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Kristan von Waldenfels ist einer der jüngsten Bürgermeister in Bayern.

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Student und Bürgermeister – mit Anfang 20 ins Rathaus

Student und Bürgermeister – mit Anfang 20 ins Rathaus

Kristan von Waldenfels aus Lichtenberg studiert Volkswirtschaft und Philosophie. Als Student hat er aber einen ziemlich anspruchsvollen "Nebenjob": Er ist Bürgermeister seiner Heimatstadt.

Etwas mehr als 1.000 Einwohner hat Lichtenberg in Oberfranken. Die Altstadt und auch das Rathaus von Lichtenberg thronen seit Jahrhunderten ehrwürdig auf einem Bergrücken. Seit knapp zwei Jahren regiert einer der jüngsten Bürgermeister Bayerns die kleine Stadt: Kristan von Waldenfels, geboren im Jahr 2000.

"Ich glaube, dass ich fast alle kenne", sagt der CSU-Politiker. Und wenn nicht, dann werde er die meisten spätestens dann kennenlernen, wenn sie sich im Rathaus anmelden. Mit 19 Jahren wählten ihn die Lichtenberger zum Bürgermeister – er war damit der jüngste Bürgermeister Bayerns zu dem Zeitpunkt.

Das Bürgermeisteramt bringt große Herausforderung

Von Waldenfels studiert eigentlich Volkswirtschaftslehre und Philosophie an der Universität Bayreuth. Das Amt des Rathauschefs ist ein Nebenamt. "Natürlich habe ich am Anfang auch gedacht: Oh je! Das ist ganz klar, das will ich auch nicht verleugnen", erklärt von Waldenfels. Seine Erfahrung sei auch im Wahlkampf großes Thema gewesen. Die entscheidende Frage, die sich die Lichtenberger und Lichtenbergerinnen gestellt hätten: Können wir jemandem dieses Amt zutrauen, der nicht schon im Stadtrat war, der auch sonst keine Berufserfahrung hat? Das zu klären, sei seine Hauptaufgabe gewesen.

Sein Ziel war deshalb, die Bürgerinnen und Bürger kennenzulernen und ihnen zu zeigen, dass er willens ist, sich auch in Themen einzuarbeiten, die den meisten kompliziert und nicht so interessant vorkommen. Er habe Freude daran, sagt er: „Was mich wirklich erfüllt ist, gemeinsam mit anderen Leuten unsere Heimat zu entwickeln und voranzubringen.“

Das Leben auf dem Land bringt Freiheit

Von Waldenfels lebte, bis er fünf Jahre alt war, mit seinen Eltern in Berlin und zog dann nach Oberfranken. Auf seinen Adelstitel legt von Waldenfels keinen Wert, erklärt er. Am Telefon nimmt er mit Waldenfels ab, ohne von. "Ich war immer einer von den anderen: Wir waren zusammen im Wald, haben Lager gebaut und Fußball gespielt." Er habe einfach die Freiheit genossen, die es auf dem Land gebe. "Wir haben auch schon mal in der Schule Mist gebaut. Also, das gehört dazu."

Der CSU-Mann hat im Wahlkampf an alle Türen der bunten Häuschen in Lichtenberg geklopft, geklingelt und häufig gefragt, wo der Schuh drückt. "Vielen war wichtig, eine Nahversorgung zu haben, also dass man wieder Lebensmittel im Ort kaufen kann." Außerdem sei Transparenz ein großes Thema. Damit die Lichtenberger wissen, was in ihrer Stadt passiert, schreibt er alle zwei Wochen einen Bürgermeisterbrief. Mit Themen wie Leerstände oder Vorschriften für Kläranlagen beschäftigt sich von Waldenfels neben seinem Studium.

Ehemaliger Todesstreifen direkt an der Stadtgrenze

Von der Altstadt aus, hinter dem Hügel, kann man in das Muschwitztal sehen. Die innerdeutsche Grenze verlief mit dem Todesstreifen dort entlang. Damals sei die Teilung Deutschlands verheerend gewesen, erzählt von Waldenfels. Der wirtschaftliche Austausch mit Thüringen sei abgebrochen und habe die Region aus der Mitte in die Ecke Deutschlands gedrängt. "Es entstand Leid, weil Familien zerschnitten wurden. Heute ist es eine Freude, hier runterzugucken, aber auch Mahnung, dass es so eine Grenze nie wieder geben darf."

Das Tolle an der Kommunalpolitik: Früchte der eigenen Arbeit sehen

Ob er später auf Landes- oder Bundesebene aktiv sein werde, könne er nicht sagen, so von Waldenfels. "Wenn ich meine Zeit investiere und mich um das Anliegen von dieser Person aus der Gartenstraße, aus der Torstraße oder aus der Brauerstraße kümmere, damit kann man deren Leben direkt ein Stück weit besser machen.“ Dadurch könne er die Früchte der eigenen Arbeit direkt sehen und das bereite echte Freude.

Die Serie "Zeit für Local Heroes" bringt das Spotlight auf die Kommunalpolitik in Bayern: Die Local Heroes halten die Gesellschaft zusammen und gestalten Politik im Kleinen. Im Gegensatz zu klassischen Superhelden werden sie selten bewundert und beklatscht. Genau das ändert Franziska Wanninger. Die Autorin, Podcasterin und Kabarettistin besuchte sechs Politikerinnen und Politiker in Bayern. Alle Reportagen und weitere tolle Menschen – auch aus dem Norden der Republik – gibt´s auch zum Nachhören in der ARD Audiothek.

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