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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Arne Dedert

Lockdownmüdigkeit. Das Wort geht um, viele wollen reisen, ins Theater oder in den Biergarten. Aber was ist mit den Jugendlichen? Ihnen drückt der Lockdown mindestens genauso aufs Gemüt und viele leiden, wie jetzt eine neue Studie herausgefunden hat.

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Studie: Jugendliche vom Lockdown stark psychisch belastet

Lockdownmüdigkeit. Das Wort geht um, viele wollen reisen, ins Theater oder in den Biergarten. Aber was ist mit den Jugendlichen? Ihnen drückt der Lockdown mindestens genauso aufs Gemüt und viele leiden sehr, wie jetzt eine Studie herausgefunden hat.

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Von
  • Florian Falzeder

Irgendwann im Februar, nach mehreren Monaten Lockdown und Homeschooling, nachdem sie ihre Freundinnen und Freunde nur als Namenskürzel auf dem Bildschirm in Videokonferenzen gesehen hat, ist Elena Krollmann die Decke auf den Kopf gefallen. Sie hat gemerkt: "Dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte, dass ich überhaupt keine Motivation habe. Und das kenne ich von mir selbst eigentlich nicht, vor allem auch schulisch, dass es mich überhaupt nicht mehr interessiert hat."

Zwei Drittel fühlen sich einsam

Damit ist die 17-jährige Schülerin aus München nicht allein. Eine neue Studie hat jetzt herausgefunden: Rund zwei Drittel aller jungen Menschen fühlen sich gerade einsam, sagen von sich, dass sie psychisch belastet sind oder Zukunftsängste haben. Viel mehr als vor der Pandemie oder auch noch im ersten Lockdown vor einem knappen Jahr, sagt Anette Stein. Sie ist Bildungsexpertin bei der Bertelsmann Stiftung, die zusammen mit den Universitäten in Hildesheim und Frankfurt am Main die Studie durchgeführt hat. Mehr als 7.000 junge Menschen haben teilgenommen, zwischen 15 und 30 Jahre alt.

"Ihr Eindruck ist: Sie sollen funktionieren und lernen. Und wie es ihnen tatsächlich geht, sagen Jugendliche, interessiert insbesondere die Politik nicht." Anette Stein, Bildungsexpertin bei der Bertelsmann Stiftung

Genau so ging es auch der Elftklässlerin Elena Krollmann: "Man hat das Gefühl, dass man halt das hinnehmen soll und akzeptieren soll, dass das halt jetzt so ist. Und da hat man das Gefühl, man wird ein bisschen alleine gelassen."

Statt in Depression zu versinken eine Umfrage gestartet

Daraufhin hat sie im Februar eine Umfrage gestartet. Am Ende haben gut 170 Elft- und Zwölftklässler aus mehreren Münchner Schulen mitgemacht. Das, was sie sagen, deckt sich fast eins zu eins mit dem, was jetzt die große, repräsentative Studie nochmal mehr untermauert: Zwei Drittel der jungen Leute leiden. Unter Einsamkeit, Zukunftsängsten, psychischem Druck. Und im Hintergrund bei vielen:

"Das Gefühl, man hat so ein Jahr von seinem Leben verloren. Weil alles Wichtige, was man so in der jugendlichen Zeit macht, hat man nicht mehr. Und außer Schule ist man nicht wirklich weitergekommen in seinem Leben." Elena Krollmann, Schülerin

Kontakte für Entwicklung essentiell

Gerade das, bekräftigt Bildungsexpertin Anette Stein, wiegt gerade besonders schwer:

"Für junge Menschen ist ja der Austausch mit anderen jungen Menschen ganz entscheidend, und zwar nicht nur, um irgendwie Spaß zu haben, sondern das ist auch eine ganz entscheidende Phase im Leben im Sinne einer Persönlichkeitsentwicklung, auch mit anderen auszutauschen, zu sehen: Wo steht man selber? Was denkt man? Also das gehört ja dazu zum Jugend-Sein und ist auch wichtig." Anette Stein, Bildungsexpertin bei der Bertelsmann Stiftung

Umso wichtiger, fordert Anette Stein, dass die jungen Menschen mehr mitreden und auch mitbestimmen. Diese Chance aber, kritisiert die Bildungsexpertin, werde ihnen von der Politik gerade genommen.

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