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Studie zu Insektensterben: Bauern wehren sich gegen Vorwürfe | BR24

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Das Insekten-Sterben in Deutschland ist dramatischer als bisher angenommen, so eine Studie der TU München. Zehn Jahre haben Forscher beobachtet, wie sich der Bestand auf 300 Flächen in Baden-Württemberg, Thüringen und Brandenburg entwickelt hat.

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Studie zu Insektensterben: Bauern wehren sich gegen Vorwürfe

Der Insekten-Schwund in Deutschland ist gravierender als bisher vermutet, zeigt eine Studie der TU München. Besonders betroffen: Grünflächen in der Nähe von Äckern. Die Bauern wollen das nicht auf sich sitzen lassen.

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Auf 150 Grasflächen und 140 Waldstücken haben die Wissenschaftler zehn Jahre lang die Anzahl der Käfer, Wanzen, Spinnen, Zikaden und Heuschrecken beobachtet. Das Ergebnis ist alarmierend, sagt Sebastian Seibold, Ökologe an der Technischen Universität München und Hauptautor der neuen Studie.

"Wir haben auch wirklich gesehen, dass die Artenzahl über alle Waldflächen hinweg und über alle Grünlandflächen hinweg abgenommen hat. Und ich finde das schon eine Hausnummer. Das geht schon ein Stück weit in Richtung Aussterben, wenn Arten auf 150 Flächen verschwinden." Sebastian Seibold, Ökologe an der Technischen Universität München

Zahl der Insekten abhängig von der Umgebung

Je nach Ort ist die Anzahl der Insekten um bis zu 70 Prozent zurückgegangen - stets abhängig von der Umgebung der untersuchten Landschaften. Die Studie weist somit nach: Wo viele landwirtschaftliche Äcker sind, verschwinden auch die Insekten.

Keine überraschende Nachricht, sagt die stellvertretende Landesbeauftragte und Referentin für Artenschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Christine Margraf.

"Wichtige Punkte sind auch der stark gestiegene Pestizideinsatz und Düngereinsatz in der Landwirtschaft. Wir müssen hier deutlich runter vom Düngereinsatz und wir müssen Herbizide und Pestizide, die schädlich sind, auch verbieten. Letztlich brauchen wir ein Pestizidausstiegsprogramm, um diesen Gifteinsatz in der Landwirtschaft deutlich zu reduzieren." Christine Margraf, BUND

Bauernverband verweist auf gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Eine Forderung, die dem Bayerischen Bauernverband deutlich zu weit geht. Nicht die Landwirtschaft alleine, sondern alle Menschen griffen in die Artenvielfalt ein, sagt Markus Drexler vom Bayerischen Bauernverband.

"Wir haben einen konstant hohen Flächenverbrauch, wir haben eine anhaltende Umweltverschmutzung. Allein diese Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um die Lebensbedingungen für Insekten geht. Der Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und eine einseitige Betrachtung von Effekten der Landwirtschaft ist zu kurz gegriffen." Markus Drexler, Bayerischer Bauernverband

Außerdem wird laut dem Bauernverband in Bayern mittlerweile ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen nach den Regeln der Umweltprogramme bewirtschaftet.

BUND fordert Änderungen in der EU-Agrarpolitik

Für den Bund Naturschutz ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Christine Margraf. Die Landwirtschaft müsse mehr tun und sie könne auch mehr tun.

"Allerdings sage ich auch ganz klar: Schuld ist nicht der einzelne Landwirt, sondern Schuld sind die Rahmenbedingungen. Das ist insbesondere die EU-Agrarpolitik. Man kann niemandem einen Vorwurf machen, wenn er das tut, wofür er Geld bekommt. Deswegen brauchen wir eine ganz andere Förderpolitik. Es müssen die Landwirte gefördert werden, die Gemeinwohlleistungen erbringen." Christine Margraf, BUND

Dazu gehöre den Artenschutz und das Trinkwasser zu sichern, so Margraf. Die Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" sei der richtige Schritt zu einem erfolgreichen Artenschutz in Bayern. Dem müsse jetzt auch die Landwirtschaft konsequent folgen.

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Für die drastische Abnahme der Insektenzahlen könnten viele Faktoren in Frage kommen, so BR-Expertin Mirjam Stumpfe. Neben der intensiven Landwirtschaft wird in der Studie auch der Klimawandel genannt.