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Studenten statt Erntehelfer: Spargelsaison in Zeiten von Corona | BR24

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Die Spargelsaison läuft in Zeiten von Corona anders als gewohnt. Da weniger Erntehelfer aus Osteuropa kommen können, helfen im Landkreis Kitzingen nun Studenten aus. Auch Gastronomen und Verkäufer müssen umdenken.

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Studenten statt Erntehelfer: Spargelsaison in Zeiten von Corona

Die Spargelsaison läuft in Zeiten von Corona anders als gewohnt. Da weniger Erntehelfer aus Osteuropa kommen können, helfen im Landkreis Kitzingen nun Studenten aus. Auch Gastronomen und Verkäufer müssen umdenken.

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Von
  • Jürgen Gläser

Spargelstechen ist Knochenarbeit, egal unter welchen Voraussetzungen. In der Coronakrise gestaltet sich die Spargelernte für Erzeuger, Erntehelfer und Gastronomie allerdings nochmal schwieriger als sonst üblich. Auf ganz unterschiedlichen Wegen versuchen sie, die Saison zu retten.

Studenten helfen bei der Spargelernte

Auf 35 Hektar baut Udo Hertlein aus Haidt im Landkreis Kitzingen Spargel an. Normalerweise arbeiten bei ihm 60 Erntehelfer aus Rumänien. 25 sind diesmal schon da. Nun hofft der Bauer, dass weitere 18 mit einem der nächsten Flugzeuge aus Rumänien nachkommen. Seit zwei Wochen erhält er allerdings auch immer wieder Angebote von Deutschen, die beim Spargelstechen helfen wollen. "Das sind arbeitslose Köche und Servicekräfte aus Würzburg, aber auch 15 Studierende, die inzwischen bei mir arbeiten. Schön, dass die Leute an uns denken", sagt Udo Hertlein.

Vom Hörsaal auf das Spargelfeld

Mit dabei ist zum Beispiel Daniel Ifflef aus Theilheim. Er studiert in Schweinfurt Maschinenbau. Es sei derzeit aussichtslos, irgendwo einen Ferienjob zu bekommen, sagt er. Im Radio habe er den Aufruf der Spargelerzeuger gehört: "Helft uns!". Seit zwei Wochen steht er nun täglich acht Stunden in Haidt auf den Spargelfeldern. Auch Luisa Wedler aus Würzburg, die in Hamburg Bauingenieurwesen studiert, hilft auf dem Hof: "Der Udo begrüßt uns jeden Tag, gibt Tipps, schaut auf dem Feld vorbei und ist total nett zu uns. Wir freuen uns auch, ihm helfen zu können."

Gastronomie durch Coronavirus behindert

Unklar ist aktuell allerdings, ob sich genug Abnehmer für den fränkischen Spargel finden. 30-40 Prozent der Erntemenge gehen normalerweise in die regionale Gastronomie. Diese Großabnehmer fehlen derzeit. Der Landgasthof von Joachim Schwab in Schwarzach am Main würde jetzt täglich bis zu 50 Kilo Spargel verarbeiten. Um über die Runden zu kommen, will Joachim Schwab ab dem 22. April Essen für zuhause anbieten. Fertig gekocht will er es auf Bestellung sogar zweimal wöchentlich zu seinen Stammgästen nach Würzburg liefern will. "Natürlich gibt es dann auch Spargelgerichte", sagt Schwab.

Mehr Kunden in den Hofläden

Immer mehr Gastronomen im Landkreis Kitzingen bieten inzwischen Essen "to go" an. Weil nun alle zuhause essen müssen, kommen auch mehr Kunden in die Hofläden der Spargelbauern. Bei Udo Hertlein in Haidt gab es am Ostersamstag sogar lange Warteschlangen bis hinaus auf den Hof. Alle halten Abstand und warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. "Wir müssen gerade jetzt unsere regionalen Spargelerzeuger unterstützen und nicht im Supermarkt kaufen", sagt eine Frau, die acht Kilometer gefahren ist, um frischen Spargel zu kaufen.

Bauernladen startet "Spargel Drive In"

Die Not macht auch erfinderisch. Margit Götz wollte in diesen Tagen am Ortsrand von Röthlein im Landkreis Schweinfurt ihren Bauernladen mit Café eröffnen. Den Neubau hat sie nun zum "Spargel Drive In" umfunktioniert. An einem Fenster ist eine Schublade aus einer Küchenzeile montiert. So kann sie den Spargel ihren Kunden ins Auto schieben. "Gut für die Kunden, gut für uns – so halten wir Abstand", sagt Margit Götz. Auch ihr fehlen die großen Kunden aus der örtlichen Gastronomie. Sie hofft die Verluste mit ihrem "Spargel Drive In" etwas auffangen zu können. Übrigens: Der Großteil der Kunden kam am Osterwochenende mit dem Fahrrad in den "Drive In".

Coronavirus: Die wichtigsten Informationen zur Lage in Unterfranken finden Sie hier.

© BR/Jürgen Gläser

Ein Bauernladen in Röthlein im Landkreis Schweinfurt hat einen "Spargel Drive In" gestartet.

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