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Bildrechte: BR / Achim Winkelmann

Seit 1.700 Jahren leben Juden auf deutschem Gebiet. In Bayern jahrhundertelang vor allem in ländlichen Regionen, in Schwaben, in der Oberpfalz und in Franken. Im unterfränkischen Gleusdorf ist nun eine ehemalige Synagoge als Lernort eröffnet worden.

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Synagoge Gleusdorf als "Lernort" eröffnet

In Gleusdorf im Landkreis Hassberge ist am Sonntag eine ehemalige jüdische Synagoge als Lern- und Erlebnisort wieder eröffnet worden. Mit einer Ausstellung soll das jüdische Leben in der kleinen Gemeinde auf dem Land in Franken dokumentiert werden.

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Von
  • Achim Winkelmann

Der Präsident des Zentralrats der Juden Josef Schuster sagte bei seinem Grußwort zur Eröffnung der Synagoge in Gleusdorf im Landkreis Haßberge, die Gemeinde zeige mit dem Projekt, dass die jüdischen Bewohner über viele Jahre ganz selbstverständlich in dem Ort gelebt hätten. Ludwig Spaenle, der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, betonte, die Ausstellung vermittle das Wissen, wie jüdische Menschen in der Mehrheitsbevölkerung gelebt hätten. "Wissen ist das Mittel gegen Judenhass, insofern ist das hier etwas ganz Besonderes", so Spaenle weiter.

Nachfahre eines Gleusdorfers amerikanischer Minister

Juden hatten in Gleusdorf seit dem 16. Jahrhundert gelebt. Die Gemeinde wuchs auf insgesamt zehn Familien und 52 Mitglieder. Viele wanderten später nach Amerika aus oder gingen in die Städte zurück. So wanderte etwa Lazarus Morgenthau nach Amerika aus. Sein Enkel Henry Morgenthau wurde 1934 amerikanischer Finanzminister und erarbeitete den berühmten Morgenthau-Plan, der die Deindustrialisierung Deutschlands vorsah, dann aber nicht umgesetzt wurde.

Viele Jahre als Scheune genutzt

Der letzte jüdische Mitbürger Josef Baum verließ Gleusdorf 1909 in Richtung Bamberg. Danach wurde die Synagoge verkauft und ein Jahrhundert als Scheune genutzt. Seit 2014 wurde die Synagoge und ihr Nebengebäude mit Hilfe verschiedener Fördermittelquellen saniert. "Sie ist nun eine neue Facette innerhalb des Gedenkjahrs 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", sagte der für die geschichtliche Aufarbeitung verantwortliche Kunsthistoriker Jochen Ramming.

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