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Allgäu: Baum prallt mit Wucht auf Hausdach
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Allgäu: Baum prallt mit Wucht auf Hausdach

Abgedeckte Dächer, umgeknickte Strommasten, entwurzelte Bäume: Sturmtief Eberhard hat Bayern ordentlich durchgepustet. Nach derzeitigem Stand wurde im Freistaat niemand ernsthaft verletzt. Anders in Nordrhein-Westfalen. Dort starb ein Autofahrer im Hochsauerlandkreis, als während der Fahrt ein Baum auf die Fahrbahn krachte. Pendler müssen am Morgen noch mit teilweise unangenehmen Folgen rechnen.

Mit dem Schrecken davon kamen zwei Passanten mitten in Augsburg. Sie konnten am Königsplatz laut Polizei gerade noch einem umstürzenden Baum ausweichen, weil dieser durch die Oberleitung der Straßenbahn gebremst wurde.

Zugausfälle und Einschränkungen bei der Bahn

Im Bayerischen Wald ließ die Länderbahn ihre Züge aufgrund der Stürme langsamer fahren.

Auch die Münchner S-Bahn war von umgestürzten Bäume betroffen. So waren die Bahngleise zwischen Aying und Kreuzstraße noch am späten Abend gesperrt. Gesperrt war auch die Strecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen. Zwischenzeitlich war auch die Verbindung Markt Schwaben - Erding blockiert. Laut MVV gibt es derzeit keine Behinderungen mehr.

Zwischen Aschaffenburg und Würzburg und zwischen Hanau und Kahl musste die Deutsche Bahn die Strecken zwischenzeitlich wegen des Sturms sperren.

Herumliegende Gegenstände auf den Autobahnen

Auf mehreren Autobahnen in Bayern wurde vor herumliegenden Verkehrsschildern, Bäumen und Ästen gewarnt: etwa auf der A3 Würzburg Richtung Frankfurt zwischen Marktheidenfeld und Rohrbrunn, auf der A3 Nürnberg Richtung Passau zwischen Rosenhof und Wörth a. d. Donau/Wiesent, auf der A8 Salzburg Richtung München zwischen Bernau und Achenmühle und auf der A73 Bamberg Richtung Nürnberg zwischen Erlangen-Bruck und Erlangen-Eltersdorf. In München sind wegen des Sturms zudem mehrere Ampeln ausgefallen.

In der Oberpfalz kam es zu vier sturmbedingten Verkehrsunfällen mit Verletzten, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums mitteilte.

Unfälle auf der A7: Solarpanel auf der Fahrbahn

Mehrere Unfälle ereigneten sich am Abend auf der A7 bei Marktbreit (Landkreis Kitzingen). So wurde zuerst ein Auto mit einem mit Kanus beladenen Bootsanhänger durch eine Sturmböe umgeblasen, so dass die Autobahn kurzzeitig gesperrt werden musste. Am Abend wurde dann noch ein Solarpanel aus einem angrenzenden Solarpark auf die Fahrbahn geweht. Weil das Panel noch unter Strom stand, mussten Experten anrücken, um es von der Straße zu bergen.

Auch weitere Straßen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt – Wenschdorf im Landkreis Miltenberg war über mehrere Stunden abgeschnitten.

Über 900 sturmbedingte Polizeieinsätze

Im Landkreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim flog ein Anhänger durch eine Windböe in den Gegenverkehr. Ein Pkw-Fahrer konnte nicht mehr ausweichen. Sein Auto wurde in den Graben geschleudert, der Fahrer blieb unverletzt.

In ganz Bayern kam es am Sonntag zu rund 900 sturmbedingten Einsätzen, wie die Polizeipräsidien am Abend mitteilten.

