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Studieren in Bayern: Zimmer verzweifelt gesucht! | BR24

© Bayerischer Rundfunk/Melanie Marks

Das neue Semester beginnt und viele Studenten haben noch keine Wohnung. Forscher sagen, die Situation für Studierende in Bayern, sei "extrem schwierig". Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks fordert einen "Hochschulsozialpakt".

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Studieren in Bayern: Zimmer verzweifelt gesucht!

Viele Studenten haben kurz vor Semesterstart noch Probleme bei der Wohnungssuche. Forscher sagen, die Situation in Bayern, sei "extrem schwierig". Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks fordert deswegen einen "Hochschulsozialpakt".

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Julia musste raus. Seit etwa zwei Jahren studiert sie im Master in Bamberg. Als sie in die Kleinstadt zog, erhielt sie einen Vertrag vom zuständigen Würzburger Studentenwerk: Ein kleines Zimmer im Wohnheim in der Pestalozzistraße, möbliert, 196 Euro warm. Jetzt aber wird das Wohnheim abgerissen. An der Stelle soll ein neues Gebäude entstehen, mit mehr Platz als zuvor. Julia hilft das nicht mehr. Sie musste sich ein WG-Zimmer suchen. 400 Euro kostet es. Die BAföG-Pauschale deckt aber nur 325 Euro. Seitdem fährt Julia weniger weg, große Investitionen sind nicht drin.

Anspannungs-Index untersucht Wohnungsmarkt für Studierende

Dabei ist die Situation in Bamberg im Vergleich zu anderen bayerischen Städten noch gut. Das Moses-Mendelssohn-Institut in Berlin erhebt in Kooperation mit dem Wohnungsportal WG-gesucht einen sogenannten "Anspannungsindex". Darin untersucht es die Situation in den 98 Städten, in denen mehr als 5.000 Studenten leben. Die Wissenschaftler berücksichtigen dabei 23 Faktoren, etwa, wie viele Studierende sich neu an der Uni einschreiben, wie viele aus dem Ausland kommen, wie beliebt die Uni ist. Sie betrachten den Wohnungsmarkt in der Stadt allgemein und sie untersuchen staatlichen Angebote - also, wie viele Studenten in einem Wohnheim unterkommen können.

Lage in zahlreichen bayerischen Städten angespannt

Bamberg landet bei dieser Betrachtung auf Platz 38 und gehört damit nicht einmal zu den Städten, in denen die Situation dramatisch ist. Ein WG-Zimmer kostet hier im Schnitt 368 Euro. Schlechter sieht es da in rund einem Dutzend anderer bayerischen Städten aus, wie etwa Nürnberg, Ingolstadt, Erlangen oder München mitsamt dem Umland. Hier zahlen Studenten 600 bis 650 Euro monatliche Miete. 400 Euro sind es in Erlangen, 447 Euro in Ingolstadt. Zum Vergleich: Der bundesweite Schnitt liegt bei 389 Euro.

Bayern zieht Studenten und Arbeitnehmer an

Ein Grund dafür, so Stefan Brauckmann, Direktor des Mendelssohn-Instituts, sei die gute wirtschaftliche Situation in Bayern. Diese locke viele Menschen in die Städte: Studenten, die hofften, später hier auch einen Job zu erhalten. Arbeitnehmer, die hier bereits einen Job gefunden haben. Dann wären da aber auch Studenten, die an einer Exzellenz-Universität lernen wollten. Und zudem viele ausländische Studenten. So steige die Nachfrage nach Wohnraum und treibe die Preise in die Höhe. Neben Bayern sei das auch in Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg zu beobachten.

Freistaat Spitzenreiter bei Förderung von Wohnheimen

Entspannend wirke die Wohnraumförderung für Studierende in Bayern, sagt Brauckmann. Hier habe der Freistaat ein sehr attraktives Programm im Vergleich zu anderen Bundesländern. In Bayern können nicht nur die Studentenwerke Gelder beantragen, sondern auch andere Träger, wie etwa die Kirche. Pro gebautem Wohnheimsplatz stellt der Freistaat dann bis zu 32.000 Euro zur Verfügung.

Dennoch: Wohnheime reichen nicht aus

Trotzdem erhalten nur etwa zehn Prozent der Studenten einen Platz im Wohnheim. Bundesweit sind es rund neun Prozent. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heide, mahnt deswegen, dass noch mehr Plätze geschaffen werden müssten: Mindestens 25.000 im gesamten Bundesgebiet. Die Bundesregierung habe mit dem Hochschulpakt Millionen neue Studienplätze gefördert und geschaffen. Gleichzeitig habe sie sich aber nicht darum gekümmert, im gleichen Maße auch Wohnraum für Studierende zu schaffen.

Hochschulsozialpakt soll helfen

Meyer auf der Heide fordert einen Hochschulsozialpakt. Dieser solle gewährleisten, dass neue Wohnheime gebaut und alte saniert werden könnten. Denn gerade die Sanierung werde häufig zu teuer und führe dazu, dass keine günstigen Zimmer mehr angeboten werden könnten. Bund und Länder diskutieren aktuell eine staatliche Wohnbauförderung – von der auch Studenten profitieren sollen. Erste Ergebnisse werden allerdings erst Ende des Jahres erwartet.

In Bamberg wären sie nötig: Hier stehen in den nächsten Jahren Sanierungsmaßnahmen für Wohnheime in der Altstadt an. Ob das Studentenwerk die finanzieren kann, ist noch unklar.

© BR

Das Moses-Mendelssohn-Institut und das Wohnungsportal WG-gesucht haben die Wohnungssituation für Studenten in 98 deutschen Städten untersucht. Ihr Fazit: In einigen Städten ist die Lage dramatisch.