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Studieren in Corona-Zeiten: Zurück ins "Hotel Mama"? | BR24

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Nicht nur viele Schulen in Bayern haben im Lockdown auf Distanz-Unterricht umgestellt, sondern auch die Hochschulen. Wieso dann überhaupt noch in die Uni-Städte ziehen?

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Studieren in Corona-Zeiten: Zurück ins "Hotel Mama"?

Nicht nur viele Schulen in Bayern haben im Lockdown auf Distanz-Unterricht umgestellt, sondern auch die Hochschulen. Wieso dann überhaupt noch in die Uni-Städte ziehen? Katharina ist Studentin an der OTH Regensburg und wohnt bei ihren Eltern.

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Von
  • Michael Wagner
  • BR24 Redaktion

Ein Vormittag bei Familie Brandl in Velburg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz: In der Küche rührt eine Küchenmaschine gemächlich vor sich hin, gleich gibt es Mittagessen - vegane Fischstäbchen mit Kartoffelbrei. Mama Gabi und Tochter Katharina helfen zusammen, sind ein eingespieltes Team.

Wenn die Mama wieder kocht

"Es ist schon ein bisschen komisch", gesteht die 23-jährige Studentin, "wenn man halt nicht mehr so auf eigenen Beinen steht, sondern die Mama wieder kocht und sowas. Ist schon anders einfach." Katharina Brandl ist 21, als sie von daheim auszieht, um in Nürnberg zu studieren. Das war vor zweieinhalb Jahren. Das Studium - Wirtschaftswissenschaften - bricht die gelernte Drogistin nach zwei Semestern ab, zieht wieder bei den Eltern ein. Zur Überbrückung.

Neues Fach, neue Uni, aber keine neue Wohnung

Im Oktober 2020 dann der Neustart für Katharina. Sie studiert nun Erneuerbare Energien an der OTH Regensburg. Neues Fach, neue Stadt? Fehlanzeige in Corona-Zeiten. Zwar habe sie kurzzeitig mal nach einer Wohnung in Regensburg gesucht. "Aber es macht aktuell keinen Sinn. Weil, es sind halt Kosten, die es momentan nicht braucht", so die junge Studentin.

Hotel Mama statt Studibude

Also bleibt Hotel Mama auch weiterhin ihr Zuhause. Papa Franz und Mama Gabi haben Verständnis für die Entscheidung ihrer Tochter. "Wäre ein Unfug, wenn sie da jetzt nach Regensburg zieht, wo man eigentlich vor Ort nicht studieren kann", findet Franz Brandl.

Anwesenheitspflicht vor der Webcam

An vielen Bayerischen Universitäten und Hochschulen wurde, wo es ging, auf Online-Veranstaltungen umgesattelt. So auch an der OTH und Uni Regensburg. Anwesend sein, das müssen die Studierenden bloß noch vor der Webcam.

Corona - hart für Studierende in der Stadt

So wie Katharina geht es vielen Studierenden in Zeiten der Pandemie, sagt Tobias Just, Lehrstuhlinhaber am Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg. Die ausgefallenen Präsenzveranstaltungen seien dabei nicht der einzige Nachteil in Corona-Zeiten. Auch viele Nebentätigkeiten, die für Studierende attraktiv sind, wie zum Beispiel in der Gastwirtschaft, seien derzeit nicht möglich. Die hohen Wohnkosten in einer Stadt wie Regensburg entfielen aber nicht.

Lockdown fordert Tribut

Der Weg zurück ins elterliche Heim hat für Studierende in Corona-Zeiten also einige Vorteile beziehungsweise mindert die aktuell bestehenden Nachteile. Aber auch daheim fordert der Lockdown seinen Tribut. "Man sitzt schon stark aufeinander momentan. Also das ist manchmal zu viel des Beisammenseins", bemerkt Franz Brandl. Da gibt es schon mal Diskussionen, zum Beispiel darüber, wer an welchem Tag mit dem Auto unterwegs ist.

Die Zeiten, als das Haus einst kinderfrei war - eine nostalgische Erinnerung für den Vater: "Ich für meinen Teil hab das schon eine Zeit lang genossen, als wir allein waren und relativ unabhängig. Einfach tun und lassen können, was wir beide wollen."

Neue Art des Zusammenlebens

Keine Frage, das Zusammenleben ist für beide Seiten ein Kompromiss - aber öffnet manchmal auch ungeahnte Türen: Familie Brandl schätzt die zusätzliche Zeit miteinander, "zum Beispiel mittags miteinander essen oder abends, dass man sich mal zusammensetzt", lächelt Katharina, "oder Mama und ich, wir spielen jetzt manchmal was, das hat man vorher nicht gemacht, und das macht eigentlich schon Spaß."

Sommersemester größtenteils online

Im März steht dann das Sommersemester an der OTH Regensburg vor der Tür, die Uni Regensburg startet im April ins neue Semester. Der Großteil der angebotenen Veranstaltungen findet vorerst wieder online statt. Ausnahmen gibt es aber. Die OTH bietet zum Beispiel einige wenige Präsenzveranstaltungen für Studienanfänger an, damit diese zumindest einen Einblick in den Studienalltag an einer Hochschule bekommen.

Nach Regensburg will Kathi schon gerne ziehen, aber erst dann, wenn sich wirklich etwas ändert. Wie so oft in der Pandemie gilt die Devise: Abwarten.

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