Sturm-Bilanz in Niederbayern

Sturmtief Eberhard hat im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Niederbayern in der Nacht für viele Einsätze gesorgt. Bis 01.00 Uhr wurden in der Einsatzzentrale Straubing 197 Einsätze mit dem Schlagwort „Unwetter“ bearbeitet. Die meisten davon waren Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume und Äste auf den Straßen. In zwölf Fällen konnten die Autofahrer nicht rechtzeitig ausweichen, es kam zu Unfällen. Ein Feuerwehrmann, der wegen eines Sturmeinsatzes alarmiert wurde, prallte mit seinem Privat-Pkw bei Untergriesbach (Lkr. Passau) gegen einen Baum der auf der Straße lag. Der Mann wurde leicht verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Etliche Gemeinde-, Kreis-und Staatsstraßen mussten kurzzeitig gesperrt werden. In einzelnen Gemeinden und Ortsteilen kam es zu Stromausfällen, da Bäume auf Stromleitungen fielen und diese abrissen. Die Polizei musste auch zu vielen Firmen ausrücken, weil dort durch den Strom die Alarmanlagen ausgelöst wurden. Nach 01.00 Uhr wurden die Sturmmeldungen laut Polizei dann erheblich weniger.

Stromausfall im Landkreis Hof

Rund eine Stunde ohne Strom auskommen mussten zahlreiche Haushalte im Landkreis Hof. Hier war ein Baum auf ein Stromverteiler-Haus gekracht. Die Feuerwehr muss immer wieder Dächer absichern oder abdichten.

In Hafenlohr im Landkreis Main-Spessart riss eine 20-kV-Stromleitung auseinander und fiel in den Garten eines Privathauses. Das Haus musste daraufhin kurzzeitig geräumt werden, um das Hochspannungskabel zu sichern.

In Franken hatte der Wind zu einer Absage des Spiels der Fußball-Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth und Dynamo Dresden geführt - die Sicherheitsbedenken waren zu groß.

DWD hat inzwischen Unwetterwarnungen aufgehoben

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob seine Unwetterwarnungen in der Nacht zum Montag auf. Die Experten warnten lediglich noch vor orkanartigen Böen, insbesondere in Hochlagen. "Es ist noch ein bisschen windig, aber weitgehend vorbei", sagte ein DWD-Sprecher am frühen Morgen.

Auch in anderen Teilen Deutschlands wütete "Eberhard" - ein Toter

Im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen ist ein Mann durch den Sturm ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilt, ist ein entwurzelter Baum während der Fahrt auf das Auto des 47-Jährigen gestürzt, für den jede Hilfe zu spät gekommen sei.

Nach den heftigen Sturmböen am Sonntag wird sich die Lage im Bahnverkehr am Montagmorgen wohl erst allmählich normalisieren. Es werde "immer noch starke Einschränkungen" sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr geben, sagte eine Bahnsprecherin am frühen Montagmorgen. Im Laufe des Tages solle aber der Fernverkehr in und aus dem Ruhrgebiet wieder rollen und auch der Regional- und S-Bahn-Verkehr in NRW wieder seinen Betrieb aufnehmen. Die Schnellfahrstrecke zwischen Köln und München sei wieder frei und könne eingeschränkt wieder befahren werden, hieß es weiter.

Weil etliche Bäume auf die Gleise geweht waren und für einen Stromausfall im wichtigen Stellwerk Essen gesorgt hatten, war der Zugverkehr in NRW am Sonntagnachmittag komplett gestoppt worden. Zahlreiche Reisende strandeten an den Bahnhöfen. In Städten wie Dortmund, Duisburg, Köln oder auch in Berlin hatte die Bahn Aufenthaltszüge bereitgestellt, in denen gestrandete Fahrgäste auch die Nacht verbringen konnten.

Auch in Bochum fielen Bäume um. In Duisburg wurde ein tonnenschwerer Verladekran umgeweht und landete zur Hälfte im Rhein. Das Führerhaus sei glücklicherweise unbesetzt gewesen. Die Zoos in Dortmund und Wuppertal sowie der Tierpark Hamm wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. Auch den Westfalenpark in Dortmund und der Grugapark in Essen mussten die Besucher am Sonntag verlassen.

Die neue Woche bringt Schnee

In der neuen Woche lässt der Wind etwas nach, dafür fallen die Temperaturen und es ist mit Glätte und Neuschnee zu rechnen. Im Norden Bayerns fällt die Schneefallgrenze auf 600 Meter, im Süden könnte es bis in Lagen auf 800 Metern Höhe weiße Flocken geben. Im Lauf des Tages sollen selbst in niederen Lagen bis zu drei Zentimeter Schnee fallen, im südlichen Alpenvorland ist mehr als die doppelte Menge möglich. Im Allgäuer Hochgebirge rechnen die Wetterexperten mit bis 20 Zentimeter Neuschnee sowie mit Verwehungen.