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Stühlerücken im Landtag
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Autoren

Irene Esmann
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Stühlerücken im Landtag

Es wurde bis zuletzt gewerkelt im Landtag: stapelweise Stühle von A nach B gefahren, Fenster geputzt - selbst die beiden riesigen Kristallleuchter im Steinernen Saal direkt vor dem Plenarsaal wurden herabgelassen und vom Staub befreit. Es soll alles blitzen im Maximilianeum, wenn der neue Landtag am Montag seine Arbeit aufnimmt.

Landtag mit sechs Parteien

"Jeder ist hier unglaublich engagiert und zieht mit - und nur so kann das Ganze gelingen," sagt Landtagsdirektor Peter Worm. Und er weiß, wovon er spricht - schließlich ist er bereits zum dritten Mal nach einer Landtagswahl dafür verantwortlich, dass am Ende jeder Abgeordnete ein Büro, jede Fraktion einen Raum hat. Und: Dass auch im Plenarsaal jeder eine Sitzgelegenheit findet.

Die Herausforderung ist in diesem Jahr ähnlich wie vor zehn Jahren, als mit FDP und Freien Wählern zwei neue Fraktionen in den Landtag kamen. Jetzt ist nach kurzer Pause die FDP und ganz neu die AfD mit dabei - und wegen der vielen Überhang- und Ausgleichsmandate müssen 25 Mandatsträger mehr als zuletzt untergebracht werden, plus Mitarbeiter.

"Wir können dann natürlich nur die Räume verteilen, die wir haben – das heißt, auch die Fraktionen, die gewonnen haben, werden möglicherweise nicht den Zugewinn haben, den sie erwarten und natürlich müssen dann auch diejenigen, die Verluste gemacht haben, Räume frei machen." Peter Worm, Landtagsdirektor

SPD könnte Fraktionssaal an Grüne verlieren

Das könnte auch bedeuten: Die SPD, die nun nur noch mit 22 statt 42 Abgeordneten im Maximilianeum vertreten ist, wird ihren angestammten Fraktionssaal womöglich an die Grünen abgeben müssen. Beschlossen ist das aber noch nicht. Was sicher ist: Wie schon in den Jahren zuvor werden nun noch mehr Abgeordnete ihre Büros nicht im Landtag haben, sondern in Gebäuden in der näheren Umgebung des Landtags, die entweder dem Freistaat gehören, oder die schon seit Längerem angemietet waren.

Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP, ist quasi Landtagsneuling. Sein erster Eindruck:

"Für uns ist noch nichts geregelt, wir wissen noch nicht, in welche Büros wir einziehen werden. Wir tagen momentan in einem provisorischen Sitzungsraum, aber wir haben uns schon konstituiert, haben schon angefangen Mitarbeiter einzustellen und sind jetzt ein Start-Up im Aufbau sozusagen." Martin Hagen, Fraktionsvorsitzender der FDP

FDP sitzt neben AfD

Ein Start-Up, das momentan zumindest auch im Plenarsaal erst einmal nehmen musste, was es bekommen konnte: den ungeliebten Platz neben der AfD. Hagen gibt zu: "Die FDP wäre gerne in der Mitte gesessen, dort wo die FDP politisch steht und früher auch im Landtag schon ihren Platz hatte. Jetzt hat die CSU wohl entschieden, dass sie uns gerne als Puffer zwischen sich und der AfD hätte."

Immerhin: Ein Gang liegt dann auch noch zwischen den Liberalen und der AfD. Landtagsdirektor Peter Worm: "Die AfD sitzt rechts, dann kommt ein Durchgang, dann kommt der Block FDP, CSU, Freie Wähler, dann kommt wieder ein Durchgang, dann kommen SPD und Grüne. Natürlich hätte man es auch anders machen können. Aber jetzt ist es erst einmal so festgelegt worden, und das geht relativ schnell, weil wir die Stühle nur umstecken müssen und so der Plenarsaal recht schnell umgebaut ist."

Noch nicht klar, wer auf der Regierungsbank sitzt

Theoretisch könnten die neu gewählten Gremien dann auch noch einmal eine neue Sitzordnung beschließen. Für die erste Sitzung werden einige Abgeordnete übrigens noch keinen richtigen Sitzplatz haben, sondern erst einmal auf provisorisch am Rand aufgestellten Stühlen Platz nehmen müssen. Doch spätestens wenn klar ist, welche Abgeordnete auf die Regierungsbank wechseln, werden dann ja auch wieder ein paar fest installierte Plätze im Plenum frei.