter eindeutig zu erkennen sind und eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Sobald die Videosequenzen, zum Beispiel von Überwachungskameras, zu unscharf sind, weil es zum Beispiel dunkel war, kann das für einen öffentlichen Zeugenaufruf nicht genutzt werden.

Die Verwechslungsgefahr ist bei unscharfen Bildern außerdem zu groß. Es könnten dadurch leicht zu unrecht Menschen oder auch bestimmte Bevölkerungsgruppen diskriminiert werden. Nicht zu vergessen, dass auch ein Tatverdächtiger bestimmte Persönlichkeitsrechte hat. Darum muss eine öffentliche Fahndung auch immer vom Staatsanwalt angeordnet werden. Diese ist dann gerechtfertigt, wenn zum Beispiel eine Gefahr für die Bevölkerung besteht.

Viele Menschen haben den Eindruck, dass die Gewalt in der Gesellschaft zunimmt. Ist der Eindruck begründet?

Luff: Die letzte Studie, die wir dazu durchgeführt haben, liegt neun Jahre zurück. Damals war das Ergebnis, dass die Gewalt nicht zunimmt. Allerdings gab es eine Zunahme an Körperverletzungen, die zur Anzeige gebracht wurden. Ebenso wie die Zunahme an sogenannten Bagatelldelikten.

© BR

Die Polizei hat die Täter schnell gefasst. Aber es hat gedauert bis Informationen an die Öffentlichkeit gegeben wurden. Was war der Grund? BR-Polizeiexperte Oliver Bendixen erläutert die Einzelheiten.