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Systemkritik - kein "Bauernbashing" | BR24

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Der BUND Naturschutz und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordern eine grundlegende Neuorientierung der Agrarmarktpolitik. Über ihre gemeinsame Sichtweise haben sie am Mittwoch in Nürnberg informiert.

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Systemkritik - kein "Bauernbashing"

Der BUND Naturschutz und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordern eine grundlegende Neuorientierung der Agrarmarktpolitik. Über ihre gemeinsame Sichtweise haben sie am Mittwoch in Nürnberg informiert.

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Es ist Anfang Dezember, in Memmingen rollen tausende Traktoren durch die Stadt. Bayerische Landwirte machten ihrem Ärger über die Agrarpolitik der Bundesregierung Luft. Das war aber nur der aktuellste Protest. Passau, Bad Füssing, auch Berlin. Solche Bauernproteste haben in der vergangenen Zeit immer wieder in ganz Deutschland stattgefunden.

Mergner: "Fördergelder werden ungerecht verteilt"

Die Demonstrationen richten sich gegen immer neue Umweltauflagen, so der BUND Naturschutz in Bayern. Für Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern, liegt das Problem aber tiefer: Die derzeitige Agrarpolitik sorgt für eine ungerechte Verteilung von Fördergeldern. In Europa würden pro Jahr 60 Milliarden Euro an die Landwirtschaft ausgegeben, "80 Prozent dieses Geldbatzens geht aber nur an 20 Prozent der Betriebe", so Mergner. Dadurch würden diejenigen Betriebe, die fair mit der Natur, den Tieren und dem Wasser umgehen, am wenigsten von der Agrarförderung aus Steuergeldern erhalten. "Das muss verändert werden", fordert Mergner. Die Politik müsse jetzt handeln.

"Ministerpräsident Markus Söder, die Landwirtschaftsministerin Kaniber und der Bayerische Landtag müssen jetzt endlich diskutieren, wie soll die Landwirtschaft in Bayern in zehn Jahren aussehen? Wollen wir weiterhin diesen brutalen Strukturwandel wo wir in den letzten 20 Jahren ein Drittel der Bauernhöfe in Bayern verloren haben, oder wollen wir ihnen eine andere Perspektive geben." Richard Mergner, Vorsitzender BUND Naturschutz

Das hieße konkret, dass sich Handelskonzerne nicht in die Landwirtschaft einkaufen dürften. Sie bekämen dadurch Fördergelder, die den kleinen Bauern dann fehlen.

Billige Produktion für den Weltmarkt

Die aktuellen Bauernproteste richteten sich aber laut Josef Schmid, Vorsitzender der AbL, an die falsche Adresse. Die Arbeitsgemeinschaft sieht sich selbst als Opposition zum Deutschen Bauernverband und vertritt mehrheitlich kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe. So fordert Schmid die Bauern auf, nicht gegen die Folgen der Agrarpolitik – nämlich die vielen Umweltauflagen – sondern gegen deren Ursachen zu protestieren. Diese habe die Bauern gezwungen immer billiger für den Weltmarkt zu produzieren.

"Für diese Proteste sind die NGOs, die Ökoverbände, die Grünen und so weiter der falsche Adressat. Weil die nicht für die Agrarpolitik der Vergangenheit verantwortlich sind." Josef Schmid, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

Aufruf zu gemeinsamer Großdemo mit den Bauern

Die Kritik des BUND Naturschutz und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft soll aber kein „Bauernbashing“ sein, sondern Systemkritik, meint Schmid. Deshalb rufen der BN und die AbL gemeinsam mit den Bauern zu einer Großdemo am 18. Januar in Berlin auf.

© BR/ Nicolas Eberlein

Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz und Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (v.l.).