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Hunde wollen rennen und spielen, doch manche können das nicht so gut, weil ihnen etwa die Vorderpfote oder ein ganzes Bein fehlt. Um den gehandicapten Tieren zu helfen, entwickeln zwei Studenten der Uni Augsburg Beinprothesen aus dem 3D-Drucker.

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Studenten entwickeln für Hunde Beinprothesen aus dem 3D-Drucker

Hunde wollen rennen und spielen, doch manche können das nicht so gut, weil ihnen etwa die Vorderpfote oder ein ganzes Bein fehlt. Um den gehandicapten Tieren zu helfen, entwickeln zwei Studenten der Uni Augsburg Beinprothesen aus dem 3D-Drucker.

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Von
  • Veronika Scheidl

Silva ist eine aufgeweckte, zwei Jahre alte Mischlingshündin. Aufmerksam schnuppert sie im Gras auf dem Campus der Uni Augsburg, der Wind zerzaust ihr langes Fell. Doch Silva humpelt – denn ihr fehlt die rechte Vorderpfote. Das ist wahrscheinlich die Folge eines Autounfalls, aus der Zeit als die Hündin noch auf der Straße in Bosnien lebte.

Beinprothese aus dem 3D-Drucker

Die Augsburger Studenten Dominik Hogen und Simon Schuß wollen Hunden wie Silva helfen - und zwar mit Beinprothesen aus dem 3D-Drucker. "Pawsthesis" heißt das Projekt, das Wort setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern "paw" für Pfote und "prosthesis" für Prothese.

Die beiden Freunde hatten während ihres Wirtschaftsingenieur-Studiums die Idee, mit dem 3D-Drucker Prothesen zu fertigen. Der Vorteil des 3D-Drucks: das Material ist kostengünstig, die Prothesen sind schnell und in derselben Qualität reproduzierbar, erklärt Hogen.

"Pawsthesis" will Hunden helfen

Noch befindet sich "Pawsthesis" in der Entwicklungsphase, Hogen und Schuß fertigen Prototypen von Prothesen. Derzeit sind Silva und 14 weitere Hunde tierische Projektpartner von "Pawsthesis". Den Tieren fehlt etwa eine Pfote oder gar ein ganzes Bein. Für jede Art von Amputation wollen die Studenten Prothesen fertigen, darum sei es auch so wichtig, mit verschiedenen Hunden zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln.

Schuß hält eine weiße Kunststoff-Prothese in der Hand, die Hündin Silva schon mehrmals getragen hat. "Die Innenseite der Prothese ist ausgekleidet mit Schaumstoff. Sie wird auf den Stumpf gezogen und über Klettverschlüsse am Hund befestigt", erklärt der 22-Jährige.

Hunde müssen sich an Prothese gewöhnen

Wegen einer Wunde am Beinstumpf durfte Silva ihre Prothese drei Wochen lang nicht tragen. Nach dieser Verletzungspause wagt sie jetzt ihre ersten Gehversuche. Die Hündin setzt erst noch etwas unbeholfen mit dem künstlichen Fuß auf, doch nach wenigen Minuten läuft sie schon etwas mutiger.

Besitzerin Blanca Curtean, die Silva über eine Tierschutzorganisation bekommen hatte, ist froh über die Prothese: "Es hilft ihr mega. Sie ist einfach lebensfroher, sie hat mehr Spaß beim Toben, beim Rennen, es ist einfach perfekt", sagt Curtean.

Jeder Hund reagiere anders auf die Prothese, sagt Schuß - ein Projekthund habe die Prothese etwa zu einem Kauknochen umfunktioniert. Und von jetzt auf gleich losrennen - das sei utopisch. Die Besitzer müssen mit ihren Hunden trainieren und sie langsam an die Prothese gewöhnen, erklärt der 23-jährige Hogen.

Vom Abdruck bis zur Prothese

Doch wie werden die Prothesen eigentlich hergestellt? Die Vorgehensweise ist klar strukturiert. Zunächst muss ein Abdruck des betroffenen Hundebeins gemacht werden. Um flexibel zu sein und Hunden in ganz Deutschland helfen zu können, schicken Hogen und Schuß den Hundebesitzern ein Abdruckset mit den nötigen Utensilien zu.

Die Besitzer können dann eigenständig den Abdruck machen und nach Augsburg zurückschicken. "Der Abdruck wird von uns eingescannt. Und dann haben wir im Anschluss ein digitales Modell auf unserem Computer", erklärt Schuß. An dieses digitale Modell vom Beinstumpf des Hundes passen die Studenten die Prothese an.

Arbeitsteilung bei Konstruktion und Druck

Während Schuß sich um das Design und die Konstruktion der Prothese kümmert, ist Hogen für den 3D-Drucker zuständig. Am PC kann der 23-Jährige die gewünschten Eigenschaften der Prothese exakt einstellen. Zum Beispiel, wo der 3D-Drucker das Kunststoffprodukt dicker und damit steifer oder eben dünner und flexibler herstellen soll.

"Unser Ziel ist es, dass die Prothese eigentlich alles aushält, was so im Hundealltag auf sie zukommen könnte", erklärt Hogen. "Buddeln, springen, die verschiedenen Gangarten - da sollte eigentlich keine Einschränkungen gesetzt sein."

Prothese soll Langzeitschäden verhindern

Weil die Hunde aufgrund ihres Handicaps die anderen Gliedmaßen anders oder viel stärker belasten müssen, steigt die Gefahr, dass Langzeitschäden entstehen. "Es kann zum Beispiel zu Arthrose oder einem Bandscheibenvorfall kommen", sagt Schuß. Mit einer Prothese soll der Hund einen natürlicheren Bewegungsablauf haben, um so die restlichen Gliedmaßen zu entlasten.

Von einer Idee zum Geschäftsmodell

In ihrem Masterstudium an der Uni Augsburg pausieren Hogen und Schuß gerade, denn sie haben das EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums bekommen. Das gibt ihnen die finanzielle Möglichkeit, sich auf "Pawsthesis" zu konzentrieren.

Die beiden Stipendiaten entwickeln ihre Prototypen ständig weiter. Im Sommer sollen sie marktreif sein. Dann wollen Dominik und Simon ein Start-up gründen und die Prothesen deutschlandweit verkaufen.

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Dominik Hogen (l.) und Simon Schuß (r.) entwickeln Beinprothesen aus dem 3D-Drucker für Hunde. In der Mitte Blanca Curtean mit Hündin Silva.

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