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Synodaler Weg: "Die Sorge vor einem Scheitern ist groß" | BR24

© BR/Tilmann Kleinjung

Am heutigen ersten Advent startet in der Münchner Frauenkirche der Reformprozess namens "Synodale Weg". Mit dem Gesprächsprozess soll gemeinsam ein Weg aus der Krise der katholischen Kirche gefunden werden. Wohin er führt, ist unklar.

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Synodaler Weg: "Die Sorge vor einem Scheitern ist groß"

Am heutigen ersten Advent startet in der Münchner Frauenkirche der Reformprozess namens "Synodaler Weg". Mit dem Gesprächsprozess soll gemeinsam ein Weg aus der Krise der katholischen Kirche gefunden werden. Wohin er führt, ist unklar.

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Der Reformprozess, den die katholische Kirche in den kommenden zwei Jahren unternimmt, beginnt mit einem einfachen Ritus. Karin Kortmann, die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), entzündet in der Münchner Frauenkirche eine Kerze, die das Logo dieses "Synodalen Weges" trägt: Ein Kreuz, dessen linker Seitenarm einen Pfeil bildet. Nach vorne soll es gehen, sagt Karin Kortmann.

"Wir sind darauf angewiesen, dass wir mutige, reformorientierte Bischöfe an der Seite haben, die in Rom dafür werben, dass es keinen deutschen Sonderweg gibt. Aber, dass die Probleme der deutschen Kirche dort offene Türen vorfinden. Und dass dort auch Menschen sind, die sagen, es geht nicht nur um das Bewahren von Strukturen. Sondern Erneuerung fängt damit an, dass man Strukturen verändert." Karin Kortmann, Vizepräsidentin Zentralkomitee deutscher Katholiken

Kortmann betonte, das ZdK gehe mit großem Respekt und Verantwortung an die Aufgabe, gemeinsam mit der Bischofskonferenz den "synodalen Weg" zu gestalten. "Die Erwartungen der Gläubigen an substanzielle Ergebnisse sind hoch, aber auch die Sorge vor einem Scheitern ist groß."

Anlass für Reformen ist die Missbrauchskrise

Ausgangspunkt für diese Strukturreform ist die Missbrauchskrise. Die Krise legte offen, dass es einige Strukturen waren, die den Missbrauch von Minderjährigen und dessen Vertuschung begünstigt hatten: die steile Hierarchie, das Fehlen von Frauen in verantwortlichen Positionen, der Pflichtzölibat für Priester.

Die "schreckliche Erfahrung" des Missbrauchs Minderjähriger hindere die katholische Kirche daran "Glaubwürdigkeit" zu bezeugen, sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in seiner Predigt.

"Ein nicht glaubwürdiger Mensch, eine nicht glaubwürdige Institution - wie soll man der abnehmen, dass die etwas zu sagen hat, etwas Weitreichendes, etwas Zuversichtliches, etwas, was mit meinem Leben etwas zu tun hat. Etwas Wichtiges." Kardinal Reinhard Marx

Kardinal Marx muss bei Kritikern für "Synodalen Weg" werben

Zum Auftakt des "Synodalen Wegs" muss Kardinal Marx vor allem bei einigen Mitbrüdern Werbung für den Reformprozess machen. Kardinal Woelki von Köln und Bischof Voderholzer aus Regensburg stehen dem "Synodalen Weg" kritisch gegenüber. Sie fürchten einen deutschen Alleingang in Fragen, die die gesamte Weltkirche betreffen, beispielsweise beim Zölibat oder Weiheämtern für Frauen.

Die Einheit mit dem Papst sei fundamental, sagt auch Marx. Aber das ist ja kein geschlossenes System. "Es geht ja weiter", erklärt Marx in seiner Predigt. Es müsse Offenheit sein für neue Wege. Die Kirche sei immer weitergegangen, nicht stehen geblieben. "Die Kirche ist keine Zitadelle, die sich einmauert. Sondern ein pilgerndes Volk, das unterwegs ist, neue Erfahrungen macht."

Marx: Synodaler Weg bedeutet nicht Gründung eines Kirchenparlaments

In seiner Predigt in der Münchner Frauenkirche betont der Kardinal das Prinzip der Einmütigkeit, das den Synodalen Weg prägen werde. Es gebe keine 51 Prozent Entscheidungen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die Bischofskonferenz würden mit dem Synodalen Weg kein Kirchenparlament gründen wollen. Die Erneuerung der Kirche sei auch ein geistlicher Prozess, mit geistlichen Begleitern.

Der Jesuitenpater Bernd Hagenkord zählt sich zu jenen geistlichen Begleitern. "Kirche ist Gottes Kirche. Was für eine Rolle spielt Gott? Dieses Element muss auch noch reinkommen", erklärt Hagenkord zum Auftakt des "Synodalen Wegs" in der Münchner Frauenkirche. Das könne man nicht mit 51 Prozent entscheiden. "Natürlich wird’s demokratische Elemente geben. Die muss es geben und das ist ja auch gut so", sagt Hagenkord. Dazu kämen aber noch andere Elemente. "Dieses Gesamte müssen wir beim Gehen noch erfinden."

Klare Regeln für Abstimmungen

Für Abstimmungen würden klare Regeln gelten, sagt ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann: Beschlüsse könnten nur gefasst werden, wenn eine Zwei-Drittel-Mehrheit dafür sei. Zusätzlich müssten mindestens zwei Drittel der anwesenden Bischöfe mit "Ja" stimmen. Die Tagungen der synodalen Versammlung sollen am letzten Januar Wochenende in Frankfurt beginnen, als Tagungsort sei das evangelische Spenerhaus vorgesehen. "Gäste sind willkommen", sagt ZdK Vizepräsidentin Karin Kortmann.

Kompromisse sollen hinter verschlossenen Türen entschieden werden

"Wir haben gemeinsam entschieden, dass die Synodalversammlungen öffentlich sind, auch medienöffentlich. Wir haben hier nichts zu verbergen", sagt Kortmann. Die Foren würden jedoch nicht öffentlich tagen. Das sei auch wichtig. "Man braucht auch einen geschützten Raum, wo man sich austauschen kann. Beides zu vereinen, das hilft uns weiter", erklärt Kortmann.

In den in vier Foren soll über die bekannten heißen Eisen diskutiert werden: über die Themen Macht, priesterliche Lebensform, Frauen in der Kirche und Sexualmoral. Hinter verschlossenen Türen, so die Hoffnung, fällt es Bewahrern und Reformern leichter, von bereits verlautbarten Positionen abzurücken und sich auf Kompromisse zu verständigen.

© BR

Ab dem heutigen ersten Advent wollen Bischöfe und Kirchenbasis gemeinsam den sogenannten "Synodalen Weg" gehen. Es ist ein Dialog über Reformen, in Gang gekommen durch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche.