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Kein Handyempfang, kein Wasser, keine Unterkunft: Wie kommt man in in der Natur zurecht, wenn man sich verirrt hat? Wir waren mit einem Survival-Trainer im Spessart unterwegs und haben ihn nach den besten Überlebenstipps gefragt.

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Survival-Training: Vier Tipps um in der Wildnis zu überleben

Kein Handyempfang, kein Wasser, keine Unterkunft: Wie kommt man in in der Natur zurecht, wenn man sich verirrt hat? Wir waren mit einem Survival-Trainer im Spessart unterwegs und haben ihn nach den besten Überlebenstipps gefragt.

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Von
  • Lilian Landesvatter

Im Waldaschaffer Forst im Spessart wirkt alles friedlich: Die Sonne blitzt durch die Buchenblätter und die Wanderwege sehen einladend aus. Allerdings ist diese Idylle nicht zu unterschätzen: Der Spessart gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Deutschlands. Verirren kann man sich schnell, weiß Survivaltrainer Jürgen Kuhn aus Aschaffenburg, und dann muss man gut in der Natur zurechtkommen. Der studierte Erlebnispädagoge und Kursleiter unterrichtet an der VHS Aschaffenburg die Kunst des Überlebens. Seine Maxime: Gute Vorbereitung ist alles. Egal ob kleine Wandertour oder mehrtägiger Trip durch die Natur: Wer im Vorfeld ein paar Sachen einpackt, kann in jedem Falle gut überleben.

Tipp 1: Orientierung mit Kompass und Karte

Nicht immer hat man Empfang, auch der Handyakku kann Wandernde im Stich lassen. Ein Kompass ist daher erster Überlebenshelfer – zumindest wenn man ihn richtig auf der Wanderkarte einnordet. Dazu den Kompass gerade an die Karte anlegen. Und sich dann zusammen mit der Karte drehen. Liegt der auf den Kompass aufgemalte Pfeil und Kompassnadel aufeinander, ist die Karte eingenordet. "Dann liegen die Wege so vor mir, wie sie auch auf der Karte zu sehen sind. Ich kann also gar nicht im Kreis laufen“, erklärt der Survivaltrainer.

Die Streckenplanung kann man auch zu Hause schon anfertigen – Marschrichtungen und –strecken notieren zum Beispiel. "So weiß man dann zuhause schon, wann man am besten startet. Und ob die Tour in der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang je nach Jahreszeit so zu schaffen ist, dass ich im Hellen zurück bin.“

Falls der Kompass nicht im Rucksack ist: Einfach einen Bach suchen und flussabwärts laufen, sagt Survivaltrainer Jürgen Kuhn. Wird der größer, mündet er nämlich irgendwann in einen Fluss – und leitet so in die nächste Stadt und zu Menschen.

Tipp 2: Frischwasser finden

In der vorbereiteten Streckenplanung kann man sich auch direkt Quellen im Umfeld markieren. Denn: Frischwasser ist überlebenswichtig, wenn die Tour unerwartet länger dauert. "Durst ist nicht zu unterschätzen. Der Mensch kann zwar drei Tage ohne Wasser auskommen. Aber bei hohen Temperaturen wie im Sommer kann selbst nach einigen Stunden fehlende Flüssigkeit schon zu Defiziten führen“, sagt Kuhn. Gereiztheit sei die Folge, Denken klappe nicht mehr so gut – kein guter Zustand, wenn´s in der Wildnis drauf ankommt.

Fürs Wassersammeln von Quellen oder Bächen gilt laut Jürgen Kuhn:

  1. Umgebung checken: Vorsicht bei Feldern oder Äckern - sind diese in der Nähe, können sie das Wasser mit giftigen Pestiziden belasten.
  2. Wasserqualität prüfen: Wasser meiden bei gelblicher Schaumbildung oder brackigem Geruch. Kleine Erdreste bei sonst klarem Wasser sind ungefährlich.
  3. Wasser richtig entnehmen: Es empfiehlt sich mit einem Becher Wasser in die Flasche umzufüllen. Am besten direkt dort, wo das Wasser aus dem Boden oder Berg tritt.

Hat man Kocher und Topf dabei sollte man das Wasser unbedingt zehn Minuten abkochen. Generell hält der Überlebenstrainer die Wasserqualität im Spessart aber für sehr gut und trinkt regelmäßig auf seinen Touren davon.

