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Starkstrommasten in der Nähe von Grafenrheinfeld in Unterfranken

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    SuedLink-Gegner: Neue Trassen "unwirtschaftlich und unnötig"

    Mit einem neuen Gutachten machen unterfränkische Gegner der Stromtrassen SuedLink und P43 gegen die geplanten Großprojekte mobil. Denn die nun vorgestellte Untersuchung besagt: Beide Trassen seien nicht für die Versorgungssicherheit erforderlich.

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    Von
    • Ralph Wege

    Für unnötig und nicht wirtschaftlich halten Gegner die geplante Stromtrasse SuedLink und die Überland-Stromleitung P43. Argumente liefert dem "Aktionsbündnis Trassengegner" ein neues Gutachten, das jetzt in einer Videokonferenz vorgestellt wurde. Rund 250 Teilnehmende haben die virtuelle Präsentation verfolgt. Das Gutachten kommt zu dem Schluss: Die Kosten für den SuedLink und die Stromleitung P43 würden den Nutzen übersteigen. Beide Trassen seien nicht erforderlich, um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

    Laut Gutachten übersteigen die Kosten den Nutzen

    Wie Dörte Hamann als Sprecherin des Aktionsbündnisses bei der Präsentation betonte, sei der geplante Stromnetzausbau generell "überdimensioniert und viel zu teuer". Dies gelte auch für die Projekte SuedLink und P43.

    Der SuedLink beginnt in Norddeutschland. Ein Teil endet in Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt, ein zweiter in Baden-Württemberg. Insgesamt soll die Trasse rund 670 Kilometer lang werden. Laut Dörte Hamann könne man in Bergrheinfeld die Leitungs-Infrastruktur des benachbarten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld weiterhin nutzen. Dieses ging 2015 vom Netz.

    Bundesnetzagentur will "Stromerzeugungslücke" schließen

    Auch die geplante Überland-Stromleitung P43 ist den unterfränkischen Trassengegnern ein Dorn im Auge. Die geplante Fulda–Main-Leitung soll auf einer Länge von rund 130 Kilometern die Umspannwerke Mecklar und Dipperz in Hessen mit dem Umspannwerk Bergrheinfeld/West in Unterfranken verbinden. Die Bundesnetzagentur beharrt darauf, dass die geplanten Leitungen notwendig seien, weil in den nächsten Jahren mehrere Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz gehen.

    Dadurch komme es in Süddeutschland zu einer "Stromerzeugungslücke", wie es heißt. Windstrom aus dem Norden solle diese schließen. Das "Aktionsbündnis Trassengegner" favorisiert einen anderen Weg und will den Strom möglichst "verbrauchsnah" in Bayern produzieren, etwa durch Photovoltaik und Windkraft.

    "Wichtiges Instrument" im Kampf gegen SuedLink und P43

    Einer der Autoren des neuen Gutachtens ist Lorenz Jarass, emeritierter Professor der Hochschule Rhein-Main Wiesbaden. Nach Ansicht des Energie-Experten könne SuedLink "nicht verhindern, dass es in Bayern dunkel wird, wenn oben im Norden kein Wind weht". Deshalb müssten in Bayern statt neuer Leitungen Reservekraftwerke gebaut werden, die nicht von Sonne und Wind abhängig sind - "beispielsweise kleine, dezentrale Blockheizkraftwerke, die mit Holz oder erneuerbarem Gas den Strom erzeugen".

    Mit dem nun vorgestellten Gutachten sehen sich die Trassengegner gut gerüstet, um die geplanten Projekte "auf wissenschaftlicher Grundlage zu hinterfragen", so Dörte Hamann vom "Aktionsbündnis Trassengegner". Damit habe man "ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den überdimensionierten Netzausbau in der Hand".

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