BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Supermarkt der Zukunft? Der "ÖkoEsel" im Test | BR24

© Bayerischer Rundfunk

In München versucht der Mitgliederladen "ÖkoEsel" eine ganz neue Art von Supermarkt zu etablieren. Anstatt Preisdruck und Profitgier geht es hier um Zusammenhalt und Solidarität. Wir haben den neuen Laden getestet.

12
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Supermarkt der Zukunft? Der "ÖkoEsel" im Test

In München versucht der Mitgliederladen "ÖkoEsel" eine ganz neue Art von Supermarkt zu etablieren. Anstatt Preisdruck und Profitgier geht es hier um Zusammenhalt und Solidarität. Wir haben den neuen Laden getestet.

12
Per Mail sharen
Von
  • Ferdinand Meyen

Die Idee von Hannes Schmidt ist einfach: Im "ÖkoEsel" zahle ich für Lebensmittel den Preis, den die Erzeugerinnen eigentlich verlangen. Denn anders als die großen Ketten wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl will er nicht auf Kosten von Bauern Geld verdienen.

So funktioniert ein Mitgliederladen

Der ÖkoEsel ist ein Mitgliederladen. "Wir finanzieren uns hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge, und unsere Mitglieder bekommen die Einkäufe dann nahezu zum Einkaufspreis", erzählt Hannes Schmidt. Er erklärt mir: Wenn ich dem ÖkoEsel 18,50 Euro im Monat überweise, bekomme ich alle Lebensmittel ein bis zwei Euro billiger als im Super- oder Biomarkt. Karotten bietet er zum Beispiel für zwei statt drei Euro an, Bio-Spargel sogar für elf statt sechzehn Euro. Denn Hannes Schmidt lebt nicht vom Verkauf, sondern von dem Beitrag, den ihm die Mitglieder im Monat überweisen.

Für mich hört sich das erstmal gut an. Denn ich frage mich schon lange, was ich als Verbraucher der Marktmacht der großen Supermärkte entgegensetzen kann. Nehmen wir zum Beispiel das Gemüse im Laden, das in Spanien oder Italien von Geflüchteten für einen Niedriglohn geerntet wird, weil die Supermarkt-Ketten den Preis drücken. Und wenn selbst die Bio-Produkte dann aus diesen Regionen kommen, habe ich im Supermarkt ja gar nicht die Chance, faire Produkte zu kaufen. Klar – auch im ÖkoEsel ist nicht alles immer regional. Aber trotzdem achtet Hannes Schmidt viel mehr auf Fairness – und ich kann Produkte für den Preis kaufen, den die Bauern verlangen.

Nicht nur regionale Produkte

Die Suche nach regionalen Produkten sei ohnehin ein "Drahtseilakt", meint der Gründer. "Wir versuchen ja auch, so mit der Sache umzugehen, dass die Leute nicht doch woanders hingehen müssen, weil sie gewisse Produkte haben wollen."

Und die Zulieferer? Schließlich muss auch Hannes Schmidt irgendwo einkaufen. Nimmt er Gemüse und Eier zum selben Preis wie die anderen Bioläden und beteiligt sich damit am Markt-Prinzip? Größtenteils lässt sich der ÖkoEsel von Biomärkten aus der Umgebung beliefern, die er selber aussucht. Besonders stolz ist er aber zum Beispiel auf regionale Bionudeln aus Moosinning. Die kommen von Bio-Bauer Amadé Billesberger.

Seit mehr als zwei Jahren beliefert der Landwirt den ÖkoEsel mit Nudeln und Brot. Der Billesberger-Hof: grüne Wiesen, weitläufiges Gelände, genügend Platz für Schafe, Ziegen, Hühner und Enten. Amadé Billesberger hat sich auf Biodiversität spezialisiert. Und den ÖkoEsel beliefert er, weil ihn die Idee überzeugt.

Die Nachteile des Konzepts

Allerdings merkt der Landwirt auch an, dass Mitgliederläden - realistisch gesehen, wohl eher nicht die alleinige Lösung sein können. Das Problem sei, dass viele Leute zu kurzfristig denken. "Die wollen sich nicht an einen Laden binden", und für die große Masse seien auch keine Mitgliederläden in der Nähe. Auch für den ÖkoEsel hat der Landwirt noch einen Verbesserungsvorschlag: "Ich fände es super, wenn sie mal eine Unverpackt-Ecke anfangen."

Bauern gegen Billigpreise - Was ist uns die Landwirtschaft wert? Darüber diskutierte auch die Münchner Runde u.a. mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann.

Bei meinem Besuch im ÖkoEsel sind zumindest Reis und Haferflocken bereits unverpackt. Und auch sonst: Für eine vegetarische Ernährung finde ich eigentlich alles, was ich brauche. Obwohl die Bio-Produkte billiger sind als im Supermarkt, kostet mich ein Einkauf beim ÖkoEsel aber trotzdem mehr als einer beim Discounter. Und wenn ich nicht in München wohnen würde, könnte ich auch nicht zum Mitgliederladen gehen. Viele andere gibt es, außer dem MiLaMü in Mühldorf, in Bayern nämlich nicht. ÖkoEsel-Gründer Hannes Schmidt plant vorerst auch keine weiteren Filialen.

Für ihn ist der ÖkoEsel lediglich ein Versuch, alternatives Wirtschaften im bestehenden System umzusetzen. Preisdruck, Marktmacht, Billigfleisch? "Letztlich müssen wir von diesem kapitalistischen System wegkommen", schlussfolgert Hannes Schmidt. Klar, wer vom kapitalistischen System wegkommen will, kann auch keinen Großkonzern aus seinem Mitgliederladen machen. Und wahrscheinlich ist genau das der Charme des ÖkoEsels.

© BR

In München gibt es den ersten "Mitgliederladen" Bayerns, der versucht eine ganz neue Art von Supermarkt zu etablieren: Statt Preis-Druck und Profitgier setzt man hier auf Solidarität, Regionalität und Bio. Ein Einkauf beim ÖkoEsel ...

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!