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Synodaler Weg: Katholische Kirche diskutiert Machtfrage | BR24

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Macht und Gewaltenteilung in der Kirche - das ist eines von vielen heißen Eisen, die der sogenannte synodale Weg in Frankfurt diskutiert. Der Gesprächsprozess soll das Vertrauen zwischen Klerikern und Laien in der katholischen Kirche stärken.

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Synodaler Weg: Katholische Kirche diskutiert Machtfrage

Seit Donnerstag läuft der Reformprozess der katholischen Kirche in Frankfurt am Main: der "Synodale Weg". Bischöfe, Ordensleute und Laien diskutieren auf Augenhöhe unter anderem über Machtverteilung, Zölibat und die Rolle der Frau in der Kirche.

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Es ist ein Experiment, auf das sich die katholische Kirche da eingelassen hat. Bischöfe und Vertreter des Kirchenvolks diskutieren beim "Synodalen Weg" miteinander, ganz offen und in aller Öffentlichkeit, unter anderem über Machtverteilung, die Rolle der Frau und den Zölibat. Das Ziel: die katholische Kirche nach dem Missbrauchsskandal aus ihrer Krise führen. Der frisch ernannte Bischof von Augsburg, Bertram Meier, ist auch dabei. Er muss viele Hände schütteln, Gratulationen entgegennehmen. Er sei gespannt auf den "Synodalen Weg", sagt Meier.

Missbrauchsskandal als Auslöser für Reformprozess

Die katholische Kirche hat massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Der Missbrauchsskandal ist der Ausgangspunkt für diesen Reformprozess. Dessen Ursachen liegen, so hat es die Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz angedeutet, in einer ungleichen Machtverteilung, im Zölibat und in der untergeordneten Rolle von Frauen in der Kirche. Die Münchner Synodale Gudrun Lux wünscht sich vor allem beim letzten Punkt Veränderungen. "Mein Signal ist ganz klar, dass ein Signal nach Rom geht: Die deutsche Kirche möchte mindestens die Diakoninnenweihe haben", sagt Lux.

Die katholische Kirche stellt die Machtfrage. Der Passauer Bischof Stefan Oster hält diese für entscheidend. Allerdings sei die katholische Kirche eben auch eine Bischofskirche – mit viel Verantwortung in den Händen weniger. "Ich bin dafür, dass wir als Bischöfe auch Kontrolle bekommen", sagt Bischof Oster. Das sei eine Fülle an Verantwortung, die die Bischöfe auch strukturell hätten.

Kirchlicher Rang unwichtig bei der Sitzordnung

Schon allein die Sitzordnung in Frankfurt kann als Zeichen der Veränderung gedeutet werden. Im großen Saal des Dominikanerklosters werden die Plätze in alphabetischer Reihenfolge des Nachnamens vergeben und nicht nach dem kirchlichen Rang. In der linken Saalhälfte hat sich beim Buchstaben "V" der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eingereiht. Voderholzer beginnt den Synodalen Weg, indem er gleich zu Beginn eine Grundsatzkritik äußert. Die Ursachen des Missbrauchsskandals seien doch noch gar nicht ausreichend erforscht, dass man jetzt schon über Ursachen diskutieren könnte

"Solche Schlussfolgerungen müssen so lange als unwissenschaftlich und Projektionen, als nicht durch vergleichende Studien bewiesen wird, dass es diese katholischen Spezifika sind, die zu den fürchterlichen, beschämenden und viele Kinder und Jugendliche traumatisierenden Taten geführt haben." Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg

Zölibat als Risikofaktor für Missbrauch?

Die Reformbefürworter halten dagegen, der "Synodale Weg" beschäftige sich gerade deshalb mit dem Zölibat, weil die verpflichtende Ehelosigkeit für Priester als Risikofaktor für Missbrauch gelte, ebenso wie die Männerdominanz in Führungspositionen. Gudrun Lux aus München will genau darüber in Frankfurt diskutieren. "Wir haben uns Urteile gebildet, es ist Zeit zum Handeln. Natürlich werden wir uns weiter austauschen. Aber mein Eindruck ist, dass wir gewisse Leute nicht einbinden können, weil sie gar nicht eingebunden werden wollen in den 'Synodalen Weg'", sagt Gudrun Lux.

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Die katholische Kirche in Deutschland hat sich auf einen Weg des Dialogs mit der Basis gemacht, den sogenannten Synodalen Weg. Radikale Veränderungen sind nicht zu erwarten, aber die Bischöfe hören den Laien zu, so BR-Kirchenexperte Tilmann Kleinjung

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