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Der bevorzugte Trassenverlauf für den SüdOstLink
© TenneT
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Der bevorzugte Trassenverlauf für den SüdOstLink

Der Netzbetreiber Tennet hat heute die ergänzenden und vertieften Planungen zur Stromtrasse SüdOstLink für den Abschnitt zwischen Pfreimd bei Schwandorf bis nach Landshut vorgestellt. Demnach bevorzugt Tennet für die Querung der Donau offenbar einen Korridor, der an Altenthann, Brennberg und Frauenzell vorbeiführen soll und die Donau westlich von Wiesent kreuzt. Diesen Vorschlag wird der Netzbetreiber - laut einer Mitteilung - am 29. März zur Genehmigung an die Bundesnetzagentur einreichen. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 wird die Bundesnetzagentur den Verlauf des Korridors festlegen.

"Unsensible Planungspolitik" für den Verlauf der Stromtrasse

Schon jetzt regt sich Widerstand gegen den geplanten Trassenverlauf. Mit der Festlegung auf die "Vorwaldtrasse" als bevorzugten Verlauf des SüdOstLinks setze Tennet seine höchst unsensible Planungspolitik in der Region fort, so der Landtagsabgeordnete Tobias Gotthard (Freie Wähler).

"Es ist ein brachiales, planungstechnisches Desaster. Käme die Gleichstromtrasse so, wäre die Wunde in dieser ökologisch wie touristisch einmaligen Region verheerend. Der SüdOstLink würde das Himmeltal regelrecht überwalzen, jungen Landwirten wie am Forsthof jede Zukunftsperspektive rauben, große Waldflächen entlang der Kreisstraße R42 fressen und dem historischen Waldareal des Thiergartens einen Streifschuss verpassen, das Kulturareal des Nepaltempels schneiden, Wasserschutzgebiete in Brennberg und Wiesent durchqueren, mitten durch das – leider noch immer reservierte – Poldergebiet bei Geisling laufen und das Naturschutzgebiet bei Pfatter umwühlen." Tobias Gotthardt, Landtagsabgeordneter

Auch der Bund Naturschutz in Bayern sieht das Vorhaben von Tennet kritisch. Die Vorzugstrasse "zerschneidet Bayern in Oberfranken, in der Oberpfalz und in Niederbayern" und würde breite Schneisen in die Landschaft schlagen. Des Weiteren sei die gesellschaftliche Notwendigkeit bis heute nicht nachgewiesen.

Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) protestiert ebenfalls gegen die Trassen-Planung. Statt Leitungen, die quer durch Deutschland gehen und Bayern abhängig machten, sieht sie die Lösung in einer dezentralen Stromerzeugung. "Wir müssen bei der Speicher-Technologie weiterkommen, um eine saubere Energieerzeugung- und versorgung bei uns in Bayern und somit auch im Landkreis Regensburg und überall vor Ort zu haben", sagte Schweiger dem BR.

Tennet verteidigt in Regensburg Trassenpläne

Die Notwendigkeit für die Trasse sei vom Bund in einem Gesetz festgeschrieben worden, sagte Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht am Rande einer Informationsveranstaltung für Kommunalpolitiker in Regensburg. Die Trasse habe eine Lebensdauer von 50 Jahren und sei durch den Atomausstieg dringlich. Außerdem mache der geplante Kohleausstieg die Trasse noch notwendiger. Der Trassenverlauf bei Wiesent sei sinnvoll, weil die Donau hier weniger breit sei, so Lieberknecht.

Für den vielseitig kritisierten Abschnitt im Himmelthal könne Tennet auf die schützenswerte Landschaft eingehen. Der oft geforderte Verlauf entlang der A93 sei vielerorts nicht möglich, da die Autobahn teils an Wohngebieten liege. Außerdem seien Aus- und Auffahrten sowie Brücken und Tunnel zu große Hindernisse für die Leitung. Wo es möglich sei, habe man die Autobahn aber in den Trassenplan miteinbezogen. Bürger könnten sich mit ihren Einwänden aber direkt an Tennet wenden, sagte Lieberknecht.

Übersichtskarten zum Vorschlag von Tennet im Netz

Um Bürgern und Gemeinden vorab die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, veröffentlicht Tennet die Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor im Netz. Ab dem 1. April will Tennet in mehreren Gemeinden über den Planungsstand und die nächsten Schritte im Genehmigungsverfahren informieren. Zum Beispiel am 2. April in der Oberpfalzhalle in Schwandorf und am 8. April in Essenbach (Lkr. Landshut) in der Eskara-Halle - jeweils zwischen 15 und 19 Uhr.

Der SuedOstLink soll ab 2025 als Gleichstrom-Erdkabelverbindung die windreichen Regionen Nord- und Ostdeutschlands mit Bayern verbinden, teilt Tennet mit. Die Leitung beginnt in Wolmirstedt bei Magdeburg, Endpunkt ist das jetzige Atomkraftwerk Isar bei Landshut. Tennet ist für die Planungen verantwortlich. Aktuell befindet sich SuedOstLink in der Bundesfachplanung. Am Ende dieses Verfahrens legt die genehmigende Bundesnetzagentur einen 1.000 Meter breiten Korridor fest. Erst in dem anschließenden Planfeststellungsverfahren entscheidet die Bundesnetzagentur über den konkreten Erdkabel-Verlauf für die Verbindung.

Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) ist für dezentrale Lösungen bei der Stromerzeugung

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Planungen für den SüdOstLink stoßen nie auf Begeisterung. Das ist auch in Brennberg nicht anders, zum Beispiel beim Landwirte-Ehepaar Fichtl.

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