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Der Lehrbetrieb an den Bayerischen Hochschulen findet auch im Sommersemester 2021 wo es geht online statt. Warum also noch in die Uni-Städte ziehen? Kathi und Elena studieren beide an der OTH Regensburg - und leben doch in unterschiedlichen Welten.

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Studieren in Corona-Zeiten: WG-Unabhängigkeit oder "Hotel Mama"?

Der Lehrbetrieb an den Bayerischen Hochschulen findet auch im Sommersemester 2021 wo es geht online statt. Warum also noch in die Uni-Städte ziehen? Kathi und Elena studieren beide an der OTH Regensburg - und leben doch in unterschiedlichen Welten.

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Von
  • Michael Wagner
  • BR24 Redaktion

Am 12. April startet an den Bayerischen Universitäten das Sommersemester, an vielen Hochschulen läuft der Vorlesungsbetrieb bereits wieder seit Mitte März – und das größtenteils online. Anwesend sein, das müssen die Studierenden in Corona-Zeitem meist nur noch vor der Webcam. Wieso also noch in die Uni-Städte ziehen, wenn die Mietkosten anderorts günstiger wären oder – Stichwort "Hotel Mama" – sogar ganz wegfallen könnten? Katharina und Elena studieren beide an der OTH Regensburg und leben doch in völlig unterschiedlichen Welten – Kathi ist wieder bei ihren Eltern eingezogen, Elena wohnt in einer Sechser-WG in der Regensburger Innenstadt. Was bewegt die beiden jungen Studentinnen?

Vor Ort sein – vorbereitet sein

Elena steht in ihrem kleinen 12 Quadratmeter Zimmer in ihrer Sechser-WG in der Regensburger Innenstadt. Den wenigen Platz nutzt die 22-jährige Studentin so gut es geht. Unter ihrem Hochbett steht eine kleine Couch, daneben, am Fenster, der Schreibtisch – ihr Arbeitsplatz in Corona-Zeiten. An den Wänden hängen kleine Bildchen und Flyer, über dem Schreibtisch eine Pinnwand mit Fotos von Freunden. Vor einem Monat ist Elena von Leipzig nach Regensburg gezogen – fürs Studium – Musik und bewegungsorientierte soziale Arbeit an der OTH Regensburg.

Ihr Studium findet ausschließlich online statt. Vor Ort zu sein war für die junge Studentin trotzdem wichtig. "Das ist eher so ein Gefühl irgendwie, dass ich direkt vor Ort bin, falls dann doch irgendwie die Fallzahlen wieder sinken und wieder Präsenzunterricht stattfindet", sagt Elena. "Dann bin ich gleich vor Ort und hab auch die Kommilitonen um mich."

Freie WG- und Wohnheimzimmer – Corona kappt Trend

Im Gegensatz zu Elena ziehen viele Studierende für ihr Studium in Corona-Zeiten wieder zu ihren Eltern – oder gar nicht erst von zu Hause aus. Tobias Just vom Lehrstuhl für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg beobachtet, dass WG- und Wohnheimzimmer in Corona-Zeiten immer öfter von friktionellen Leerständen betroffen sind, das heißt längere Zeit leer stehen, bevor sie wieder vermietet werden. Vor Corona sei das in Regensburg undenkbar gewesen. "Da konnten die Anzeigen gar nicht schnell genug platziert werden, bevor die Zimmer schon wieder vermietet waren." Jetzt aber war für Elena ein WG-Zimmer schnell gefunden.

Zurück ins "Hotel Mama"? – Keine Option

Dabei kommt Elena ursprünglich sogar aus der Gegend. In Nittendorf ist sie aufgewachsen. Wieder bei ihren Eltern einzuziehen, sich die Miete sparen, das war für Elena trotzdem keine Option. Vor vier Jahren ist Elena von zu Hause ausgezogen, ihre Eltern hatten sich damals getrennt. Ihr Kinderzimmer von damals gibt es nicht mehr. "Und auch so emotional auf Dauer könnte ich es mir glaube ich nicht vorstellen auf so engem Raum mit meinen Eltern zu wohnen", gesteht Elena und lacht, "Ich glaube auch nicht, dass es dem Hausfrieden dauerhaft guttun würde."

