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Südostlink: In Bayern kommen italienische Kabel zum Einsatz | BR24

© Tennet

Zwei Jahre dauerte die Ausschreibung für den Südostlink, jetzt steht fest: Die Erdkabel für Bayern kommen von einem italienischen Unternehmen.

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    Südostlink: In Bayern kommen italienische Kabel zum Einsatz

    Übertragungsnetzbetreiber Tennet zufolge ist ein weiterer großer Schritt zur Realisierung des umstrittenen Südostlink gemacht. Zwei Jahre nach Beginn der Ausschreibung steht fest, wer die Kabel für die Gleichstromtrasse herstellen und verlegen wird.

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    Von
    • Thorsten Gütling

    Der Bau der umstrittenen Gleichstromtrasse Südostlink ist einen weiteren Schritt voran gekommen. Wie der Bayreuther Netzbetreiber Tennet mitteilt, stehe nun fest, welche Kabel bei dem Projekt zur Anwendung kommen. Umstritten ist das Projekt, weil vielerorts die Notwendigkeit der Leitung für die Energiewende bezweifelt wird. Kritiker befürchten eine europäische Stromautobahn für Atom- und Kohlestrom. Andere rechnen mit hohen Umweltschäden durch den Bau der Trasse.

    Marktführer aus Italien gewinnt Ausschreibung

    500 Kilometer lang ist die Strecke, die mit Erdkabeln überwunden werden muss. Sie führt von Wolmirstedt bei Magdeburg über das Fichtelgebirge bis nach Landshut. Weil zwei Stränge parallel verlegt werden, werden dafür 1.000 Kilometer Kabel benötigt. Den Auftrag, diese herzustellen und zu verlegen, haben zwei Unternehmen bekommen: ein Anbieter aus Köln und einer aus Mailand. Die Kabel des italienischen Herstellers Prysmian Powerlink sollen auf dem bayerischen Abschnitt der Strecke verwendet werden. Die Firma gilt als größter Kabelhersteller der Welt. Der bald 130 Jahre alte Mitbewerber NKT aus Köln hat eigenen Angaben zufolge "die entscheidenden Verbindungen für die Energieversorgung der Welt geschaffen".

    © BR

    Der geplante Verlauf der Gleichstromtrasse Südostlink durch Oberfranken und die Oberpfalz.

    Tennet: Weltweit einzigartige Kabel beim Südostlink

    Die Kabel werden mittels Kunststoff isoliert und sollen eine Spannung von 525 Kilovolt übertragen können. Laut Tennet kommen sie weltweit zum ersten Mal zum Einsatz. Im Vergleich zu den bislang üblichen 320-Kilovolt-Kabeln, werde so weniger Material benötigt, die Trasse könne schmaler und die Tiefbauarbeiten günstiger werden.

    Erdkabel sollen ab 2022 verlegt werden

    Die Ausschreibung lief seit 2018. Die Herstellung der Kabel könne jetzt beginnen, verlegt werden sollen sie im Jahr 2022, so Tennet. Die Verbindung soll eine Übertragungskapazität von zwei Gigawatt haben. Das ist etwa das eineinhalbfache der Nennleistung eines mittelgroßen deutschen Atomkraftwerks. Während die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und 50Hertz, das für den nördlichen Teil der Leitung zuständig ist, von einem guten Zeichen für die Energiewende in Deutschland sprechen, sind vor dem Bundesverwaltungsgericht zahlreiche Klagen gegen das Projekt anhängig.

    "Mit der Auftragsvergabe für die Gleichstromerdkabel sind wir ein gutes Stück bei der Realisierung dieser wichtigen Stromverbindung für die Energiewende vorangekommen." Tim Meyerjürgens, Geschäftsführer von TenneT

    Unter anderem haben Stadt und Landkreis Wunsiedel, der Landkreis Tirschenreuth und die Gemeinde Leonberg (Lkr. Tirschenreuth) vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt, außerdem der Bund Naturschutz in Bayern und der Landesverband Bayern der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine.

    "Die Gleichstrom-Verbindung ist entscheidend für die weitere Verbesserung der Versorgungssicherheit, den Ausbau der erneuerbaren Energien und das Erreichen der Klimaschutzziele 2030 und 2050." Tennet

    Aarhus Komitee verhandelt Netzentwicklungsplan

    Die Kreisrätin der Grünen in Wunsiedel, Brigitte Artmann, lässt das Projekt vor dem Aarhus Komitee in Genf, einer Einrichtung der Vereinten Nationen, verhandeln. Die klagenden Kommunen glauben, dass über den Südostlink künftig Energie aus Atom- und Kohlekraftwerken statt umweltfreundlicher Strom aus dem windreichen Norden in den hochindustrialisierten Süden transportiert wird. Artmann hingegen sieht durch das Vorgehen der Bundesnetzagentur die Rechte der Bürger auf Mitbestimmung verletzt.

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