Tipp 3: Keine Experimente beim Essen

Hat man ausreichend Wasser gesammelt, stehen einem auch mehr Möglichkeiten bei der Zubereitung von Essen zur Verfügung. Überlebenstrainer Jürgen Kuhn empfiehlt, immer einen kleinen Topf, einen Mini-Kocher und Sicherheitsstreichhölzer, in einer wasserdichten Tüte verpackt, mitzunehmen.

Auf seinem Menü in der Wildnis steht meist: Spaghetti mit Tomatensoße. Außerdem würden sich viele Instantprodukte wie Kaffeepulver und Tütensuppen eignen, um einen zusätzlichen Wärmepuffer für den Körper zu haben. Aber warum eigentlich keine Regenwürmer? "Mit 250 Gramm Spaghetti und 114 Gramm Tomatenmark haben wir nicht viel zu tragen - aber nahrhaftes Essen dabei, was sich gut hält. Und die Regenwürmer können leben.“ sagt Jürgen Kuhn. Außerdem warnt er vor selbst gesammelten Kräutern oder Beeren – schnell seien giftige und ungiftige Arten verwechselt und man gehe durch den Konsum ein höheres Gesundheitsrisiko ein.

Immer dabei hat der Survivaltrainer drei bis vier Honigbonbons. "Damit kann ich den Blutzucker wieder ansteigen lassen. Aber natürlich in einer wasserdichten Tüte. Sonst klebt alles.“

Tipp 4: Unterschlupf für die Nacht

Wie reagiert man aber, wenn man sich verlaufen hat und es dunkel wird? Laut Kuhn gilt erst einmal – realistisch bleiben: "Irgendwann muss man Abschied davon nehmen, dass man beim Hellen nach Hause kommt. Dass man nicht in seinem eigenen Bett schlafen kann. Damit ist erstmal schwer klarzukommen. Aber man sollte sich darauf einstellen, dass man bleibt, wo man ist, statt zu versuchen, einen Weg zu finden.“ Denn: Meist ist man nach einer langen Wanderung ausgelaugt, will nur noch heim. Damit steige aber auch die Risikobereitschaft. "Die Gefahr, sich im Wald zu verletzen, ist bei Dunkelheit wesentlich größer. Man sieht schlecht, es kann nass sein und schnell rutscht man aus. Besser ist es daher am nächsten Morgen - im Sommer, so um vier Uhr - weiterzulaufen.“

In diesem Falle habe man zwei Alternativen. Entweder "reicht schon ein Baum, ohne viel Wurzeln, an den ich mich ran setzen kann. Wenn es kalt wird, laufe ich nachts einfach um diesen Baum herum, damit ich in Bewegung bleibe“, so Kuhn. Oder man baut sich einen Unterschlupf für die Nacht.

Dazu sucht man sich noch im Hellen eine windgeschützte Stelle, zum Beispiel zwischen zwei Baumstümpfen oder Felsvorsprüngen. Außerdem braucht man:

  • Trockenes Laub um den Boden auszupolstern, Steine und Äste entfernen
  • Ein Stück Schnur
  • 4 kleine Steine
  • Rettungsfolie
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Ein Unterschlupf zum Übernachten in der Wildnis

Zuallererst muss man einen Stein in eine Ecke der Rettungsfolie legen. Diesen umwickeln und mit einem kleinen Teil der Schnur abbinden. Das in allen vier Ecken wiederholen. Der längere, übrig gebliebene Teil der Schnur dient dann als Abspannschnur, ähnlich wie bei einem Zelt. Anstatt an einem Hering bindet man die Abspannschnur dann an einen Baumstumpf, um die Rettungsfolie wie eine Plane zu spannen. "Durch diese Konstruktion reißt die empfindliche Rettungsfolie nicht", sagt Jürgen Kuhn. Wem das zu kompliziert sei, könne man sich in Notsituationen auch direkt in die Rettungsdecke einwickeln, um nicht auszukühlen.

Generell, so Jürgen Kuhn, sollte das Ziel natürlich sein, jede Survival-Situation zu vermeiden. "Eine Tour ist erfolgreich aus meiner Sicht, wenn alle wieder heil zu Hause angekommen sind.“ Trotzdem sei es ein schönes Gefühl, "auch längere Zeit in der Natur bleiben zu können und sie genießen zu können. Die Ruhe, die Einsamkeit, die Landschaft. Ohne, dass man in zwei Stunden umdrehen muss.“

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