"Hotel Mama" als sicherer Hafen

Für andere wiederum ist "Hotel Mama" ein sicherer Hafen. Kathi ist 23 und studiert im zweiten Semester Erneuerbare Energien an der OTH Regensburg. Ihr vormaliges Studium in Nürnberg hat die gelernte Drogistin abgebrochen. Zur Überbrückung zieht Kathi im Oktober 2019 wieder bei ihren Eltern in Velburg ein – der Plan: neues Studium, neue Stadt, neue Wohnung. Dann kommt im Frühjahr 2020 Corona. Und Kathi bleibt zu Hause. Wieso nach Regensburg ziehen, wenn das Studium ausschließlich online stattfindet? Die Miete spart sich Kathi daher lieber. Die Eltern nehmen es gelassen, unterstützen die Entscheidung ihrer Tochter. "Es wäre ein Unsinn unter solchen Bedingungen nach Regensburg zu ziehen", findet auch Papa Franz.

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Kathi studiert an der OTH Regensburg und wohnt in Corona-Zeiten bei ihren Eltern in Velburg. Ab und zu wünscht sie sich eine eigene Wohnung.

Warten auf die neue Normalität nach Corona

Ihre vormalige Unabhängigkeit vermisst Katharina manchmal: "Ja, ab und zu gibt es schon Phasen, wo ich nicht gern zu Hause wäre und eine eigene Wohnung hätte." Ausziehen will die 23-Jährige aber erst, wenn eine Rückkehr zur Normalität im Studi-Alltag wieder in Sicht ist, Präsenzveranstaltungen wieder zunehmen. "Mich stört es jetzt eigentlich nicht so stark, daheim zu wohnen."

Wenn es Zoff gibt

Ganz ohne Stress geht es dann aber doch nicht. "Bei uns gibt es schon ab und zu Zoff", sagt Mama Gabi. "Aber das gibt es glaube ich in jeder Familie." Wenn es mal Streit gibt, dann ist die Lösung – da sind sich alle drei, Mama Gabi, Papa Franz, und Tochter Kathi – einig: aus dem Weg gehen und aussitzen. "Wenn es wirklich irgendwas Größeres ist, dann redet man schon miteinander. Aber bei so Kleinigkeiten, da geht der eine in das Zimmer und der andere in das. Und nach zwei Stunden ist es wieder vergessen", lacht Kathi.

Mittwoch ist Familientag

Den familiären Frieden gibt es nicht geschenkt. Dafür wird er bei den Brandls umso mehr zelebriert – mit einer alten Familientradition. Jeden Mittwoch ist bei den Brandls Familientag. Dann kommen abwechselnd auch die zwei älteren Geschwister zu Besuch und es wird aufwändig gekocht. Das stärkt den Zusammenhalt: "Jeder freut sich irgendwie auf Mittwoch", findet Kathi, "das ist halt auch ein Ritual, das wir jetzt schon so lange haben. Und das tut richtig gut."

Schwierige Finanzlage für Studierende in Corona-Zeiten

Ganz losgelöst ist auch Elena von ihren Eltern nicht. Das Studium in Regensburg kostet Geld – allen voran die Miete für das WG-Zimmer. Die Joblage für Studierende, heißt es vom Lehrstuhl für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg, sei in Corona-Zeiten ein Desaster. Viele Studierende bekämen finanzielle Unterstützung von den Eltern.

Distanz für mehr Nähe

So auch in Elenas Fall. Übrig bleibt ihr dann ihr Kindergeld. Elena lebt sparsam – ist aber glücklich. "Ich sehe es gar nicht als Nachteil, selbst für mich zu sorgen, selbst einzukaufen. Irgendwie mag ich diese Eigenverantwortung." Das Leben in der WG, die Distanz zu den Eltern – auch das, sieht Elena als Vorteil: "Ich hab sogar das Gefühl, dass ich den Kontakt zu meinen Eltern dann noch viel mehr wertschätzen kann, wenn der so häppchenweise kommt und man sich aufeinander freuen kann."

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