BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Struktur und kreative Tagespläne mit der "Kita to go" | BR24

© picture alliance/Jörg Carstensen/dpa

Ein Mädchen versucht, das Coronavirus zu zeichnen (Symbolbild).

Per Mail sharen

    Struktur und kreative Tagespläne mit der "Kita to go"

    Ausnahmesituation für Eltern und Kinder: Schulen, Krippen und Kindergärten haben wegen des Coronavirus wochenlang zu. Damit Spaß und Förderung nicht zu kurz kommen, hat sich eine Pädagogin das Projekt "Kita to go" ausgedacht – ein riesiger Erfolg.

    Per Mail sharen

    Wegen des Coronavirus haben Schulen, Krippen und Kindergärten wochenlang zu – keine leichte Situation für Familien. Die Pädagogin Marie-Luisa Puttich hat sich deshalb etwas einfallen lassen: die "Kita To Go". Der Tagesplan für Montag sieht dabei so aus:

    Wal "Willi" lädt zum Morgenkreis ein. Später führt Hai "Kai" durch einen sportlichen Unterwasser-Parkour. Mit den Tintenfischen "Tina" und "Tom" wird eine Qualle gebastelt. Zum Abschluss folgt ein Lernspiel mit "Danielo el Delfino".

    Tagesplan mit Lern- und Bewegungselementen

    Marie-Luisa Puttich gibt täglich einen Plan heraus, der Kreatives, Lern- und Bewegungselemente beinhaltet. Das Ganze steht immer unter einem Wochenmotto – vergangene Woche war es Unterwasser. Für jeden Wochentag gestaltet Marie einen individuellen Leitfaden. Am Donnerstag stand beispielsweise Sprachförderung mit der "Nuschel-Muschel" auf dem Programm.

    "Die Nuschel-Muschel ist eine Muschel, die immer nuschelt und nicht so gut sprechen kann. Die Kinder hatten die Aufgabe, mit der Muschel zu spielen und ihr beim Sprechen zu helfen. Es waren alles Spiele, die die Sprache fördern. Es gibt einen roten Faden in jedem Tagesplan. Es ist einfach Beschäftigung mit Förderung." Die Pädagogin Marie-Luisa Puttich

    Tausende Familien nutzen die "Kita to go"

    Marie-Luisa Puttich ist gelernte Erzieherin, hat Erziehungswissenschaften studiert und eine Kita in München geleitet. Heute organisiert die 30-Jährige mit ihrem Start-up "Hooray Box" eigentlich Kindergeburtstage (auf dem gleichnamigen Instagram-Account findet sich auch die "Kita to go"). In der aktuellen Krisensituation wollte sie gerne ihr Wissen nutzen und helfen.

    Die "Kita to go" hat sie in wenigen Tagen entwickelt. Das Feedback zeigt, dass ihre Initiative für viele Eltern und Kinder wie gerufen kommt. Auf 300 Familien hat Puttich gehofft, nach der ersten Woche hatten sich schon 4.000 Familien registriert, die täglich die "Kita to go" nutzen – eine große Reichweite.

    "Ja, total! Jedes Mal, wenn ich auf den Sendebutton klicke, habe ich eine ganz schön hohe Herzfrequenz. Mein Lebensgefährte schaut sich das alles nochmal an, aber wir machen das hier vom Wohnzimmer aus. Alles sehr aufregend – aber wir sind auch beflügelt. Es macht unheimlich viel Spaß." Die Pädagogin Marie-Luisa Puttich

    Struktur und Spaß in der Corona-Krise

    Natürlich kann die "Kita to go" nicht all das abdecken, was ein Kind sonst im Kindergarten lernt. Puttich will zumindest ein pädagogisches Rahmenprogramm anbieten, das Struktur liefert und auch Spaß macht. Sie möchte den Familien in der Coronakrise auch schöne und lustige Stunden bereiten.

    Lange Zeit wollte die Pädagogin gerne ihre eigene Kita gründen. Nun ist dieser Traum ein bisschen in Erfüllung gegangen. Ihre Community ist nicht nur in München zu Hause, sondern verteilt sich über ganz Deutschland. Franziska Braun zum Beispiel kommt aus Hamburg und hat sich mit ihren Töchtern schon bei der Unterwasser-Woche ausgetobt. Von dem Angebot hat sie auf Instagram erfahren. Nach einer Woche ohne Kindergarten, kam die Initiative für die junge Mutter gerade richtig.

    "Die erste Woche gab es das noch nicht. Da hab ich hier schon an drei Tage Eier gestaltet und bemalt und Kuchen gebacken, aber das kann man auch nicht fünf Wochen lang machen, also irgendwann gingen einem die Ideen aus und da kam das genau zur richtigen Zeit." Franziska Braun, Mutter

    Ihre Vierjährige freut sich schon immer auf die nächsten Tageseinheiten. Ein Highlight sind die Bastelideen, die Bewegungsspiele, aber auch der morgendliche Sitzkreis. Das Ritual haben sie sogar schon etwas erweitert.

    "Per Videotelefon schalten wir eine Freundin von mir dazu. Sie hat selber gar keine Kinder, aber ist beim Morgenkreis immer dabei und setzt sich auf den Balkon und bastelt die Bastelsachen allein mit, weil sie sonst nichts zu tun hat." Franziska Braun, Mutter

    Kostenloses Projekt mit Lob als Belohnung

    Für die kommenden Wochen, solange die Kitas noch geschlossen sind, hat Puttich noch so einige Ideen. Zunächst steht alles unter dem Motto Zirkus. Nebenbei begleitet sie ihr Programm auf Instagram, dort gibt es immer Hintergrundinfos und Tipps. Obwohl der Arbeitsaufwand mittlerweile sehr hoch ist und die Pädagogin Tag und Nacht mit ihrem Projekt beschäftigt ist, sollen die "Kita to go" und die Wochenpläne weiterhin kostenlos bleiben. Für die Zukunft plant sie als Ergänzung eventuell auch noch zahlungspflichtige Zusatzangebote. Momentan ist das positive Feedback von allen Seiten ihre Belohnung.

    "Ein paar Mal sind mir auch schon die Tränen gekommen, weil das echt schön ist. Eine Mama hat mir zum Beispiel geschrieben, dass ihre Tochter so traurig sein wird, dass sie gar nicht weiß, wie sie ihr erklären soll, dass Danielo el Delfino jetzt nicht mehr kommt, wenn sich also eine richtige Bindung zu den Figuren aufbaut und die Kinder das richtig toll finden." Die Pädagogin Marie-Luisa Puttich

    Eltern wünschen sich ähnliche Pläne Ferien und Regentage

    Wie es mit der "Kita to go" weitergeht, wenn die Einrichtungen wieder geöffnet haben, hält sich Puttich noch offen. Viele Eltern wünschen sich ähnliche Pläne für die Ferien, das Wochenende oder Regentage. Puttich will ihr Angebot für Kinder im Alter von von zweieinhalb bis sechs Jahren breit aufstellen. Die Ideen können Eltern leicht individuell anpassen. Oft genügt ja schon eine gute Idee als Anreiz.

    Und vielleicht hilft dieses Projekt in der Corona-Krise ja auch dabei, dass die Arbeit von Erziehern und Kindergärtnern mehr geschätzt wird. Das würde sich Marie Puttich wünschen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!