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Studie Uni Erlangen: Was bringt Psychotherapie am Arbeitsplatz? | BR24

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Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht, ob sich die Einführung von Betriebstherapeuten lohnen würde.

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    Studie Uni Erlangen: Was bringt Psychotherapie am Arbeitsplatz?

    Die Uni Erlangen will in einer Studie herausfinden, ob sich Psychotherapie direkt am Arbeitsplatz lohnen würde. Betriebstherapeuten könnten Mitarbeitende mit psychischen Belastungen früh behandeln. Damit sollen lange Fehlzeiten vermieden werden.

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    Von
    • Ulrike Lefherz

    Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht, ob sich die Einführung von Betriebstherapeuten lohnen würde. In den letzten Jahren haben psychische Erkrankungen wie Depression oder Burnout enorm zugenommen. Eine psychische Belastung ist inzwischen der dritthäufigste Grund für Krankmeldungen, so die Uni Erlangen. Möglicherweise können Krankenkassen in Zukunft eine psychosomatische Sprechstunde bezahlen.

    Immer mehr Krankmeldungen wegen psychischer Probleme

    Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen ist in den letzten 20 Jahren um 137 Prozent gestiegen, das geht aus dem Psychoreport 2020 der DAK hervor. Die häufigsten Krankheiten sind Depressionen und sogenannte Anpassungsstörungen. Diese seelischen Krisen können nach Schicksalsschlägen auftreten. Durch die Corona-Krise haben sich weitere massive Veränderungen für Beschäftigte ergeben, so die Uni Erlangen.

    Monatelang krank wegen psychischer Probleme

    Mitarbeitende mit psychischen Problemen fallen oft monatelang als Arbeitskraft aus. Gründe dafür sind, dass die Krankheit in vielen Fällen spät als solche erkannt wird. Wer eine Zeitlang keine Lust hat, zur Arbeit zu gehen, geht deshalb nicht unbedingt zum Arzt oder Therapeuten. Allerdings kann dieses Symptom ein Anzeichen für eine Depression sein. Wenn eine Krankheit dann diagnostiziert ist, dauert es oft eine gewisse Zeit, bis der passende Therapeut gefunden ist und ein Therapieplatz frei wird.

    Frühzeitige Behandlung am Arbeitsplatz

    Eine psychosomatische Sprechstunde direkt am Arbeitsplatz könnte helfen. Ob diese Idee wirksam ist, soll das Forschungsprojekt "Frühe Intervention am Arbeitsplatz (FRIAA)" klären. Ziel sei es, psychisch belastete Beschäftigte schnell zu erkennen und zu behandeln, erklärt die Leiterin der Psychosomatik des Uni-Klinikums Erlangen Professor Yesim Erim. "Damit fördern wir ihren Verbleib am Arbeitsplatz". Die Chefs müssen dabei nicht wissen, wer sich behandeln lässt. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte werden allerdings als Helfende mit einbezogen.

    Wissenschaftler suchen Unternehmen für eine Studie

    Die Erlanger Wissenschaftler suchen nun kleine und größere Unternehmen, die sich an dem Forschungsprojekt beteiligen wollen. Mitarbeitende mit psychischen Belastungen werden dabei kostenlos beraten und bei Bedarf behandelt. Teilnehmen kann, wer unter Schlafstörungen oder Ängsten leidet, erschöpft oder ständig müde ist oder häufig Rückenschmerzen hat. Die Studientherapeuten kommen auf Wunsch auch an den Arbeitsplatz. In mehreren Infoveranstaltungen über die Plattform Zoom informiert die Uni Erlangen am 13.01.21 Unternehmen über das Projekt.

    Ist Psychotherapie am Arbeitsplatz wirksam?

    Ob eine Psychotherapie am Arbeitsplatz wirksam ist, soll die Studie zeigen. Bis zu 600 Testpersonen sind dafür notwendig. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen erhalten eine herkömmliche Behandlung mit externen Therapeuten, die anderen eine Therapie, die explizit die Arbeitssituation mit einbezieht. An dem Forschungsprojekt arbeiten acht Studienzentren zusammen, unter anderem in Erlangen, Ulm, Düsseldorf, Hildesheim, Berlin-Teltow, Heidelberg und Günzburg. Die Bundesregierung und die Deutsche Rentenversicherung fördern das Forschungsprojekt mit 2,3 Millionen Euro.

    Krankenkassen sollen für psychosomatische Beratung zahlen

    Ziel ist es, dass künftig psychosomatische Sprechstunden am Arbeitsplatz von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden. Erschöpfungszustände und Burnout durch hohe Arbeitsanforderungen können dann früher erkannt werden, so Professor Yesim Erim. "Menschen mit psychischen Störungen sollen nicht diskriminiert werden, sondern zeitnah behandelt."

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