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Stromnetzausbau
© dpa / Julian Stratenschulte

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Carol Lupu
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Stromnetzausbau

70 Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sind am Abend in Würzburg zusammen gekommen: Viele von ihnen, durch deren Gemeinden die "Suedlink"-Trasse führen soll, sind wenig begeistert von den Plänen. Den Boden in solch einer Länge und Breite aufzureißen, Kabel darin zu verlegen, die Wärme ausstrahlen: Das ist neu und weckt Befürchtungen. Insbesondere Landwirte möchten solche Kabel nicht unter ihren Äckern haben. "Erfahrungsgemäß bringt jedes Umkrempeln von Boden Ertragseinbußen", erklärt Matthias Liebst, Bürgermeister von Oberstreu und selbst Landwirt.

Ambitioniertes Projekt als Beitrag zur Energiewende 2050

Bis 2050 sollen in Deutschland 80 Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen - Windkraft unter anderem. Damit der vor allem in Norddeutschland erzeugte Windstrom auch die Verbraucher im Süden der Republik erreicht, sind in den nächsten Jahren Investitionen in Milliardenhöhe nötig – in die "Suedlink"-Trasse zum Beispiel. Mit Kosten in Höhe von zehn Milliarden Euro rechnen die beiden Netzbetreiber Tennet und TransnetBW für die 700 Kilometer lange Trasse.

"Es ist so, dass wir auf den gesamten 700 Kilometern von Suedlink keinen konfliktfreien Bereich haben. Es gibt überall Naturschutzbereiche, Siedlungsgebiete, Gewerbegebiete - oder auch Kommunen, die sich erweitern wollen und planerisch mit Suedlink einen Konflikt sehen, den wir auflösen müssen." Saskia Albrecht, Projektteam Suedlink

135 Kilometer davon sollen nach dem finalen Planungsstand nun durch Bayern verlaufen. Die Hochspannungstrasse soll Windstrom von der Elbmündung bis nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren und nach dem Willen der Politik 2025 fertig sein. An manchen Gemeinden ging der berühmte Kelch in Sachen Trassenbau auch vorbei. "Es scheint die Variante zu werden, die nicht durch Nordheim durchgeht. Da sind wir schon ein bisschen froh", sagt Conny Schmuck, erster Beamter der Verwaltungsgemeinschaft Fladungen/Nordheim in der Rhön.

Beliebt scheint die Trasse bei den meisten Bürgermeistern nicht zu sein. Immer mehr von ihnen werfen die Frage auf, ob denn die neuesten Forschungen und Speichermöglichkeiten solch ein Mammut-Projekt nicht überflüssig machen. Besonders groß ist die Kritik aus Bergrheinfeld. In der Nachbargemeinde des abgeschalteten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld sollen Konverterhallen gebaut werden, die den transportierten Gleichstrom in Wechselstrom verwandeln.

"Wenn da schon 170 Strommasten sind und jetzt noch weitere Masten gebaut werden sollen, dann wird das Landschaftsbild nachhaltig gestört und unattraktiver gemacht." Ulrich Werner, Bürgermeister Bergrheinfeld

135 Kilometer "Suedlink"-Kabel durch Bayern

So sieht die aktuelle Stromtrassenplanung aus: Von Thüringen aus kommend würde das Kabel an der Landesgrenze des Freistaats östlich von Münnerstadt im Landkreis Bad Kissingen in Unterfranken ankommen. Von dort ginge es weiter – östlich vorbei an Bad Kissingen, westlich von Schweinfurt bis zum Netzverknüpfungspunkt Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt in Unterfranken.

Infografik zu Suedlink

Infografik zu Suedlink

Von dort aus soll „SuedLink“ nach Vorstellungen der beiden Netzbetreiber weiterlaufen – bis zum zweiten Netzverteilungspunkt Großgartach, westlich von Heilbronn in Baden-Württemberg. Tennet und TransnetBW favorisieren nach dem heute von ihnen bevorzugten Vorschlag dabei einen weiteren Verlauf der Trasse auf bayerischem Gebiet westlich vorbei an Würzburg bis zur baden-württembergischen Landesgrenze.