Ein Mann bei einem Beratungsgespräch

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Tabuthema: Was passiert, wenn Männer häusliche Gewalt erfahren?

Tabuthema: Was passiert, wenn Männer häusliche Gewalt erfahren?

Bei Opfern häuslicher Gewalt denkt man in der Regel sofort an Frauen. Doch auch Männer sind davon betroffen. Anlaufstellen gibt es für männliche Opfer im Vergleich zu weiblichen wenige – nur drei in ganz Bayern. Eine davon befindet sich in Nürnberg.

Jeder fünfte Fall von häuslicher Gewalt wird laut der letzten Kriminalstatistik von einem Mann gemeldet, erklärt Philipp Schmuck. Er leitet die Beratungsstelle häusliche Gewalt gegen Männer in Nürnberg. Zusammen mit seinem Kollegen Dirk Geldermann ist er für Nordbayern zuständig.

Gewalt gegen Männer ist Tabuthema

Die beiden sind keine Psychologen, sondern stehen als Berater betroffenen Männern zur Seite. Das können junge Männer sein, die in ihrer ersten Beziehung stecken, aber auch Rentner, die lange verheiratet sind. Gerade bei letzteren ist der Leidensdruck schon länger und sie spüren auch, dass etwas nicht in Ordnung sei, sagt Philipp Schmuck. Aber es falle den Opfern schwer, die erlebten Vorfälle tatsächlich häusliche Gewalt zu nennen. Denn tatsächlich ist laut Schmuck Gewalt gegenüber Männern noch immer ein Tabuthema in der Gesellschaft.

"Es ist für betroffene Männer auch schambehaftet. Zum Mann sein gehört oft stark sein, keine Schwäche einzugestehen." Philipp Schmuck, Beratungsstelle häusliche Gewalt Nürnberg

Dabei gibt es zwei Formen der Gewalt: körperliche und psychische. Oft auch in Kombination. Gerade wenn es um körperliche Gewalt geht, sei es schwer für gestandene Männer, zuzugeben, dass man beispielsweise von seiner Frau geschlagen wurde. Daher vermutet Schmuck eine hohe Dunkelziffern an männlichen Opfern von häuslicher Gewalt.

Jeder Mann Willkommen

Gerade weil Männer seltener Opfer häuslicher Gewalt werden und es wenig öffentlich besprochen wird, kommen sie oft nicht von selbst auf die Beratungsstelle. Allgemein ist die Männerberatung ein neues Feld. Seit knapp zwei Jahren gibt es sie auch Nürnberg. Viel Wissen stammt aus der Beratung von Frauen. Aber der Umgang und die Form der geäußerten Gewalt gegenüber Männern sei anders, meint Dirk Geldermann. Dabei ist es auch egal, ob hetero-, homo, inter- oder transsexuell.

Beratung bei häuslicher Gewalt gegen Männer ist oft ein Tabuthema.

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Schutzwohnung für schlimme Fälle

In der Beratungsstelle laufen zunächst die Fälle auf. Ist ein Mann sehr stark von Gewalt im häuslichen Umfeld betroffen, reicht eine Beratung nicht aus. Die betroffenen Männer schicken die Berater zu Psychologen und gegebenenfalls auch in eine Schutzwohnung. Diese sind mit Frauenhäusern zu vergleichen. Die Anzahl dieser Schutzwohnungen ist aber deutlich geringer.

Vom Freistaat finanziert

Insgesamt gibt es in Bayern drei Beratungsstellen für häusliche Gewalt gegen Männer. Diese werden vom Bayerischen Staatsministerium finanziert. Die beiden anderen sind in Augsburg und München. Damit ist die Stelle in Nürnberg für ganz Franken und Teile der Oberpfalz zuständig. Zweimal im Monat wird in Würzburg in Unterfranken beraten, einmal im Monat im oberfränkischen Hof. Beratungen sind auf über das Telefon möglich.

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