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Studie: Mehrheit der Jugendlichen hält sich an Corona-Regeln | BR24

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Der typische Jugendliche ist sorglos, feierwütig und in Coronazeiten egoistisch rücksichtslos!? Wirklich? Wissenschaftler haben nachgeforscht und kommen zu anderen Ergebnissen ...

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Studie: Mehrheit der Jugendlichen hält sich an Corona-Regeln

Bilder von feiernden Jugendlichen transportieren eine Botschaft: Die Jugend schert sich nicht um die Corona-Regeln. Dem widerspricht eine Studie: Die meisten jungen Erwachsenen halten sich nach eigenen Angaben sehr wohl daran - mit wenigen Ausnahmen.

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Von
  • Viktoria Wagensommer
  • Susanne Hofmann

In der Öffentlichkeit herrsche die Meinung vor, "dass alle, die jung sind, Party machen und feiern", sagt Jugendforscher Simon Schnetzer aus Kempten. Seine Studie "Junge Deutsche 2021" kommt allerdings zu einem anderen Schluss: Die Jugendlichen verhalten sich mehrheitlich solidarisch und halten sich an die Corona-Regeln.

Das tun nach eigenen Angaben 73 Prozent der befragten Jugendlichen. Für die Untersuchung wurden zwischen Mitte Oktober und Mitte November rund 1.600 repräsentativ ausgewählte 14- bis 39-Jährige in Deutschland per Online-Fragebogen befragt.

Verweigerer meist männlich

Nur vier Prozent der Jugendlichen geben an, sich nicht an die Corona-Regeln zu halten, und 23 Prozent antworten mit "teils, teils". Anhand der Studie lässt sich Schnetzer zufolge ablesen, dass es sich bei der Gruppe der Verweigerer vor allem um männliche Jugendliche handelt, die in Kleinstädten leben und ein eher niedriges Bildungsniveau haben.

Großteil der Jugendlichen verzichtet auf Partys

Zwei Drittel der Jugendlichen finden es der Studie zufolge wichtig, wegen Corona auf Partys oder Feiern zu verzichten. Am schwersten falle es den 14- bis 17-Jährigen, sagt Jugendforscher Schnetzer. Das sei nachvollziehbar, da der Drang, Menschen und die eigene Sexualität kennen zu lernen, in dieser Phase wichtig für die soziale Entwicklung sei. Er plädiert deshalb dafür, dass für diese Jugendlichen Corona-regelkonforme Alternativangebote entstehen.

Religiöse Jugendliche kommen besser durch die Krise

Ein überraschendes Ergebnis ist für Schnetzer, dass junge Menschen, die sehr gläubig sind, besser durch die Krise kommen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie häufig beten. Sie suchen dann öfter als andere Gleichaltrige das Positive in Veränderungen und finden Gründe für Dankbarkeit, auch wenn sich eine Situation zum Negativen wendet. Das sei, laut Studie, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören.

Benachteiligte Jugendliche leiden besonders

Jugendliche, die sich in schulischen und beruflichen Übergangssituationen befinden oder freiberuflich arbeiten, sehen ihre Zukunftsperspektiven aufgrund von Corona besonders bedroht. Auch das geht aus der Befragung hervor. Laut Prof. Klaus Hurrelmann, einem renommierten Jugendforscher, der an der Auswertung der Studie beteiligt war, leiden vor allem die Jugendlichen, die aufgrund ihres Bildungsniveaus und ihres Elternhauses ohnehin schon benachteiligt sind.

Chancen und gemeinsame Ziele anbieten

Hurrelmann und Schnetzer betonen, dass man benachteiligte Jugendliche nun nicht in ein Corona-Loch fallen lassen dürfe. Ihnen könnten zum Beispiel Corona-Stipendien eine Chance bieten. Eine Botschaft wie "Flatten the curve" im Frühjahr könnte Jugendliche motivieren, sich stärker an der Pandemie-Bekämpfung zu beteiligen. Was die Forscher positiv stimmt: Insgesamt sei die junge Generation robust und gegen die unsichere Zukunft gut gewappnet.

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